Eine Person bekommt eine Spritze in den Oberarm. © Colourbox Foto: Antonio Gravante

Interview: Wie sicher sind die neuen Corona-Impfstoffe?

Stand: 02.12.2020 12:17 Uhr

Der Impfstoff-Forscher Leif-Erik Sander ist optimistisch, dass die in der EU vor der Zulassung stehende mRNA-Corona-Impfstoffkandidaten "auch in der Breite der Bevölkerung gut funktionieren könnten".

Im Interview auf NDR Info sagte der Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie an der Berliner Charité, dass die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna auf Basis der bisher bekannten Daten eine sehr gute Wirksamkeit zeigen würden. "Und sie scheinen auch ein sehr gutes Nebenwirkungsprofil zu haben", so Sander weiter.

Prof. Leif Erik Sander, Infektiologe und Impfstoffforscher, Charité - Universitätsmedizin Berlin
Sander verweist auf die gute Datenlage zu den neuen Impfstoffen. (Archiv-Foto)

Er verwies darauf, dass die Impfhersteller für ihre Studien bereits über einen bestimmten Zeitraum die Probanden überwachen mussten. Und auch nachdem die Zulassungsbehörden die Daten kontrolliert hätten, seien die Firmen verpflichtet, die Testpersonen weiter auf Nebenwirkungen zu prüfen. Zudem werde es zusätzliche Untersuchungen geben, wenn der Impfstoff erst einmal eingesetzt werde. "Über die Zeit wird man ein sehr viel detaillierteres Bild bekommen", betonte Sander.

"Keine schweren Nebenwirkungen"

Auf die Frage, ob es verantwortbar sei, ohne Langzeitstudien einen Impfstoff zuzulassen, verwies Sander darauf, dass die bisherigen Studien mit einer großen Zahl von Probanden durchgeführt worden seien. Ein Großteil der Menschen, die einen der Impfstoffe bereits bekommen habe, sei schon über einen Zeitraum von zwei Monaten beobachtet worden. "Und da gab es keine schwere Nebenwirkungen."

Sander räumte ein, dass es in "sehr, sehr seltenen Fällen" nach Jahren zu Nebenwirkungen kommen könne. "Aber das wird man in keiner Impfstoff-Zulassungsstudie feststellen können - und das gilt eigentlich für jedes Arzneimittel, das neu zugelassen wird." Die Behörden würden dies aber weiter beobachten und könnten entsprechend eingreifen, sollten Nebenwirkungen auftreten. "Ich erwarte das in diesem Fall aber nicht", betonte Sander.

Zweite Impfung fürs "Immungedächtnis"

Dass der Impfstoff zwei Mal verabreicht werden müsse, kenne man von vielen anderen Impfungen. "Das ist eine Stimulation des Immunsystems, um ein 'Immungedächntis' aufzubauen und längerfristig geschützt zu sein."

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Eine Hand in einem Handschuh hält eine Spritze vor einer Schulter. © fotolia.com Foto: miss_mafalda

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NDR Info | Aktuell | 02.12.2020 | 08:20 Uhr

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