Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht nach einem Treffen im Kanzleramt auf einer Pressekonferenz. © AP POOL/dpa Foto: Markus Schreiber

Lockdown und Lockerungen: Die Corona-Regeln vom 3. März 2021

Stand: 18.03.2021 12:10 Uhr

Der Lockdown zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wird grundsätzlich bis zum 28. März verlängert, allerdings mit vielen Öffnungsmöglichkeiten je nach regionaler Infektionslage. Das haben Bund und Länder am 3. März gemeinsam vereinbart.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht Deutschland ein weiteres Mal an der Schwelle zu einer neuen Phase der Corona-Pandemie. In diese Phase könne nicht mit Sorglosigkeit, "aber eben doch mit berechtigten Hoffnungen" gegangen werden, sagte Merkel im Anschluss an die Beratungen.

Stufenweise Öffnungsstrategie mit eingebauter "Notbremse"

Vereinbart wurde eine Öffnungsstrategie in fünf Schritten - aber auch mit einer eingebauten "Notbremse": Führen einzelne Lockerungen zu einem starken Anstieg der Infektionszahlen in einer Region, werden alle schon erfolgten Erleichterungen wieder gestrichen.

Downloads
Eine Grafik zeigt die Öffnungsschritte für die nächsten Wochen. © Niedersächsischen Staatskanzlei

Schrittweise Lockerungen: Bund-Länder-Übersicht

Bund und Länder haben den Lockdown verlängert. Lockerungen der Maßnahmen sollen schrittweise erfolgen. Download (910 KB)

Wieder mehr private Kontakte erlaubt

Die strenge Begrenzung privater Kontakte wird gelockert. Seit dem 8. März sind wieder private Zusammenkünfte des eigenen Haushalts mit einem weiteren Haushalt möglich, jedoch beschränkt auf maximal fünf Personen plus Kinder bis 14 Jahre. Paare zählen generell als ein Hausstand. In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 35 können es auch Treffen des eigenen Haushalts mit zwei weiteren Haushalten mit zusammen maximal zehn Personen sein. Kinder bis 14 Jahre sind auch hiervon ausgenommen.

Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen über 100 liegt, greift eine "Notbremse". Dann gelten ab dem zweiten darauffolgenden Werktag wieder die Regeln, die bis zum 7. März griffen. Das heißt in diesem Fall: Ein Haushalt und eine weitere Person dürfen sich treffen.

Ein Abstrichstäbchen wird in einer ambulanten Corona-Test- Einrichtung gehalten. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Britta Pedersen Foto: Britta Pedersen
AUDIO: Kommentar: Inzidenz-Werte sollten nicht mehr die Hauptrolle spielen (3 Min)

Zweiter Schritt: Buchhandlungen und Blumenhändler dürfen öffnen

Nach den schon vorgenommenen ersten Öffnungen bei Schulen und Friseuren (erster Öffnungsschritt) folgten am 8. März in einem zweiten Schritt Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Gartenmärkte. In einzelnen Ländern waren diese bereits offen, jetzt werden sie nach dem Beschluss der Bund-Länder-Runde bundesweit einheitlich dem Einzelhandel des täglichen Bedarfs zugerechnet. Voraussetzung ist, dass Hygienekonzepte und eine Kundenbegrenzung eingehalten werden.

Auch Fahr- und Flugschulen konnten den Betrieb unter Auflagen wieder aufnehmen. Sogenannte körpernahe Dienstleistungen wie etwa Massagen sind auch wieder erlaubt. Was genau gemeint ist, kann sich von Land zu Land unterscheiden. Kunden müssen einen tagesaktuellen negativen Schnell- oder Selbsttest vorweisen, falls sie bei ihrem Termin die Maske nicht aufbehalten können (zum Beispiel bei Kosmetik oder Rasuren).

Dritter Schritt: Perspektiven für Handel und Museen

Weitere eingeschränkte Öffnungen gibt es im dritten Öffnungsschritt in Regionen, in denen eine Sieben-Tage-Inzidenz von 100 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner unterschritten wird. Neben Terminshopping-Angeboten im Einzelhandel können dort Museen, Galerien, Zoos, botanische Gärten und Gedenkstätten für Besucher mit Terminbuchung öffnen. Erlaubt ist in diesen Regionen auch Individualsport alleine oder zu zweit sowie Sport in Gruppen von bis zu zehn Kindern bis 14 Jahren im Außenbereich. Bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 fallen die Auflagen weg oder werden abgeschwächt. Dann ist auch kontaktfreier Sport in kleinen Gruppen im Freien wieder möglich.

Vierter Schritt: Öffnung der Außengastronomie mit Terminbuchung

Der vierte Öffnungsschritt kann - wiederum in Abhängigkeit vom Infektionsgeschehen - erfolgen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz nach dem dritten Schritt in dem Land oder der Region 14 Tage lang unter 50 bleibt: Frühestens ab dem 22. März geht es dann zunächst um die Öffnung der Außengastronomie mit Terminbuchung. Ein tagesaktueller Covid-19-Test ist nötig, wenn sich mehrere Haushalte einen Tisch teilen - auch für den Besuch von Theatern, Konzert- und Opernhäusern sowie Kinos. Auch kontaktloser Hallensport sowie Kontaktsport im Außenbereich soll dann wieder erlaubt sein.

Fünfter Schritt: Einzelhandel könnte wieder öffnen

Bleibt die Sieben-Tage-Inzidenz auch nach den Lockerungen vom vierten Schritt zwei Wochen lang stabil, könnten nach Ostern die nächsten Öffnungen kommen - so zum Beispiel Freizeitveranstaltungen mit bis zu 50 Menschen im Außenbereich und Kontaktsport in Hallen.

Auch der Einzelhandel könnte dann profitieren: Öffnungen sind möglich, wenn die Inzidenzwerte stabil zwischen 35 und 100 bleiben. Zudem müssen Auflagen eingehalten werden - zum Beispiel darf pro zehn Quadratmeter nur ein Kunde empfangen werden.

Weitere Informationen
Ein Aufkleber für einen Corona-Virus-Test mit der Aufschrift: COVID-19 SARS-CoV-2 positiv/negativ © image images/Thomas Imo/photothek.net

Corona-News-Ticker: Inzidenz in Hamburg jetzt wieder bei 150

In der Hansestadt wurden 479 Neuinfektionen registriert. Auch Niedersachsen meldet viele neue Fälle. Mehr Corona-News im Ticker. mehr

MV: Landesregierung verständigt sich auf vorsichtige Lockerungen

In Mecklenburg-Vorpommern wurden Beschränkungen für einzelne Branchen und den privaten Bereich gelockert. Darauf hatte sich die Landesregierung bei einem Gipfel mit Vertretern von Kommunen, Sozialverbänden, Gewerkschaften und Wirtschaft verständigt. Nun dürfen sich wieder fünf Personen aus zwei Hausständen treffen, Kinder bis 14 Jahren werden dabei nicht mitgezählt. Gleichzeitig appellierte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) an alle Bürger, zur Vermeidung von Infektionen möglichst vorsichtig von diesen Lockerungen im privaten Bereich Gebrauch zu machen. In Rostock und im Landkreis Vorpommern-Rügen kann der Einzelhandel ohne vorherige Terminvergabe wieder öffnen. Dies ist möglich, weil dort die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern liegt. Allerdings werde die Anzahl der Personen in einem Geschäft begrenzt. Im übrigen Land wurde das Einkaufen mit Terminvergabe ermöglicht. Dies gilt aber nur, solange der Inzidenzwert im Land unter 100 liegt. Seit dem 8. März können im ganzen Bundesland Buchläden und Betreiber von körpernahen Dienstleistungen wie Kosmetikstudios und Massagepraxen unter Auflagen wieder öffnen. Dies soll auch für Nagel-, Sonnen- und Tattoo-Studios gelten.

MV erwirbt Lizenz für App zur besseren Kontaktnachverfolgung

Ein weiterer Baustein ist die bessere Kontaktnachverfolgung in der Corona-Pandemie. Dafür hat das Land eine Lizenz zur Nutzung einer App erworben. Dies soll laut Schwesig mit der sogenannten Luca-App möglich sein. Die App sollen etwa Geschäfte, Kunden und das Gesundheitsamt nutzen, damit Kontakte einfacher und schneller dokumentiert werden können. Details zur genauen Anwendung sollen folgen.

Schleswig-Holstein öffnet den Einzelhandel wieder

Schleswig-Holsteins Landesregierung hat eine neue Corona-Verordnung beschlossen. Seit dem 8. März gelten im Norden weitere Öffnungsschritte. Der Einzelhandel durfte seine Geschäfte wieder öffnen. Außerdem durften in Schleswig-Holstein auch Tattoo-, Sonnen-, Kosmetik- und Massagestudios wieder öffnen. Das gilt auch für Museen, Galerien, Zoos und botanische Gärten. Fahr- und Flugschulen konnten ihre Arbeit ebenfalls wieder vollständig aufnehmen. Im privaten Bereich sind wieder Treffen von bis zu fünf Personen aus zwei Haushalten erlaubt. Kinder bis 14 Jahren werden dabei nicht mitgezählt. Getrennt wohnende Paare gelten dabei als ein Hausstand. Angesichts der steigenden Infektionszahlen kündigte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) jedoch an, die Lockerungen in den Landkreisen zurückzunehmen, in denen die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert von 50 überschreitet.

Günther macht Hoffnung auf Außengastronomie

Günther hatte Anfang März den Schleswig-Holsteinern Hoffnung auf eine Öffnung der Außengastronomie gemacht. Er hoffe auf eine Perspektive dafür nach den Gesprächen von Bund und Ländern am 22. März, so der Regierungschef. "Wenn wir nicht über 100 gehen, werden wir in Schleswig-Holstein dann Außengastronomie ermöglichen", sagte er mit Blick auf die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen zu Beginn des Monats März. Günther sah außerdem Chancen dafür, dass die Hotels in Schleswig-Holstein über Ostern öffnen können.

Hamburg setzt Corona-Beschlüsse vollständig um

Hamburg hat die Beschlüsse von Bund und Ländern vollständig umgesetzt. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) betonte, dass sich die Bürgerinnen und Bürger nicht auf den Weg machen sollten, um in Schleswig-Holstein einzukaufen, sondern sich an die Regeln ihres Heimatortes halten sollten. Es sei weiter äußerste Vorsicht geboten. Zudem kündigte der Senat an, Lockerungen zurückzunehmen, sollte die Inzidenz drei Tage in Folge wieder 100 erreichen oder diese Marke übersteigen. Schulen und Kitas sollen allerdings im Wechselunterricht geöffnet bleiben.

Niedersachsen setzt Lockerungen regional differenziert um

Niedersachsen setzte den von Bund und Ländern vereinbarten Corona-Kurs regional differenziert um. Bei Lockerungen, aber auch bei Verschärfungen der Regeln soll die Infektionslage in den Landkreisen berücksichtigt werden, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Dies solle aber nicht in Bereichen mit einem überregionalen Anziehungseffekt wie etwa im Handel geschehen. Vorstellbar sei ein Regionalisieren der Regeln etwa bei den Kontaktbeschränkungen oder beim Breitensport. Die konkrete Handhabe der Landkreise solle in Abstimmung mit dem Land erfolgen. Weil bekräftigte, dass Niedersachsen sich in seiner Landesverordnung an den ausgehandelten Stufenplan halten werde. Im Fokus steht die Öffnung von Kitas und Schulen.

Weitere Informationen
Eine Frau steht vor einem Laden, vor dem eine Tafel steht mit der Aufschrift: "Wegen Corona Lockdown geschlossen." © picture alliance Foto: SvenSimon

Corona: Diese Regeln gelten zurzeit in Niedersachsen

Wie viele Menschen dürfen sich bei welcher Inzidenz treffen? Worum geht es bei der "Notbremse"? Die Regeln im Überblick. mehr

Nach schrittweisen Lockerungen gibt es im Bundesland Bremen mittlerweile wieder Verschärfungen. So gelten seit dem 18. März in Bremerhaven unter anderem wieder verschärfte Kontaktbeschränkungen: Es darf sich privat nun nur noch ein Hausstand mit einer weiteren Person treffen. Auch die Maskenpflicht wurde verschärft.

Haus- und Fachärzte sollen verstärkt Impfungen vornehmen

Wichtige Elemente für weitere Öffnungen sollen Impfen und Testen sein. Grundsätzlich vereinbart wurde beim Bund-Länder-Treffen, dass die haus- und fachärztlichen Praxen umfassend in die Impfkampagne eingebunden werden sollen, um diese zu beschleunigen. Auf Grundlage dieser Vereinbarung einigten sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und die Gesundheitsminister der Länder am 8. März darauf, dass Corona-Schutzimpfungen in Praxen ab Anfang April möglich sein sollen. Der Impfstoff soll - wie üblich - über Großhandel und Apotheken in die Praxen kommen. Die Impfzentren bleiben bestehen, vereinbarte Termine behalten ihre Gültigkeit.

Ein kostenloser Corona-Test pro Woche und Bürger

Seit dem 8. März hat grundsätzlich jede Bürgerin und jeder Bürger in Deutschland die Möglichkeit, einen kostenlosen Corona-Schnelltest pro Woche zu machen - allerdings gibt es Anlaufschwierigkeiten. Der Bund übernimmt die Kosten, die Länder die Organisation. Geschultes Personal etwa in Testzentren oder Praxen nimmt die Tests vor, deren Ergebnis 15 bis 30 Minuten später vorliegen soll. Wer positiv getestet wird, muss sich isolieren und einen zuverlässigeren PCR-Test machen. Auch dieser Test soll gratis sein.

In Schulen und Kitas sollten auch die einfacher anzuwendenden Selbsttests genutzt werden. Zur Beschaffung dieser Tests soll eine Taskforce gegründet werden. Ob Arbeitgeber Tests für ihre Mitarbeiter bezahlen müssen, ist noch nicht abschließend geklärt.

Homeoffice-Pflicht verlängert - Keine Entscheidung im Tourismus

Die Pflicht für Arbeitgeber, ihren Beschäftigten wann immer möglich das Arbeiten daheim zu erlauben, hat das Bundeskabinett am 15. März bis zum 30. April verlängert.

Noch keine Entscheidung gab es zum Tourismus, der auf einen Neustart zu Ostern hofft. Sie habe sich mit ihrem Kieler Amtskollegen Daniel Günther (CDU) dafür eingesetzt, diese Frage noch offen zu halten, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Auf der nächsten Bund-Länder-Konferenz am 22. März solle erneut darüber beraten und entschieden werden, ob wenigstens Reisen im eigenen Bundesland möglich sind. Bei dem Treffen soll es dann auch um Gastronomie, Kultur und Veranstaltungen gehen.

Merkel: Kontaktbeschränkungen weiter einhalten

Merkel ermahnte die Menschen in Deutschland eindringlich, trotz mehr Corona-Tests weiter Abstand zu halten und Masken zu tragen - vor allem, weil die Virus-Mutationen dominanter werden. "Wir befinden uns in einer sehr heiklen Phase, und deshalb wird es auch darauf ankommen, dass alle anderen Kontaktbeschränkungen und alle anderen AHA-Regeln und alles, was wir uns eingewöhnt haben in der Pandemie, akkurat eingehalten wird." Auch Tests erlaubten nicht, die Abstandsregeln nicht einzuhalten. AHA steht für Abstand halten, Hygiene beachten und im Alltag Maske tragen.

Dort, wo Bund und Länder keine neuen Regelungen vereinbart haben, sollen die bisherigen Beschlüsse bis zum 28. März weiter gelten.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 18.03.2021 | 11:00 Uhr

Mehr Nachrichten

Ein Aufkleber für einen Corona-Virus-Test mit der Aufschrift: COVID-19 SARS-CoV-2 positiv/negativ © image images/Thomas Imo/photothek.net

Corona-News-Ticker: Inzidenz in Hamburg jetzt wieder bei 150

In der Hansestadt wurden 479 Neuinfektionen registriert. Auch Niedersachsen meldet viele neue Fälle. Mehr Corona-News im Ticker. mehr