Stand: 29.11.2019 17:34 Uhr

Pro und Kontra: Lohnen sich die Klimastreiks?

Weltweit sind am Freitag wieder vor allem junge Menschen auf die Straßen gegangen, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren und die Politiker zum Handeln zu bewegen. Doch lohnt sich der Aufwand, den die Protestierenden betreiben? Oder wird sich kaum etwas ändern?

Die NDR Info Redakteure Ferdinand Klien und Michael Weidemann haben dazu unterschiedliche Ansichten. Wie ist Ihre Meinung? Schreiben Sie uns - unten auf dieser Seite.

Pro

"Erfolg hat nur, wer einen langen Atem hat", meint Michael Weidemann.

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Die "Fridays for Future"-Bewegung müsse eine Beharrlichkeit entwickeln, meint Michael Weidemann.

Wenn Grünen-Chef Robert Habeck die Maßnahmen der GroKo ein "Klimapäckchen" nennt, spricht er den "Fridays for Future"-Aktivisten wohl voll aus der Seele. Die als halbherzig wahrgenommenen CO2-Ziele der Bundesregierung haben bei vielen Freitags-Demonstranten das Gefühl ausgelöst, mit ihren Aktionen kaum etwas erreicht zu haben.

Aber dieser Eindruck ist falsch. Ohne die öffentlichkeitswirksamen Schulstreiks wäre das Klimapaket vermutlich noch viel kleiner ausgefallen. Und das Thema Erderwärmung und ihre verheerenden Folgen wird dank der allwöchentlichen Demonstrationen auch so schnell nicht wieder von der politischen Tagesordnung verschwinden. Allein das ist schon ein bemerkenswerter Erfolg der Schülerinnen und Schüler - auch wenn sie es selbst ganz anders sehen.

Wenn Protest in Veränderung münden soll, ist nun mal Geduld gefragt. Das haben die meisten Graswurzel-Bewegungen in der jüngeren Geschichte erfahren müssen. Ob die Studentenbewegung ab 1968, die Anti-Atom-Initiativen der 70er- und 80er-Jahre oder die Lesben- und Schwulenorganisationen nach der Jahrtausendwende: Sie alle mussten viele Jahre - oft sogar Jahrzehnte - durchhalten, bis sie ihre entscheidenden Ziele erreichten.

Dass der Fortschritt nur im Schneckentempo vorangeht, ist schwer zu akzeptieren, wenn man jung ist und die Zukunft des Planeten in Gefahr sieht. Aber es stimmt: Erfolg hat nur, wer einen langen Atem hat. Eine Beharrlichkeit, die nun auch die "Fridays for Future"-Bewegung entwickeln muss.

Kontra

"Vor Illusion ist zu warnen", meint Ferdinand Klien.

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Der Temperaturanstieg könne sich mit nachhaltigem Handeln zumindest ein wenig verzögern lassen, meint Ferdinand Klien.

Ja, die weltweiten Streiks und Aktionen weisen zu Recht auf die drohenden Gefahren der Erderwärmung hin. Das verdient Anerkennung, doch vor Illusionen ist zu warnen. Auch die Klimakonferenz in Madrid wird mit ihren Beschlüssen zur CO2-Bepreisung oder dem Emissionshandel zu wenig bewirken.

Der Klimawandel beschleunigt sich schneller als gedacht. So stiegen alleine in Deutschland die Temperaturen in den vergangenen fünf Jahren um 0,3 Grad - und bis 2030 könnten noch mal 0,7 Grad mehr auf dem Thermometer abzulesen sein.

Global sieht es für die kommende Dekade nicht besser aus: Die Auftragsbücher der Auto-, Kreuzfahrtschiff- und Flugzeugbauer sind prall gefüllt, weil vor allem in den Industriestaaten mehr Menschen fliegen oder eben auch als Pendler weiter Auto fahren.

Zu diesem Mobilitäts- gesellt sich der Konsumrausch: Milliarden von Online-Einkäufen nebst Zustellungen, die noch mehr CO2-Ausstoß bewirken. Auch die schnell wachsende Weltbevölkerung verbraucht immer mehr Energie, die nicht sauber produziert werden kann. Ebenso hinkt die Landwirtschaft in Sachen Nachhaltigkeit weit hinterher. Die großen Treckerdemos der Landwirte bei uns zeugten von den offenbar unlösbaren Umstellungsproblemen.

Dennoch gibt es Handlungsspielräume in der Klimapolitik. Und wenn wir alle durch Verzicht auf mehr Nachhaltigkeit achteten, könnte sich der Temperaturanstieg zumindest ein wenig verzögern lassen.

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"Fridays for Future"

Die Aktivisten von Fridays for Future kämpfen für schnelleren Klimaschutz. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 29.11.2019 | 17:08 Uhr

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