Stand: 14.08.2019 13:45 Uhr

Zahl der Sozialwohnungen im Norden sinkt

Bild vergrößern
Im Norden werden zu wenige Sozialwohnungen gebaut.

Familien und Menschen mit geringem Einkommen können sich oftmals die Mieten in Städten nicht mehr leisten. Staatlich geförderte Sozialwohnungen könnten Abhilfe schaffen. Doch deren Bestand schrumpft weiter - auch im Norden: Binnen eines Jahres schrumpfte in Norddeutschland die Zahl der staatlich geförderten Wohnungen um mehr als 14.000, wie aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervorgeht.

Niedersachsen: Das größte Minus im Norden

Am stärksten ging die Zahl der Sozialwohnungen in Niedersachsen zurück. Dort fiel im Jahr 2018 fast jede zehnte Sozialwohnung aus der Mietpreisbindung heraus. Der Bestand sank auf 74.887 Wohnungen.

Deutlicher Rückgang im Nordosten

Auch Mecklenburg-Vorpommern verzeichnete mit einem Minus von rund neun Prozent einen deutlichen Rückgang an Sozialwohnungen. Im vergangenen Jahr fielen 594 Wohnungen mit staatlich regulierten Mieten weg. Ende 2018 gab es in Mecklenburg-Vorpommern nur noch 6.099 Sozialwohnungen.

Hamburg: Höchster Bestand an Sozialwohnungen pro Kopf

Hamburg verfügte zum Jahreswechsel 2019 mit einem Bestand von fast 81.000 zwar über die meisten geförderten Wohnungen pro Einwohner, doch auch in der Hansestadt waren im Laufe vergangenen Jahres 4.580 Sozialwohnungen aus der Bindung gefallen.

Schleswig-Holstein: Mieterbund kritisiert Rückgang

Am geringsten fiel der Rückgang in Schleswig-Holstein aus. Dort schrumpfte der Bestand an Sozialwohnungen im Verlauf des vergangenen Jahres um 1.313 Wohnungen auf 47.196 Wohnungen. Kritik kam vom Mieterbund Schleswig-Holstein: Vor dem Hintergrund, dass mehr Menschen Sozialleistungen in Anspruch nehmen, passe das nicht zusammen, sagte die Vorsitzende Sophie Mainitz. Laut Innenministerium will die Landesregierung die Zahl der Sozialwohnungen langfristig erhöhen: So seien die Zuschüsse für den Bau solcher Wohnungen von 250 auf 375 Euro pro Quadratmeter gestiegen.

Bundesweit ein Minus von 42.500 Wohnungen

Bundesweit gab es zum Jahresende 2018 fast 42.500 Sozialwohnungen weniger als noch ein Jahr zuvor - ein Minus von 3,5 Prozent. Insgesamt wurden zum Jahreswechsel fast 1,18 Millionen Sozialwohnungen in Deutschland vermietet. Einzig in Bayern und in Sachsen wurden im vergangenen Jahr mehr Sozialwohnungen gebaut als aus der Bindung fielen. Spitzenreiter beim Rückgang ist aber Brandenburg, wo binnen eines Jahres der Bestand um fast 30 Prozent zurückging.

Bei Sozialwohnungen sind die Mieten staatlich reguliert und daher vergleichsweise niedrig. Nur Menschen, bei denen ein besonderer Bedarf besteht, dürfen eine solche Wohnung beziehen. Ausschlaggebend ist das Haushaltseinkommen.

Nach 30 Jahren ist Schluss

Solche staatlich geförderten Wohnungen fallen üblicherweise nach 30 Jahren aus der Bindung und können normal am Markt vermietet werden. Weil aber seit den 80er-Jahren nur wenige Sozialwohnungen neu gebaut wurden, fehlt es heute an Ersatz. In den vergangenen 15 Jahren hat der Bestand etwa halbiert.

Linke fordert Rettungsprogramm

Die Wohnungsexpertin der Linke-Partei, Caren Lay, fordert daher ein "Rettungsprogramm für den Sozialen Wohnungsbau". Ihrer Ansicht nach müssten zehn Milliarden Euro investiert und 250.000 Sozialwohnungen neu gebaut werden. Zudem sollten einmal geförderte Wohnungen immer Sozialwohnungen bleiben. Lays Rechnung zufolge fehlen in Deutschland derzeit mehr als fünf Millionen Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen.

DGB: Regierung soll handeln

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die Bundesregierung. Was Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU) tue, "reicht vorne und hinten nicht", erklärte Vorstandsmitglied Stefan Körzell. Fast ein Jahr nach dem Wohnungsgipfel sei von einem Aufbruch beim sozialen Wohnungsbau nur wenig zu spüren. Laut DGB müssten jährlich 100.000 neue Sozialwohnungen gebaut werden. Dafür müssten Bund und Länder insgesamt sieben Milliarden Euro jährlich zur Verfügung stellen.

Weitere Informationen

Niedersachsen will sozialen Wohnungsbau fördern

09.04.2019 16:00 Uhr

Niedersachsen will in den kommenden Jahren bis zu 400 Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen. Minister Olaf Lies stellte am Dienstag die Förderpläne vor. mehr

Bezahlbarer Wohnraum: Initiative übergibt Unterschriften

13.02.2019 15:00 Uhr

Der Sozialverband Deutschland und der Mieterbund in Schleswig-Holstein haben 40.000 Unterschriften für bezahlbaren Wohnraum gesammelt. Sie wurden am Mittwoch Landtagspräsident Schlie übergeben. mehr

Wohnungsnot: Enteignungsdebatte in Hamburg

08.04.2019 13:00 Uhr

Die Debatte um mögliche Enteignungen im Kampf gegen die Wohnungsnot wird auch in Hamburg geführt. Die meisten Parteien und Verbände lehnen jedoch entsprechende Forderungen ab. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 14.08.2019 | 11:15 Uhr

Mehr Nachrichten

03:44
Hallo Niedersachsen
02:06
Hamburg Journal