Corona-Regeln werden ab Mittwoch in Hamburg verschärft

Stand: 15.12.2020 20:15 Uhr

Viele Läden müssen schließen, die Präsenzpflicht an den Schulen wird ausgesetzt und Böllern verboten: Hamburg geht wie auch andere Bundesländer ab Mittwoch in einen erneuten Lockdown.

"Die Lage ist ernst", sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Sonntag nach einer Bund-Länder-Konferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er kündigte an, die bundesweiten Beschlüsse in der Hansestadt größtenteils zu übernehmen.

Viele Läden müssen ab Mittwoch schließen

Viele Geschäfte des Einzelhandels sowie Friseursalons, Kosmetikstudios, Massagepraxen müssen nach dem Bund-Länder-Beschluss ab kommendem Mittwoch bis zum 10. Januar zum Schutz vor Corona schließen. Geöffnet bleiben sollen dagegen Lebensmittelläden, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Reformhäuser und Apotheken. Ebenso sollen Kunden und Kundinnen Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker, Hörgeräteakustiker, Tankstellen, Kfz-Werkstätten, Fahrradwerkstätten, Banken und Sparkassen weiter nutzen können. Auch Bibliotheken bleiben mit Einschränkungen geöffnet. Der Bürgermeister appellierte an die Hamburgerinnen und Hamburger, die Maßnahmen ernst zu nehmen und bereits am Montag und Dienstag auf Einkäufe möglichst zu verzichten, damit es nicht zu einer "Black-Friday-Situation" komme.

Fernunterricht: Ab Mittwoch können Schüler zu Hause bleiben

Tschentscher kündigte die Aussetzung der Anwesenheitspflicht zwischen dem 16. Dezember und 10. Januar an Schulen in Hamburg an. Die Schulen und Kitas blieben aber bis zu den Weihnachtsferien geöffnet, sagte der Bürgermeister. Damit können Eltern dann selbst entscheiden, ob ihre Kinder dann in der Schule oder zu Hause lernen, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Es werde in den drei Tagen vor Ferienbeginn und vier Tage nach Ferienende ein gutes Fernunterrichtsangebot geben, sagte Rabe. Die Ferien beginnen regulär am Freitag und dauern bis zum 4. Januar.

Kitas und Spielplätze bleiben offen

In den Kindergärten werde eine Betreuung sichergestellt, so der Bürgermeister. Viele Eltern würden als Berufstätige in systemrelevanten Bereichen wie dem Gesundheitswesen dringend gebraucht und seien auf die Betreuung ihrer Kinder angewiesen. Die Spielplätze bleiben auch geöffnet.

Treffen mit mehr als fünf Personen zu Weihnachten

Von Mittwoch an bis zum 10. Januar dürfen sich in Hamburg weiterhin nur fünf Menschen aus zwei Haushalten privat treffen. Nur über die Weihnachtstage vom 24. bis zum 26. Dezember dürften größere Familien zusammen feiern. Dann sind Treffen mit vier über den eigenen Hausstand hinausgehenden Personen zuzüglich Kindern im Alter bis 14 Jahre aus dem engsten Familienkreis zugelassen. Dieser engste Familienkreis umfasst Ehegatten, Lebenspartner und Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft sowie Verwandte in gerader Linie, Geschwister, Geschwisterkinder und deren jeweilige Haushaltsangehörigen, auch wenn dies mehr als zwei Hausstände oder 5 Personen über 14 Jahren bedeutet.

Verkauf und Abbrennen von Feuerwerk verboten

Der Verkauf von Feuerwerk für Silvester und Neujahr wird verboten. Und auch das Abbrennen von Pyrotechnik werde in ganz Hamburg untersagt, sagte Innensenator Andy Grote (SPD). In den bundesweiten Regeln ist an Silvester und Neujahr auch ein An- und Versammlungsverbot vorgesehen - so gelte es dann auch in Hamburg. Sicherlich werde dennoch "die eine oder andere Rakete am Himmel zu sehen sein", sagte Grote. Solche Verstöße würden jedoch auch konsequent geahndet.

In Alten- und Pflegeheimen sollen Mitarbeitende sich ab dem 21. Dezember mindestens zweimal pro Woche vor dem Dienst einem Antigen-Corona-Test unterziehen.

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Alkoholkonsum im Freien untersagt

Für den gesamten Lockdown gilt ein striktes Alkoholverbot im öffentlichen Raum. Das Trinken alkoholischer Getränke im öffentlichen Raum soll demnach vom 16. Dezember bis 10. Januar untersagt werden. Verstöße werden mit einem Bußgeld belegt.

Tschentscher sagte über das jetzt beschlossene Maßnahmenpaket: "Wir wissen alle nicht, wie stark es wirkt und wie schnell es wirkt, aber ich bin sicher, dass es wirkt." Alle Bürgerinnen und Bürger sollten sich an die Anordnungen halten und nicht an deren Limit gehen oder Regelungslücken suchen.

Kritik vor allem von der AfD

Die Hamburger Parteien sind sich weitgehend einig, dass an einem harten Lockdown kein Weg vorbei führe. Das sagten auch die beiden Oppositionsparteien CDU und Linke. Nur von der AfD hieß es: Es sei falsch und nicht verhältnismäßig, die Läden zu schließen. Sie setzt weiter auf Hygiene-Konzepte und gezielte Maßnahmen, um alte und kranke Menschen zu schützen.

Kritik kommt aber trotzdem - zum Beispiel an Schulsenator Rabe. Die CDU hält es für falsch, dass in Hamburg die Schulen offen bleiben - auch wenn Eltern entscheiden können, dass sie ihr Kind zu Hause lassen. Und die Linke kritisierte, dass der Hamburger Senat die Lage zu lange falsch eingeschätzt habe. Nun komme es darauf an, dass niemand durch den neuen Lockdown in existentielle Not gerate.

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