Visualisierung der neuen Sternbrücke in Hamburg Altona. Eine stützenfreie Stabbogenkonstruktion soll die fast 100 Jahre alte Brücke ersetzen und die für den Schienenverkehr im Norden zentrale Gleisverbindung langfristig sichern. © Vössing Ingenieurgesellschaft mbH

Trotz Protest: Sternbrücke soll durch Neubau ersetzt werden

Stand: 04.11.2020 15:05 Uhr

Seit langer Zeit wird darüber gestritten, nun ist die Entscheidung wohl endgültig gefallen: Die marode Sternbrücke in Altona wird abgerissen und durch einen riesigen Neubau ersetzt.

Die neue Brücke soll mehr als 20 Meter hoch und 108 Meter lang sein. Für Kritikerinnen und Kritiker - darunter Anwohnerinnen und Anwohner, Denkmalschützerinnen und Denkmalschützer sowie Bezirkspolitikerinnen und Bezirkspolitiker in Altona - ist es eine Monsterbrücke, die das Stadtbild zerstört. Doch die Deutsche Bahn und der Senat bleiben dabei: Die geplante neue Rundbogenbrücke wird gebaut. Anfang 2023 sollen die Bauarbeiten beginnen, die voraussichtlich etwa vier Jahre dauern.

Die alte Brücke sei ein "Hemmschuh für die Mobilitätswende in Hamburg", so Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). Der Verkehr sei hier schon jetzt zeitweise überlastet, und durch Projekte wie die Neue Mitte Altona werde künftig noch mehr los sein an diesem Knotenpunkt. Mit dem Neubau, der ohne stützende Pfeiler auskommt, soll mehr Verkehrssicherheit und auch mehr Platz geschaffen werden - gerade auch für Busse, Radfahrer und Fußgänger.

Weniger wuchtige Variante abgelehnt

Geprüft wurde auf Antrag der Bürgerschaft auch eine weniger wuchtige Variante mit drei Pfeilern, die jedoch lehnte die Bahn ab. Sie würde um mindestens 35 Millionen teurer werden, und auch die Planung würde mindestens vier Jahre länger dauern, so die Begründung. Insgesamt soll das Projekt 125 Millionen Euro kosten.

Gegner des Vorhabens empört

Der Denkmalverein Hamburg bezeichnet die Entscheidung als "Desaster". Die Vorsitzende Kristina Sassenscheidt hält eine Sanierung der denkmalgeschützten Sternbrücke für billiger und sagte, der Neubau werde das Stadtbild massiv beeinträchtigen. Zudem müssten 7 Häuser und 44 Bäume für den Neubau weichen. Axel Bühler von der Initiative Sternbrücke meinte: "Die neue Brücke stößt ins Herz der Sternschanze."

CDU und Linke kritisieren Senat

Die CDU warf dem rot-grünen Senat vor, sehenden Auges ein Stadtquartier zu ruinieren. Die Kollateralschäden beim Bau seien enorm, sagte die Stadtentwicklungsexpertin der Fraktion, Anke Frieling. "Eine Reihe von Häusern muss abgerissen werden, Menschen müssen umziehen, Clubs, Restaurants und Geschäfte brauchen neue Räume." Die verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Heike Sudmann, meinte, der Neubau werde zum Symbol für die "Nicht-Bürgerbeteiligung" in Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 03.11.2020 | 15:00 Uhr

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