Stand: 19.08.2020 16:01 Uhr

Regionalflughäfen im Norden unwirtschaftlich

von Katharina Seiler
Zirchow auf Usedom: Auf dem Flughafen Heringsdorf wird das erste Flugzeug im Linienflugverkehr der Lufthansa aus Frankfurt/Main abgefertigt. (30.05.2020) © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer
Die norddeutschen Regionalflughäfen schneiden in der BUND-Untersuchung überwiegend eher schlecht ab.

Einer Studie der Umweltorganisation BUND zufolge sollte der Staat Regionalflughäfen nicht weiter unterstützen. Sie seien unwirtschaftlich und klimapolitisch bedenklich. Der BUND hat 14 deutsche Regionalflughäfen nach folgenden Kategorien untersucht: Anzahl der Fluggäste, Anschlussmöglichkeit zu anderen Flügen sowie staatliche Hilfen.

Gute Noten für Bremen

Zu den am besten bewerteten Regionalflughäfen in Norddeutschland gehört der Flughafen Bremen. Der Studie zufolge kann er trotz gesunkener Passagierzahlen wirtschaftlich - also ohne Subventionen - betrieben werden. Außerdem sei er gut mit anderen Flughäfen vernetzt, sodass die Passagiere Anschlussflüge bekommen.

FMO braucht viel Unterstützung vom Staat

Der Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) dagegen kann nur bei den steigenden Fluggastzahlen punkten. Hier stellt die Studie einen Anstieg von rund zehn Prozent in den vergangenen fünf Jahren fest. Trotzdem ist der FMO auf hohe staatliche Subventionen angewiesen.

Rostock/Laage gehört zu Schlusslichtern

Zu den Schlusslichtern gehören die Flughäfen Kassel/Calden und Rostock/Laage. Beide haben insgesamt viel zu wenig Passagiere, sind schlecht mit anderen Flughäfen vernetzt, weshalb sie keine guten Anschlüsse anbieten und sind stark von staatlichen Subventionen abhängig, so das Ergebnis der Studie. Insgesamt gibt der BUND sieben der 14 untersuchten Airports die rote Karte. Sein Fazit: Fast alle Regionalflughäfen steckten in einer wirtschaftlichen Krise - das sei auch schon vor der Corona-Pandemie so gewesen.

MV: Verkehrsminister verteidigt finanzielle Hilfen

In Mecklenburg-Vorpommern stieß die schlechte Bewertung des Flughafens Rostock/Laage auf Unverständnis: Der Zeitpunkt für eine Bewertung der Wirtschaftlichkeit von Flughäfen sei wegen der Corona-Pandemie nicht sehr günstig gewählt, sagte Verkehrsminister Christian Pegel (SPD). Gerade Rostock-Laage habe bis zu den Insolvenzen mehrerer Fluglinien und dem durch die Pandemie ausgelösten Stillstand einen deutlichen Aufwärtstrend bei Flügen und Passagierzahlen verzeichnen können. Dies habe auch den Ausschlag gegeben, dass die Landesregierung den Flughafen weiterhin finanziell unterstützt, so Pegel.

Mit Subventionen ist es bald vorbei

Das Deutsche Steuerzahlerinstitut stellte in einer Bestandsaufnahme aus dem Mai fest: Fast alle Regionalflughäfen machen Verluste und auch die Passagierzahlen sind rückläufig. Hinzu kommen die Insolvenzen der Billig-Fluganbieter, was die Regionalflughäfen zusätzlich schwächt. Der Trend gehe zu Großflughäfen, so das Fazit des Steuerzahlerinstituts. Diese Einschätzung teilt der Verkehrsexperte bei Deutsche Bank Research, Eric Heymann. Er stellt in seinen Analysen seit Jahren fest: Regionalflughäfen sind nicht wirtschaftlich. Die Passagierzahlen seien zu niedrig und für die lokale Wirtschaft brächten sie auch kaum Nutzen. Sie zu betreiben, sei in der Regel politisch motiviert. Ab 2024 dürfte es schwierig werden für die kleinen Airports: Dann verbietet die EU staatliche Hilfen für die Regionalflughäfen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.08.2020 | 10:00 Uhr

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