Stand: 10.09.2020 16:19 Uhr

Corona: Fragen und Antworten zur häuslichen Quarantäne

Ein Mann steht mit einem Mundschutz am Fenster © Colourbox
Was darf man in häuslicher Quarantäne - und was nicht?

Wer aus einem Risikogebiet in die Bundesrepublik zurückreist, muss sich zunächst in häusliche Quarantäne begeben. Doch was heißt das? Darf ich noch einkaufen gehen? Darf ich den Hund Gassi führen? Oder die Waschküche im Mehrfamilienhaus benutzen? Wir haben einige Fragen und Antworten zusammengestellt.

Wer muss sich nach Einreise in die Bundesrepublik Deutschland in häusliche Quarantäne begeben?

Wer in die Bundesrepublik Deutschland einreist und sich innerhalb von 14 Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten hat, ist verpflichtet, sich nach der Einreise unmittelbar und auf direktem Weg nach Hause oder in eine andere geeignete Unterkunft zu begeben und sich dort 14 Tage lang zu isolieren. Die Quarantänepflicht gilt nicht, wenn jemand nur durch ein Risikogebiet durchgereist ist und sich dort nicht aufgehalten hat. Die Quarantänepflicht wird durch das für Sie zuständige Gesundheitsamt überwacht. Da die Regelung zur Quarantänepflicht von Gesundheitsamt zu Gesundheitsamt unterschiedlich sein kann, sollten Sie sich mit dem für Sie zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung setzen.

Muss man sich nach der Einreise aus einem Risikogebiet selbst beim Gesundheitsamt melden?

Ja. Jeder, der sich in den 14 Tagen vor der Einreise in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss sich bei der zuständigen Gesundheitsbehörde melden und die Aufenthaltsadresse angeben. Hier finden Sie eine Übersicht der Gesundheitsämter in Deutschland.

Was bedeutet die Quarantänepflicht konkret?

Grundsätzlich darf während der Quarantäne die Wohnung ohne Zustimmung des Gesundheitsamtes nicht verlassen und auch kein Besuch empfangen werden. Selbst kurze Aktivitäten an Orten, wo sich andere Menschen aufhalten, sind zu unterlassen. Wenn das Verlassen der Wohnung zwingend notwendig ist - zum Beispiel aus medizinischen Gründen -, muss dieses zuvor mit dem zuständigen Gesundheitsamt abgesprochen werden. Balkon oder Terrasse dürfen nur betreten werden, wenn nicht mit anderen Menschen in Kontakt getreten werden kann. Bei Einfamilienhäusern darf der Garten und die Einfahrt genutzt werden, wenn dort keine Menschen getroffen werden, die nicht zum eigenen Haushalt gehören.

Darf ich in Quarantäne mit dem Hund Gassi gehen?

Da die Regelungen regional unterschiedlich sind, müssen Sie dies mit dem für Sie zuständigen Gesundheitsamt absprechen. In Kiel, der Region Hannover und Hamburg* ist es beispielsweise nicht erlaubt. In Schwerin darf der Hund nur dann Gassi geführt werden, wenn dies nicht von Freunden, Bekannten, Verwandten oder Nachbarn erledigt werden kann. Das sollte dann in den frühen Morgen- oder Abendstunden geschehen, Menschenansammlungen sind dabei zu meiden und es muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

Darf ich in Quarantäne einkaufen gehen?

Nein. Bitten Sie Familienangehörige, Freunde oder Nachbarn darum, Ihnen zu helfen. Sie können die Lebensmittel einfach vor Ihrer Tür abstellen. Auch bei Essenslieferungen über einen Bringdienst sollte die Bestellung kontaktlos vor die Tür gestellt werden. Auch Briefträger und Paketboten sollten Sie bitten, die Lieferung vor der Tür abzulegen. Unterstützung beim Einkaufen bieten gegebenenfalls auch die Feuerwehr, das Technische Hilfswerk (THW) oder ehrenamtlich Helfende in der Gemeinde. Das für Sie zuständige Gesundheitsamt kann ihnen bei der Suche helfen. In Schwerin gestattet das Gesundheitsamt zu Beginn der Quarantäne einen kurzen Einkauf mit Mund-Nasen-Schutz zur Erstversorgung.

Darf ich in Quarantäne den Müll rausbringen und zum Briefkasten?

Auch diese Regelungen sind regional unterschiedlich, deshalb fragen Sie bei dem für Sie zuständigen Gesundheitsamt nach. In Kiel, der Region Hannover und Hamburg* beispielsweise ist beides nicht erlaubt. In Schwerin wird empfohlen, den Müll nachts rauszubringen, weil sich dann im Treppenhaus wenig Menschen aufhalten. Außerdem sollte dabei ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Gleiches gilt für den Weg zum Briefkasten im Treppenhaus.

Darf ich in Quarantäne Gemeinschaftsräume und Waschküchen benutzen?

Nein, da es sich um Räume handelt, die von vielen Menschen genutzt werden, wird dies in der Regel nicht möglich sein. Zur Sicherheit sollten Sie Rückfrage bei dem für Sie zuständigen Gesundheitsamt halten.

Worauf bezieht sich die Quarantänepflicht rechtlich?

Die Quarantänepflicht gilt auf Grundlage landesrechtlicher Bestimmungen nach § 32 Satz 1 in Verbindung mit § 30 Absatz 1 Satz 2 des Infektionsschutzgesetzes.

Was passiert, wenn ich mich nicht an die Quarantäne-Auflagen halte?

Die Nichteinhaltung der Quarantäne kann rechtlich als Körperverletzung oder versuchte Körperverletzung gewertet werden und dadurch mit Haftstrafen von bis zu 5 Jahren oder Geldbußen bis zu 25.000 Euro geahndet werden. 

Wie kann ich die Quarantäne von 14 Tagen verkürzen?

Die Quarantänepflicht endet nur vorzeitig, wenn ein negativer Corona-Test und keine Krankheits-Symptome vorliegen. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern muss der Corona-Test nach fünf bis sieben Tagen wiederholt werden. Ab dem 1. Oktober darf der Test frühestens nach dem fünften Tag der Quarantäne vorgenommen werden. Die Auswertung des Tests dauert etwa einen Tag. Bis ein negatives Testergebnis vorliegt, müssen Sie in Quarantäne bleiben.

Wer zahlt meinen Verdienstausfall?

Eine Entschädigung für Verdienstausfall wird gewährt, wenn eine Person in Quarantäne gehen muss, weil sie erkrankt oder möglicherweise infiziert ist. Die Entschädigung ist abhängig vom Verdienstausfall: Für die ersten sechs Wochen wird sie in voller Höhe des Verdienstausfalls gewährt. Mit Beginn der siebten Woche wird sie in Höhe des Krankengeldes gewährt, soweit der Verdienstausfall nicht die Jahresarbeitsentgeltgrenze von gesetzlichen Krankenkassen übersteigt. Künftig soll es allerdings für Reiserückkehrer, die wissentlich in ein Risikogebiet gereist sind, keine Entschädigung für den Einkommensausfall durch Quarantäne mehr geben.


10.09.2020 16:14 Uhr

*Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass es in Hamburg während der Quarantäne erlaubt ist, mit dem Hund Gassi zu gehen und in Mehrfamilienhäusern den Müll rauszubringen sowie den Briefkasten zu leeren. Diese Angaben hat die Gesundheitsbehörde korrigiert und weist darauf hin, dass Hamburgerinnen und Hamburger in behördlich angeordneter Quarantäne den privaten Wohnort (zum Beispiel Wohnung oder Wohngemeinschaft) oder das eigene Grundstück bei Hausbesitzern nicht verlassen dürfen, ausgenommen zur Corona-Testung. Bei notwendigen Besorgungen sollten Nachbarn, Freunde oder Familie um Hilfe gebeten werden.

 

VIDEO: Rückkehrer aus Risikogebieten: Quarantäne statt Test (2 Min)

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