SPD gewinnt Bundestagswahl - Union stürzt auf Rekordtief

Stand: 27.09.2021 06:31 Uhr

Bei der Bundestagswahl hat die SPD nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis mehr Stimmen erhalten als die Union. Auch der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) zieht in den Bundestag ein.

Nach der Auszählung aller Wahlkreise hat die SPD mit Spitzenkandidat Olaf Scholz 25,7 Prozent der Stimmen erlangt. Die Union mit Armin Laschet kommt demnach auf 24,1 Prozent. Die Grünen mit Spitzenkandidatin Annalena Baerbock erreichen mit 14,8 Prozent das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Für die FDP sind es demnach 11,5 Prozent, die AfD liegt bei 10,3 Prozent. Die Linke bleibt im Bundestag. Sie liegt zwar nur bei 4,9 Prozent, holte jedoch drei Direktmandate in Berlin und Leipzig. Aufgrund der sogenannten Grundmandatsklausel zieht die Partei mit der Zahl von 39 Abgeordneten in den Bundestag ein. Die anderen Parteien liegen zusammengerechnet bei 8,6 Prozent. Das Ergebnis gab der Bundeswahlleiter am Morgen in Berlin bekannt. 735 Abgeordnete werden im neuen Bundestag vertreten sein. Die Wahlbeteiligung liegt bei 76,6 Prozent.

Der in Schleswig-Holstein beheimatete Südschleswigsche Wählerverband (SSW) hat nach über 60 Jahren erneut den Einzug in den Bundestag geschafft. Laut vorläufigem Ergebnis kommt die Partei der nationalen Minderheiten der Dänen und Friesen auf einen Sitz.

Alle Daten finden Sie im Wahlmonitor

Welche Koalitionen sind nun möglich?

Auf dieser Basis sind folgende Koalitionen möglich: Eine Ampel-Koalition (SPD, FDP, Grüne) hätte im neuen Bundestag eine Mehrheit, dies gilt auch für eine Jamaika-Koalition (Union, FDP, Grüne). Rein rechnerisch wäre auch eine Neuauflage der Großen Koalition möglich.

Scholz: "Die Wähler wollen einen Wechsel"

SPD-Spitzenkandidat Olaf Scholz sagte am Sonntagabend auf der Wahlparty in Berlin unter dem Jubel der anwesenden Sozialdemokraten: "Die Bürgerinnen und Bürger haben entschieden, dass die Sozialdemokratie bei allen Balken nach oben geht. Und das ist ein großer Erfolg."

Scholz sieht den Auftrag für die Bildung der ersten Bundesregierung nach der Ära Merkel bei sich. Er rechnet mit einer schnellen Lösung in der Koalitionsfrage. "Das glaube ich, wird sich in kurzer Zeit klären", sagte er in der "Berliner Runde" von ARD und ZDF. Den Wahlkreis von Angela Merkel (CDU) auf Rügen übernimmt die 27-jährige Anna Kassautzki von der SPD.

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Laschet: "Wir können nicht zufrieden sein"

Spitzenkandidat Armin Laschet sagte am Sonntagabend nach den ersten Hochrechnungen: "Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Aber wir können jetzt schon sagen: Mit dem Ergebnis können wir nicht zufrieden sein." Laschet zeigte sich im Kampf um das Kanzleramt dennoch kämpferisch. "Eine Stimme für die Union ist eine Stimme gegen eine linksgeführte Bundesregierung. Deshalb werden wir alles daran setzen, eine Bundesregierung unter Führung der Union zu bilden."

Eine Neuauflage der Großen Koalition hält der CDU-Vorsitzende für "nicht zukunftsträchtig". "Wir brauchen einen echten Neuanfang", so Laschet.

Baerbock: Dieses Mal hat es noch nicht gereicht

Auch Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock sprach am Sonntagabend zu ihren Anhängern: "Dieses Mal hat es noch nicht gereicht, aber wir haben einen Auftrag für die Zukunft. Man spürt: Dieses Land braucht eine Erneuerung, einen richtigen Aufbruch - und dieses Land braucht eine Klima-Regierung." Die Grünen konnten ihr Bundestagswahl-Ergebnis von 2017 deutlich verbessern.

Baerbock musste sich auch in ihrem Potsdamer Wahlkreis Mitbewerber Olaf Scholz geschlagen geben, der das Direktmandat mit 34 Prozent gewann. Ihr Co-Vorsitzender Robert Habeck konnte dagegen seinen Wahlkreis Flensburg-Schleswig gewinnen.

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Jubel bei FDP und AfD, Frust bei den Linken

FDP-Chef Christian Lindner zeigte sich zufrieden: "Die FDP hat eines der besten Wahlergebnisse in ihrer Geschichte erzielt." Mit Blick auf das Abschneiden der anderen Parteien sagte Lindner: "Von diesem Tag geht ein klares politisches Signal aus: Die politische Mitte wurde gestärkt, die politischen Ränder wurden geschwächt. Der Auftrag an alle Parteien mit staatspolitischer Verantwortung ist: Die Bürgerinnen und Bürger wollen eine Regierungsbildung aus der Mitte heraus."

Die Co-Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag, Alice Weidel, wertete das Abschneiden ihrer Partei als "sehr solides Ergebnis". Die AfD werde zweistellig abschneiden und sei allen Unkenrufen zum Trotz nicht aus dem Bundestag heraus gewählt worden, sagte Weidel in der ARD. Die Parteivorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, zeigte sich enttäuscht von dem Wahlergebnis ihrer Partei. "Das ist ein schwerer Schlag für uns."

Auch im Norden liegt die SPD vorne

Auch in den norddeutschen Bundesländern liegt die SPD vorne. In Niedersachsen kommen die Sozialdemokraten bei den Zweitstimmen auf 33,1 Prozent (CDU: 24,2 %), in Schleswig-Holstein auf 28,0 Prozent (CDU: 22,0%), in Mecklenburg-Vorpommern auf 29,1 Prozent (CDU: 17,4%; AfD: 18%) und in Hamburg auf 29,7 Prozent (CDU: 15,5 %; Grüne: 24,9%).

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Die aktuellen Ergebnisse und die wichtigsten Reaktionen finden Sie auf den Wahlseiten von NDR.de/MV.

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NDR Info | Aktuell | 26.09.2021 | 18:00 Uhr

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