Proben in den Händen eines Labormitarbeiters © picture alliance/dpa-Zentralbild Foto: Waltraud Grubitzsch

Neue Corona-Zahlen: Delta-Variante vermutlich schon dominant

Stand: 01.07.2021 11:08 Uhr

Der neueste RKI-Bericht zeigt: Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich in Deutschland rasant aus. Mittlerweile dürfte sie bei den Neuinfektionen bereits dominieren.

von Anna Behrend

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland sinkt seit Wochen kontinuierlich. In Norddeutschland liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in allen Landkreisen unter zehn, mancherorts wurden in der vergangenen Woche sogar gar keine neuen Fälle registriert. Doch Experten warnen davor, dass sich die Lage durch die besonders ansteckende Delta-Variante bald wieder ändern könnte.

In den wöchentlichen Berichten des Robert Koch-Instituts (RKI) deutete sich zuletzt bereits eine ungute Entwicklung an, nämlich eine Verdopplung des Delta-Anteils von Woche zu Woche. "Wenn das so sein sollte, dann ist das ein sehr schlechtes Signal", sagte Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité am 22. Juni. Schaut man nun auf die Zahlen aus dem aktuellsten RKI-Bericht vom Mittwoch, so bestätigt sich genau diese Befürchtung.

In den vier Kalenderwochen vom 17. Mai bis 20. Juni verdoppelte sich der Delta-Anteil stets - auf mittlerweile rund 37 Prozent. Berücksichtigt man, dass der Wert sich in der Vergangenheit durch Nachmeldungen in späteren Berichten immer noch um fast ein Drittel erhöht hat, so hätte der Delta-Anteil in der Woche ab dem 14. Juni bereits bei rund 48 Prozent gelegen. Nimmt man einmal an, dass dieser Zuwachs von Delta auf Kosten der bisher vorherrschenden Alpha-Variante geht, so wäre diese damit bereits auf den zweiten Platz unter den sogenannten besorgniserregenden Varianten gesunken.

Das sind die Zahlen für die Woche ab Mitte Juni. Mittlerweile hatte die Delta-Variante also anderthalb weitere Wochen Zeit, sich in der Bundesrepublik auszubreiten. "Ich glaube, dass wir mittlerweile Delta in bestimmten Gebieten vielleicht sogar deutschlandweit als dominante Virus-Variante haben", sagte Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum in Frankfurt in der aktuellen Folge des Coronavirus-Update-Podcasts. Auch im aktuellen RKI-Bericht heißt es, es sei damit zu rechnen, das sich Delta gegenüber den anderen Varianten durchsetzen werde und aktuell bereits mindestens die Hälfte aller Neuinfektionen ausmache.

Das Coronavirus © CDC on Unsplash Foto: CDC on Unsplash
AUDIO: Ciesek im Corona-Podcast zur Verbreitung der Delta-Variante (84 Min)

Werden die Fallzahlen durch Delta bald steigen?

Doch was bedeutet das für das Infektionsgeschehen in Deutschland? Ist damit zu rechnen, dass die Fallzahlen und somit die Sieben-Tage-Inzidenzen durch die Delta-Variante demnächst wieder steigen?

Noch nimmt die Zahl der wöchentlichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus insgesamt ab. Die genaue Zahl der Delta-Infektionen ist nicht bekannt, da nicht jeder positive Corona-Test daraufhin untersucht wird, welche Variante vorliegt. Eine solche sogenannte Sequenzierung wird stets nur mit ausgewählten Proben durchgeführt und dann ermittelt, welche Virusvariante in diesen Proben wie häufig vorkam. Da nur eine Auswahl an Proben untersucht wird, ist die Datengrundlage vergleichsweise klein und eine verlässliche Aussage über die regionale Verteilung der Delta-Variante schwierig. Doch man kann die Zahl der Infektionen mit Delta deutschlandweit aus dem Anteil an der untersuchten Stichprobe und der Gesamtzahl bekannter Infektionen in Deutschland schätzen.

Das Diagramm zeigt: Bis Ende Mai dominierte das Sinken der Infektionszahlen insgesamt auch die Infektionen mit der Delta-Variante - nach einem ersten Aufflammen sank die Zahl kurzzeitig wieder. Doch mittlerweile ist der Anteil der Delta-Variante an den gesamten Infektionen so rasant gestiegen, dass trotz insgesamt sinkender Fallzahlen die absolute Zahl der Delta-Fälle wächst.

Wann dies zu einem Ansteigen der Fälle insgesamt führen wird, ist nicht ganz leicht vorherzusagen. Wissenschaftlerin Ciesek rechnet damit, dass die Fallzahlen im Herbst und Winter wieder steigen werden. Die Infektionen ließen sich in dieser Jahreszeit einfach schlechter kontrollieren, so die Virologin.

Dennoch werde die Situation durch Tests und Impfungen eine andere sein als im vergangenen Jahr, so Ciesek. "Ich denke, wir sind auf jeden Fall im Vergleich zum letzten Jahr besser mit Waffen gegen das Virus ausgerüstet oder mit bestimmten Maßnahmen", sagt sie. "Ich hoffe deshalb, dass es das Krankenhaussystem nicht mehr so belasten wird, weil die, die schwere Verläufe haben, zum großen Teil geschützt sind und weil man auch sieht, dass die Impfungen gerade die Todesfälle in den älteren Jahrgängen doch deutlich reduzieren konnten."

Ciesek rät jedoch dazu, angesichts der grassierenden Delta-Variante schnell und entschlossen zu handeln. Trete etwa in einer Schulklasse ein Fall der Delta-Variante auf, so solle die ganze Klasse schnellstmöglich getestet und wenn nötig in Quarantäne geschickt werden. "Ich glaube, Delta verzeiht das noch weniger als die anderen Varianten, wenn man nicht schnell genug handelt", so die Wissenschaftlerin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 01.07.2021 | 10:52 Uhr

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