Stand: 29.04.2020 11:58 Uhr

Corona: Weniger Schiffe in norddeutschen Häfen

Mit ein paar Wochen Verzögerung zeigt die Corona-Pandemie nun auch massive Auswirkungen auf den Seehandel in Norddeutschland. Im größten deutschen Hafen, dem Hamburger Hafen, lag die Zahl der Ankünfte von Handelsschiffen im April um circa neun Prozent unter dem Vorjahresmonat. In Bremerhaven und Wilhelmshaven liegen die Werte rund 15 Prozent unter denen im April 2019. Das zeigen Zahlen der Schiffs-Tracking Webseite MarineTraffic.com.

Börsenkurs der HHLA unter Druck geraten

Die bloße Zahl der Ankünfte sage noch nichts über den Warenumsatz aus, erklärt Hans-Jörg Heims vom Hamburger Containerterminalbetreiber Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) . "Denn ein voll beladenes Großschiff mit 15.000 TEU (Anm. d. Red. Twenty-foot Equivalent Unit, zu deutsch Zwanzig-Fuß-Standardcontainer) ist letztlich genauso gut wie zwei Schiffe mit 7.000 und 8.000 TEU." Aber dass die Auswirkungen der Corona-Krise sich auf den Seehandel in Hamburg auswirkten, sei keine Überraschung: "Das erleben wir ja alle aktuell im Alltag", so Heims. Das zeigt sich auch im Kurs des börsennotierten Unternehmens, der ist seit dem 21. Februar unter Druck geraten.

Kurzarbeit bei Eurogate in Hamburg angemeldet

Der Terminalbetreiber Eurogate will für einen Teil seiner rund 1.000 Mitarbeiter in Hamburg Kurzarbeit ab Mai anmelden - knapp die Hälfte der Beschäftigten ist nach Informationen von NDR 90,3 betroffen.

Asienroute: Kap der Guten Hoffnung statt Suezkanal

Containerschiffe aus Fernost brauchen in der Regel rund sechs Wochen, bis sie in Nordeuropa ankommen. "Nachdem der Lock-Down in China aufgehoben wurde, hat sich die Situation dort im Hinblick auf Produktion und Transport deutlich erholt", sagt Nils Haupt von der Reederei Hapag-Lloyd. "Gleichwohl geht die Nachfrage in den USA, Südamerika, Europa und dem Mittleren Osten derzeit deutlich zurück." Bei Kunden aus der Automobil-, Textil- oder Möbelbranche gebe es "extreme Ausfälle" und massive Buchungsstornierungen. "Andere Produkte wie Fleisch, Fisch, Früchte oder bei Pharmaerzeugnissen und Papierprodukten laufe es aber relativ stabil."

Hapag-Lloyd greift – wie andere Reedereien auch – deshalb zu kreativen Lösungen: Der Dienst EC4 von der US-Ostküste nach Asien führt die Container-Schiffe normalerweise durch den Suez-Kanal, das ist die kürzeste Verbindung. Doch nun fahren sie – wie zu Zeiten von Magellan – ums Kap der Guten Hoffnung in den Indischen Ozean. "Das dauert zwar eine Woche länger, spart uns aber bis zu 700.000 Euro Kanalgebühren pro Schiff", so Haupt. Ähnliche Maßnahmen werden für Dienste geprüft, die durch den Panama-Kanal führen.

HHLA-Container-Parkplatz in Hamburg geplant

Auch die HHLA muss kreativ handeln. Der Grund: Ein Containerstau im Hamburger Hafen droht, weil manche Empfänger aufgrund der Wirtschaftskrise die Waren nicht abnehmen können. Die Lösung: ein temporärer Container-Parkplatz. "Wir prüfen derzeit eine Fläche circa 30.000 Quadratmetern Größe", erklärt Heim. Diese werde allerdings nicht komplett zugestellt, denn Wege zum Transport und Umheben der Container müssten freigelassen werden.

"Die Situation ist gegenwärtig für die Seeleute nicht einfach, weil es viele Einschränkungen gibt – Landgänge und Heimflüge sind derzeit oft schwierig oder unmöglich", sagt Nils Haupt. Das Wichtigste sei aber: "Wir haben zum Glück bislang noch keinen Corona-Fall an Bord unserer Schiffe gehabt."

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