Stand: 11.02.2020 19:24 Uhr

Orkantief: Weiter Sturmfluten und schwere Sturmböen

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Auf Wangerooge wurde der Strand durch die Folgen der Sturmflut bereits schwer beschädigt.

Die Ausläufer von Orkantief "Sabine" beschäftigen den Norden weiter: Bis Mittwoch werden weitere Sturmfluten erwartet und es besteht die Gefahr schwerer Sturmböen. Laut einer Warnung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) sollte heute das Nachmittag-Hochwasser beziehungsweise das Abend-Hochwasser an der ostfriesischen Küste und im Wesergebiet 1,5 bis 2 Meter, im Elbegebiet und an der nordfriesischen Küste 2 bis 2,5 Meter und im Hamburger Elbegebiet etwa 2,5 Meter höher als das mittlere Hochwasser eintreten.

Strandabbrüche auf Wangerooge

Besonders besorgt sind die Menschen auf Wangerooge, denn dort richtete der Sturm bereits erheblichen Schaden am Strand an. "Zwei Meter wären für uns der Super-GAU", sagte Wangerooges Bürgermeister Marcel Fangohr. Nachdem bereits Teile des Hauptstrands oder auch im Osten der Insel durch leichte Sturmfluten am Montag abgebrochen waren, befürchtete er, dass kein Sand übrig bleiben könnte. "Dann ist nur noch Kieswerk zu sehen." Die Abbruchkante sei teilweise bis zu zwei Meter hoch und erstrecke sich am Hauptstrand über eine Länge von etwa einem Kilometer, sagte der stellvertretende Ratsvorsitzende der Insel, Peter Kuchenbuch-Hanken.

Fischmarkt in Hamburg unter Wasser

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In Hamburg wurde die Große Elbstraße überflutet.

In Hamburg wurde der Fischmarkt in St. Pauli am Dienstagmorgen überflutet. Das Wasser stieg auf 1,74 Meter über dem mittleren Hochwasser, wie ein Sprecher des BSH sagte. Schäden gab es laut Feuerwehr keine. Bereits am Montagabend hatte es eine Sturmflut gegeben. Das Wasser überschwemmte den Fischmarkt und angrenzende Straßen, mehrere Autos konnten rechtzeitig abgeschleppt werden. Der Fluss stieg auf 2,70 Meter über dem mittleren Hochwasser, wie das BSH mitteilte. Damit handelte es sich um eine schwere Sturmflut. Mehrere Buslinien an der Elbe wurden umgeleitet oder unterbrochen.

"Land unter" auf den Halligen

Auch die Fähranleger in Dagebüll und Wyk auf Föhr standen unter Wasser. Die Fluttore, die Wyk vor den Nordseefluten schützen sollen, waren geschlossen. Auf den Halligen hieß es "Land unter". In Dagebüll wurde nach Angaben des BSH am Montag ein Pegelstand von 2,18 Metern über dem mittleren Hochwasser gemessen. In Husum wurde das mittlere Hochwasser um 2,28 Meter überschritten. Die Deiche an der Nordseeküste hätten den Fluten "problemlos standgehalten", sagte ein Sprecher des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) Schleswig-Holstein am Dienstag. Allerdings kam es auf den Inseln Sylt und Föhr zu Sandabtragungen.

Es bleibt stürmisch - Warnung vor Betreten der Wälder

Das stürmische Wetter hält in Norddeutschland an. Noch bis Mittwochabend soll der Wind weiter kräftig wehen, im gesamten Norden muss mit schweren Sturmböen bis 100 km/h gerechnet werden. Dazu kommen Regen-, Schnee- und Graupelschauer mit nächtlicher Glättegefahr. Erst am Donnerstag werde sich das Wetter beruhigen, sagte Felix Herz, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD): "Der Wind nimmt ab, morgens kann die Sonne herauskommen." Schon ab Donnerstagmittag werde es dann aber wieder wolkiger und regnerisch. Und für Sonntag drohe bereits der nächste Sturm.

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Überall im Norden gelten weiterhin Warnungen vor dem Betreten von Wäldern, da noch nicht abschätzbar sei, welche Auswirkungen der Sturm dort gehabt hat.

Weiter Behinderungen im Bahnverkehr

In Hamburg kam es am Dienstag erneut zu Beeinträchtigungen des Bahn-Fernverkehrs. Wegen zweier umgestürzter Bäume konnten Fernzüge zwischenzeitlich nicht bis Altona fahren, sondern starteten und endeten am Hauptbahnhof. Im Verlauf des Tages wurde die Strecke aber wieder komplett freigegeben, berichtete NDR 90,3.

Den Fernverkehr in Norddeutschland hatte die Deutsche Bahn am Montagmorgen nach und nach wieder aufgenommen, nachdem das Unternehmen ihn am Sonntagnachmittag vorsorglich bundesweit eingestellt hatte. Allerdings fuhren auch am Montagabend deutschlandweit noch nicht wieder alle Züge nach Plan. Die meisten Regionalbahnen nahmen am Montag wieder den Betrieb auf. Allerdings führte am Dienstagmorgen eine Oberleitungsstörung zu Einschränkungen im Bahnverkehr zwischen Hamburg und Westerland auf Sylt. Ab etwa 5.45 Uhr fuhr zwischen Elmshorn und Itzehoe kein Zug, wie die Bahn mitteilte. Nach ersten Erkenntnissen waren Äste auf die Oberleitung gefallen und hatten diese beschädigt. Ein Ersatzverkehr mit Bussen wurde eingerichtet. Am Montagnachmittag hatte zudem ein umgestürzter Baum zwischen Tornesch und Elmshorn zu Behinderungen im Bahnverkehr zwischen Hamburg und Kiel und zwischen Flensburg und Hamburg geführt.

Der Bahnverkehr zwischen Bad Segeberg und Neumünster wurde nach der Sperrung wegen eines drohenden Dach-Einsturzes am Dienstagmorgen wieder freigegeben. Auch die Bundesstraße 206 kann wieder befahren werden. Die Sperrungen waren am Montagabend eingerichtet worden, nachdem sich an einer Lagerhalle große Wellblechplatten gelöst hatten.

Schneefall sorgt für Unfälle

Auch auf den Straßen in Norddeutschland ist weiter Vorsicht geboten. Bedingt durch Schneefall kam es in der Region Oldenburg in der Nacht zu Dienstag zu mehreren Unfällen - verletzt wurde dabei niemand. Auch in Schleswig-Holstein kam es zu Glätteunfällen. Die A23 war zeitweise in Itzehoe wegen Eisglätte gesperrt. Über die aktuelle Lage informiert das NDR Verkehrsstudio.

Wegen eines Böschungsrutsches aufgrund des Sturms wird ein Teilabschnitt der Autobahn 7 in Südniedersachsen in der Nacht zu Mittwoch gesperrt. Betroffen ist der Bereich zwischen Echte (Kreis Northeim) und Seesen (Kreis Goslar).

Noch immer Flugausfälle im Norden

Am Hamburger Flughafen gab es auch am Dienstag Flugausfälle: Acht Ankünfte und acht Abflüge seien gestrichen worden, sagte eine Sprecherin am Dienstag. Am Montag waren rund ein Drittel der 360 Starts- und Landungen gestrichen worden, am Sonntag mehr als 50 Flüge. Entspannt hat sich auch die Lage am Flughafen Hannover, wo am Montag rund jeder dritte Flug ausgefallen war. Für Dienstag standen nur zwei Ausfälle im Plan.

Genaue Informationen über Abflüge und Landungen an norddeutschen Flughäfen finden Sie im NDR Text ab Seite 700.

Reedereien streichen Fährfahrten

Im Fährverkehr gibt es weiter Behinderungen. Die Reederei Frisia teilte mit, dass aufgrund des Sturmtiefs der Schiffsverkehr mit Norderney und Juist bis einschließlich Mittwoch noch komplett eingestellt sei. Am Dienstag fielen unter anderem auch die Fähren zwischen Neßmersiel und Baltrum sowie zwischen Harlesiel und Wangerooge aus. Auch zwischen Cuxhaven und Helgoland sowie zwischen Schlüttsiel und den Halligen fanden keine Fahrten statt. Änderungen gibt es auch im Fährverkehr Dagebüll-Amrum-Föhr und bei der Syltfähre zwischen List und Havneby im dänischen Römö.

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NDR Info | Nachrichten | 10.02.2020 | 23:00 Uhr