Stand: 04.05.2019 11:31 Uhr

Autobahnraser: "Schuldgefühle sind kein Thema"

Auf der Autobahn 20 bei Wismar sind mehr als hundert hochmotorisierte Sportwagen aus Norwegen gestoppt worden. Einige von ihnen sollen mit bis zu 250 Kilometer pro Stunde unterwegs gewesen sein - auf großen Teilen der A20 gibt es kein Tempolimit. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts eines illegalen Autorennens. Was treibt die Teilnehmer solcher Events an? Und müssen sie mit Strafen rechnen? Fragen und Antworten zur Lust am Rasen und den Konsequenzen.

Was sind das für Menschen, die Rennen auf der Autobahn abhalten?

"Es gibt nicht DEN spezifischen Rowdy", sagt dazu der Verkehrspsychologe Michael Bogus vom TÜV Nord. "Das sind Familienväter, Singles, Junge, Alte" - ganz unterschiedliche Typen, die die Suche nach Sinn in ihrem Leben vereine. Für viele sei solch ein Ereignis eine Art Ersatzgottesdienst, meint Bogus.

Sind sich die Fahrer einer Schuld bewusst? Oder halten sie das Rasen für ihr gutes Recht?

"Schuldgefühle sind kein Thema." Die Teilnehmer wüssten genau, was sie tun, so Bogus. Das könnten Leute sein, die im Job sehr korrekt und verantwortungsbewusst sind. Auf der Autobahn nähmen sie sich das Recht heraus, über die Stränge zu schlagen. "Sie halten sich für sehr gute Fahrer, blenden aber das Risiko für Unbeteiligte vollkommen aus", sagt der Verkehrspsychologe.

Wie oft hat die Polizei in Deutschland mit Autobahnrasern im großen Stil zu tun?

Massenfahrten wie die auf der A20 sind nach Aussage von Andreas Lübke, Leiter der Autobahnpolizei Braunschweig, hierzulande extrem selten. Polizeisprecherin Kristin Hartfil kann sich nicht an einen ähnlichen Fall in Mecklenburg-Vorpommern erinnern. Wenn es sich um Motorsport handelt, müssten solche Veranstaltungen angemeldet und die entsprechenden Strecken abgesperrt werden. Eine solche Anmeldung lag der Polizei nach Aussage der Sprecherin in diesem Fall nicht vor.

Müssen die Teilnehmer Strafen befürchten?

2017 verschärfte der Gesetzgeber die Strafen für die Ausrichtung von und Teilnahme an illegalen Rennen. Bis dahin wurden diese nur als Ordnungswidrigkeit geahndet. Eine solche Tat kann mit einer Geldstrafe oder mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden - werden Menschen schwer verletzt, können sogar bis zu zehn Jahre Haft die Folge sein.

Im A20-Fall ermittelt die Polizei wegen des Verdachts des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und der Teilnahme an einem illegalen Autorennen gegen alle gestoppten Fahrer - sprich mehr als hundert Personen.

Ist Deutschland für internationale Raser besonders attraktiv, weil es hier kein generelles Tempolimit gibt?

"Natürlich", sagt Andreas Lübke von der Autobahnpolizei Braunschweig. Als eines der wenigen Länder in Europa habe Deutschland kein Tempolimit. Dementsprechend seien Fahrer aus dem Ausland hier gerne schneller unterwegs.

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NDR Info | Aktuell | 03.05.2019 | 21:00 Uhr

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