Stand: 30.12.2019 21:54 Uhr

Böllerverbot: Wo es Silvester nicht knallen darf

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2018/2019 galt in Hannover erstmals eine Verbotszone. Die Stadt zeigte sich anschließend zufrieden mit der "Entspannung der Lage".

Einer aktuellen Umfrage zufolge sind 57 Prozent der Deutschen dafür, das Böllern zu Silvester zu verbieten. Während anderswo noch diskutiert wird, haben einige norddeutsche Städte und Gemeinden schon gehandelt. Sie verhängten Feuerwerksverbote zum Schutz von Menschen, Gebäuden und Natur.

Mehr Sicherheit in Hamburg, Hannover und Göttingen

So hat Hamburg in diesem Jahr private Böllerei rund um die Binnenalster verboten. Silvester 2018/2019 seien dort Waffen und Munition sichergestellt und mehrere Menschen verletzt worden, so Polizeipräsident Ralf Meyer. Auch die Böllerverbotszone in Hannover wird erneut eingerichtet, um Verletzungen in Menschenmassen zu vermeiden. Dort gilt das Verbot vom Raschplatz hinter dem Hauptbahnhof entlang der Fußgängerzone bis zum Kröpcke, dem Opernplatz und dem Platz der Weltausstellung. Das 2018 erstmals erlassene Verbot hat sich aus Sicht der Stadt bewährt.

Innerhalb der Göttinger Wallanlagen darf an Silvester und Neujahr kein Feuerwerk der Kategorie F2 gezündet werden. Das sind Feuerwerksbatterien, Raketen, Leuchtfeuerwerk und Knaller wie zum Beispiel Chinaböller.

Verbot soll Altstädte schützen

Schon seit einigen Jahren gelten zudem in zahlreichen Altstädten wie Goslar, Duderstadt und Hameln komplette oder teilweise Verbote. In der Kernstadt von Lüchow ist schon das bloße Mitführen von Pyrotechnik an Silvester und Neujahr untersagt. Zum Jahreswechsel 2018/2019 waren mehrere Gebäude in Brand geraten und die Feuerwehr sogar beim Löschen behindert worden.

In Braunschweig darf nach Angaben der Stadt rund um die Rathauskolonnaden und im Magniviertel aus Sicherheitsgründen kein Feuerwerk abgebrannt werden. In Lüneburg gilt das Verbot für die ganze Altstadt.

Schutz von Reetdachhäusern und Umwelt

Auf den nordfriesischen Inseln Sylt und Amrum ist Feuerwerk ohnehin das ganze Jahr über verboten. Föhr erlaubt explizit nur an Silvester an Stränden und Deichen, im Abstand von 200 Metern zu Häusern, Böllerei. Auch in den Orten auf Hiddensee, Rügen und dem Darß ist Böllern nicht erlaubt. Dort ist die Brandgefahr für reetgedeckte Häuser zu hoch. In der Region Fischland-Darß-Zingst gibt es aber bestimmte Abbrennplätze. Zudem bieten die meisten Ferienorte organisierte Feuerwerke an. Die Kaiserbäder auf Usedom wollen an Silvester erstmals kleine, feuerwerksfreie Strandabschnitte einrichten. Damit solle der Weg frei gemacht werden für ein bewusstes und sicheres Silvester, begründete Kurdirektor Thomas Heilmann die Aktion.

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Am Timmendorfer Strand werden erstmals Verbotszonen für private Knallerei eingerichtet. Hier wird als Ersatz eine Laser- und Pyroshow umweltgerecht ins neue Jahr locken. Feuerwerks- und Böllerverbote gelten zudem in zahlreichen Naturschutzgebieten und in Nationalparks, wie dem Harz und dem Wattenmeer.

Tiere, Brände, Verletzte und Feinstaub

Tierschützer warnen vor jedem Jahreswechsel vor Stress für Haustiere, Pferde und Wildtiere. Feuerwehr und Notärzte richten sich auf Brände und Verletzte ein, und Umweltschützer warnen vor Feinstaub und tonnenweise Müll. Hilfsorganisationen regen schon seit Jahrzehnten an, statt Raketen und Kracher zu kaufen, das Geld doch lieber zu spenden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 31.12.2019 | 08:45 Uhr