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Corona: Mit der Luca-App schneller aus dem Lockdown?

Stand: 09.03.2021 07:39 Uhr

Nach vielen Wochen Corona-Lockdown ist der Wunsch nach weiteren Lockerungen groß. Auch Gastronomen und Künstler hoffen, bald wieder loslegen zu können. Die Luca-App soll dabei helfen, hinter der unter anderem auch die Rapper der Fantastischen Vier stehen.

Die Idee hinter Luca: den Aufwand zur Kontaktnachverfolgung beispielsweise nach Restaurant-, Hotel- oder Konzertbesuchen für alle Seiten einfacher zu machen. Die App soll die bisherige Zettelwirtschaft ablösen - die nicht zuletzt wegen unleserlicher oder ausgedachter Kontaktadressen für die Gesundheitsämter meist wenig hilfreich war.

Künftig könnten Gastronomen, Einzelhändler oder Konzertveranstalter ihre Besucher mit einem sogenannten QR-Code in Empfang nehmen, den diese mit der App auf ihrem Handy scannen können. Nun sind die Besucher eingecheckt - und im Fall einer Infektion können ihre Daten direkt und verschlüsselt an die kooperierenden Gesundheitsämter übermittelt werden - nur die können die Daten auslesen.

Auch andere Entwickler wie Vida, shapefruit.de oder darfichrein.de bieten einen ähnlichen Service an, der aber mit Kosten für die Anbieter verbunden ist. Zudem befürchten Experten, dass zu viele unterschiedliche Apps die Akzeptanz der digitalen Tools erschweren könnten.

MV ist Vorreiter für die Luca-App

Mecklenburg-Vorpommern hat als erstes deutsches Bundesland die Lizenz für die Nutzung der Luca-App gekauft. Seit Inkrafttreten der neuen Corona-Regelungen, ist die App bereits vielerorts im Einsatz. Allerdings müssen Händler derzeit noch selbst die Daten ihrer Kunden verwalten, weil sie die App auf ihren eigenen Endgeräten betreiben müssen. Das soll sich ändern, sobald die Gesundheitsämter die entsprechende Software installiert haben.

Dann sollen die gespeicherten Daten sicher auf einem zentralen Server der Bundesdruckerei gespeichert werden, heißt es von der Landesregierung. „Mit der App ist diese Registrierung schnell und sicher in allen Einrichtungen mit Publikumsverkehr anwendbar. Sie ist für die Nutzer kostenfrei und der besuchten Einrichtung gegenüber anonym", sagt Digitalisierungsminister Christian Pegel dazu.

Daran werde aktuell mit "Hochdruck" gearbeitet, heißt es weiter. Als nächsten Schritt sollen dann auch beispielsweise Arztpraxen, Fitnessstudios, Friseursalons, aber auch Schulen und Kitas mit dem System vertraut gemacht werden. Über Details will Pegel, zusammen mit den Entwicklern der App, in den kommenden Tagen in einer Video-Pressekonferenz informieren.

Touristiker hoffen auf sicheren Saisonstart

Besonders die Urlaubsbranche in Mecklenburg-Vorpommern hofft auf einen Weg hin zu einem sicheren Tourismus. Die Inseln haben dabei ganz klar den Saisonstart zu Ostern im Blick: "Die Pandemie ist dann zwar noch nicht vorbei, aber mit Luca sind wir bestens aufgestellt", sagt Jochen Gemeinhardt, Geschäftsführer der Föhr Tourismus GmbH. Gäste und Insulaner könnten sich sicher fühlen und Betreiber von Restaurants oder Unterkünften brauchen keine Papierhaufen mit Kontaktdaten mehr zu verwalten. Auch die Unternehmensverbände vor Ort appellierten an ihre Mitglieder, beim Luca-Projekt mitzumachen.

Doch Patrick Hennig, CEO der Start-Up-Firma neXenio und einer der Köpfe hinter der App, betont, dass es nicht nur darum geht, Gastronomie und Events wieder möglich zu machen. Die Luca-App kann und soll in allen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens helfen - im öffentlichen Nahverkehr, in Pflegeheimen, bei Versammlungen oder einfach im Büro kann die App eingesetzt werden, um Kontakte sicher und einfach zu verfolgen. "Wir wollen so auch den Blick zurück möglich machen. Wir können mit Luca Cluster identifizieren und Leute warnen lassen, dass sie möglicherweise Kontakt mit einem Infizierten hatten."

Smudo, Sänger der Band Die Fantastischen Vier, spricht während einer Pressekonferenz © dpa Foto: Christian Charisius
Sänger Smudo brachte sich aktiv ein bei der Entwicklung der Luca-App.

Die Luca-App ist ausdrücklich nicht als Konkurrenz zur Warn-App des Bundes geplant. "Das sind zwei ganz verschiedene Dinge", betont Fanta-4-Rapper Smudo, der sich mit seiner Band seit Dezember 2020 bei der Entwicklung des Systems mit einbringt. Die Warn-App sei eine Art passives Risiko-Radar, Luca erleichtere hingegen die Arbeit der Gesundheitsämter.

Positives Feedback der Gesundheitsämter

Hennig berichtet im Gespräch mit NDR.de von viel positivem Feedback der Gesundheitsämter, die bereits mit der App vernetzt sind: "Die sind superhappy!" Datensätze, die sonst mühsam und zeitaufwendig per Hand eingegeben werden mussten, könnten nun per Knopfdruck von der App in die Software der Gesundheitsämter übertragen werden.

Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde, hat dennoch Bedenken. Er weist darauf hin, dass erst noch geklärt werden müsse, wie die Gesundheitsämter über Schnittstellen ohne großen Aufwand auf diese Daten zugreifen können. Da gebe es "sehr unterschiedliche Voraussetzungen".

Früh mit Datenschützern zusammengearbeitet

Patrick Hennig vom App-Entwickler neXenio © neXenio/Luca-App
Patrick Hennig erwartet nicht, dass Datenschützer Luca Steine in den Weg legen.

Die Luca-Macher versprechen höchste Datensicherheit, weil die dezentral gespeicherten Nutzerdaten nur von den Gesundheitsämtern, nicht aber von den Gastgebern, der App oder Dritten ausgelesen werden können. "Wir haben frühzeitig die Datenschützer mit ins Boot geholt - es hilft ja niemandem etwas, wenn wir erst etwas entwickeln, das von den Datenschützern so nicht abgenickt wird." Die App könne nur dann beim Weg aus dem Lockdown helfen, wenn alle Beteiligten die App auch gut finden, alle bereit seien, diese auch zu benutzen. "Daher finden wir es wichtig, dass Luca positiv besetzt ist. Es sollen für Betreiber und Gäste keine Kosten entstehen, niemand muss Angst um seine Daten haben."

Auf Nachfrage von NDR.de begrüßte die Hamburger Datenschutzbehörde generell die Entwicklung solcher Apps. Der Umstieg auf eine digitale Lösung in der Kontaktnachverfolgung sei als "datenschutzfreundlicher" einzustufen. "Eine gut gemachte App ist besser als die bisherige Zettelwirtschaft", heißt es aus der Behörde. Die Konferenz der unabhängigen Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder (DSK) habe dazu nun eine Task Force auf den Weg gebracht, die sich mit der Thematik näher beschäftigen wird.

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Hennig weiß zudem vom großen Interesse seitens der Politik, mit der Luca-App einen Weg aus dem Lockdown zu finden. Auch Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen setzt auf die App, um seine Pläne, Rostock zur bundesweiten Modellstadt für Lockerungen zu entwickeln. Gemeinsam mit den Verbänden würden immer mehr Betriebe in der Anwendung der Luca-App geschult. "Die Saloninhaber sind sehr begeistert sind über diese Möglichkeit der Datenerfassung", hieß es beispielsweise von der Friseur-Innung Rostock-Bad Doberan. Auch innerhalb der Stadtverwaltung wird die App künftig angewendet, zudem sollen sich die kommunalen Unternehmen an dem Projekt beteiligen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 03.03.2021 | 06:18 Uhr

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