Spaziergänger laufen auf die Insel Neuwerk zu. © picture alliance/dpa Foto: Sina Schuldt

Osterurlaub trotz Corona? Das sind die Pläne der Nordländer

Stand: 22.03.2021 09:12 Uhr

Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wollen den Osterurlaub retten - zumindest im Kleinen. Sie fordern vom Bund-Länder-Gipfel die Öffnung für kontaktarmen Urlaub.

Die Küstenländer verschickten am Sonntag eine entsprechende Erklärung. Demnach soll das Reisen ausschließlich innerhalb der jeweiligen Landesgrenzen in Einrichtungen mit Selbstversorgung und sanitären Anlagen freigegeben werden, hieß es in dem Schreiben. Darunter fallen beispielsweise Ferienwohnungen oder -häuser, Campingwagen und Wohnmobile. Für Hamburg und Bremen solle es gesonderte Regelungen geben.

Urlaub nur mit negativem Schnelltest

Das Reisen soll an Schnelltests und Hygienekonzepte gebunden werden. Heißt: ohne aktuelles negatives Testergebnis kein Urlaub. Die Hygienemaßnahmen und weitere Punkte wie die Frage nach Kapazitätsbeschränkungen sollten die Länder demnach individuell entscheiden. "Kontaktarmer Osterurlaub im eigenen Land" heißt es im Titel der gemeinsamen Erklärung.

Kritik an Mallorca-Reisen

Die Aufhebung der Reisewarnung für die Balearen ist in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern auf Unverständnis und Kritik gestoßen. Seit Sonntag fliegt Tuifly nach monatelangem Stillstand Mallorca an - die regionalen Hoteliers und Gastronomiebetreiber schauen weiter in die Röhre. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Niedersachsen fühlte sich "verraten". "Für uns Gastronomen war es ein Schlag in die Magengrube, als diese Nachricht mit Mallorca kam", sagte Olaf Stamsen, Vorsitzender des Stadtverbands Wilhelmshaven.

"Alternative für sicheren Urlaub in der Heimat"

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) forderte am Wochenende, diese Entscheidung rückgängig zu machen. "Die Mallorca-Entscheidung der Bundesregierung erweist sich dabei in der Vermittlung als spürbarer Ballast", sagte er. "Mit unserem Vorschlag eröffnen wir in einem eng begrenzten Bereich eine Alternative für einen sicheren Urlaub in der Heimat." Kurz vor dem Bund-Länder-Treffen dämpfte er die Hoffnung auf Lockerungen. Angesichts steigender Infektionszahlen gebe es dafür wenig Hoffnung sagte er im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Dennoch kehren ab heute immer mehr niedersächsische Schüler in den Präsenzunterricht zurück.

Weiter vorsichtig und achtsam sein

Sein Kollege aus Schleswig-Holstein pflichtete ihm bei. "Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb die Bundesregierung einen Urlaub auf Mallorca für sicherer hält als ein Osterwochenende mit Testpflicht in einer Ferienwohnung an Nord- oder Ostsee", sagte Daniel Günther (CDU). Klar sei jedoch, man müsse angesichts bundesweit steigender Infektionszahlen weiter vorsichtig und achtsam sein.

Schwesig: "Signal an die Branche"

Auch MV-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) findet klare Worte: "Wer beispielsweise von Rostock nach Rügen fährt und mit seiner Familie die Ostertage in einem Ferienhaus verbringt, ist keinen zusätzlichen Ansteckungsgefahren ausgesetzt." Die Forderung der Nordländer sei ein Signal an die Branche, dass "wir den Tourismus Schritt für Schritt wieder hochfahren wollen". Das gehe aber angesichts der steigenden Corona-Zahlen noch nicht vollständig. "Dann braucht die Branche zusätzliche Unterstützung. Dafür treten wir gemeinsam ein."

Merkel mahnt zur Einhaltung der "Notbremse"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird voraussichtlich einen Vorschlag in die Bund-Länder-Gespräche am Montag einbringen, nach dem der Lockdown bis in den April verlängert werden soll. Angesichts steigender Infektionszahlen erinnerte sie zudem an die Vereinbarung von vor zwei Wochen, nach der die vorübergehenden Rücknahmen der Maßnahmen ab einem Inzidenzwert von mehr als 100 per "Notbremse" gestoppt werden sollen.

Weitere Informationen
Ein Flugzeug der Tuifly startet am Flughafen in Hannover. © picture alliance Foto: Julian Stratenschulte

Flughafen Hannover: Tuifly bringt Fluggäste nach Mallorca

Am Sonntag sind zwei Maschinen gestartet. Ministerpräsident Weil fordert eine erneute Reisewarnung für die Balearen. (21.03.2021) mehr

eine junge Frau sitzt im Sand an einem Zaunpfahl am Strand von Warnemünde. © dpa Foto: Jens Büttner

Vor dem Gipfel: Wirtschaft hofft auf Öffnungsschritte

Die Forderungen der einzelnen Bundesländer können kaum weiter auseinander liegen. (21.03.2021) mehr

Eine Frau in weißem Schutzanzug, mit Maske und Visier steht in einem Container am Fähranleger Norddeich und führt bei einer Person einen Corona-Test durch. © dpa-Bildfunk Foto: Sina Schuldt

Urlaub: Inseln legen Konzept für doppelte Test-Strategie vor

Ein negativer PCR-Test vor der Anreise, ein Schnelltest auf der Insel - so wollen die Inseln wieder Urlauber empfangen. (20.03.2021) mehr

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Michael Müller und Markus Söder mit FFP-2-Masken beim Impfgipfel. © dpa picture alliance Foto: Hannibal Hanschke

Coronavirus-Blog: Kanzleramt will Lockdown bis 18. April

Zudem will der Bund offenbar von "nicht zwingend notwendigen Reisen" abraten - auch über Ostern. Mehr Corona-News im Blog. mehr

Ein Pflaster klebt auf dem Arm einer jungen Frau. © Colourbox Foto: Csaba Deli

Coronavirus-Update: Alle Folgen

Der Virologe Christian Drosten liefert im Podcast Coronavirus-Update Expertenwissen - zusammen mit Virologin Sandra Ciesek. Hier alle Folgen in der Übersicht. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 21.03.2021 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, schaut bei einem Rundgang in die Produktionsstätten von Allergopharma in Reinbek bei Hamburg. © picture alliance/dpa/dpa/Pool Foto: Christian Charisius

Corona-News-Ticker: Sommerurlaub in der EU ohne Impfung?

Der Gesundheitsminister hält das für möglich. Man werde sich in Europa auch mit Testungen gut bewegen können, sagte Spahn. Mehr News im Ticker. mehr