Stand: 19.02.2018 20:51 Uhr

Taxi-Crash war Mord: Lebenslange Haftstrafe

Im Prozess um den tödlichen Unfall am Ballindamm in Hamburg ist der Angeklagte am Montag zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Der Mann habe sich des Mordes, des zweifachen versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung sowie der vorsätzlichen Gefährdung des Straßenverkehrs und des Diebstahls schuldig gemacht, sagte der Vorsitzende Richter der Großen Strafkammer am Montag.

"Recht auf Freiheit verwirkt"

Man könne hier nicht von einem unglücklichen Zufall sprechen: "Wir haben es hier mit dem vorsätzlichen Werk eines maximal rücksichtslosen Täters zu tun", sagte der Richter. Und wer keinen Respekt vorm Leben habe, der habe sein Recht auf Freiheit verwirkt.

Der Angeklagte habe das von ihm gestohlene Taxi in der Nacht zum 4. Mai 2017 bewusst in den Gegenverkehr gelenkt und ein anderes Taxi frontal gerammt. Zuvor habe er den Wagen auf der Flucht vor der Polizei noch auf mindestens 163 Stundenkilometer beschleunigt. Dabei war ein 22-jähriger Fahrgast getötet worden. Ein weiterer Insasse sowie der Taxifahrer kamen mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus. Mit dem Urteil entsprach das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Verteidigung setzte auf fahrlässige Tötung

Der Verteidiger hatte zuvor vier Jahre Haft gefordert. Der 25 Jahre alte Angeklagte habe sich der fahrlässigen Tötung und der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht, habe aber den Tod eines Menschen nicht billigend in Kauf genommen. Wegen einer Alkoholabhängigkeit sollte sein Mandat auch in einer Entzugsklinik untergebracht werden, forderte der Verteidiger am Montag.

Die Staatsanwaltschaft hatte am Freitag eine Verurteilung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes gefordert. "Es gibt Handlungen, die einfach unfassbar sind", sagte die Staatsanwältin, "rücksichtslos, gewissenlos." Sie wisse, dass es ungewöhnlich sei, jemanden nach einem tödlichen Verkehrsunfall wegen Mordes zu verurteilen. Aber in diesem Fall müsse es sein.

Mordanklage ungewöhnlich

Zwei der Merkmale, die das Gesetz bei Mord vorsieht, waren aus Sicht der Staatsanwaltschaft erfüllt: Zum einen habe der Angeklagte eine andere Straftat verdecken wollen. Das heißt: Er floh mit dem gestohlenen Taxi, um zu vertuschen, dass er dieses gerade geknackt hatte. Zum anderen sei ein etwa zwei Tonnen schweres Auto, das mit bis zu 145 Stundenkilometern durch die Stadt rase, ein gefährliches Werkzeug. Zudem sei der Mann voll schuldfähig. Ein letztes Gutachten ergab am Freitag: Obwohl er alkoholisiert war, sei er keine Schlangenlinien gefahren und habe nur eine halbe Sekunde, bevor es zu dem Zusammenprall am Ballindamm kam, das Gaspedal nochmal voll durchgetreten.

Haftpflichtversicherung zahlt nicht bei Mord

Der Anwalt des Taxifahrers stellte indes keinen konkreten Strafantrag. "Man könnte an Mord denken", erklärte der Nebenklage-Vertreter. Er gab jedoch zu bedenken, dass die Haftpflichtversicherung des gestohlenen Autos bei einer Verurteilung wegen einer vorsätzlichen Tat keine Entschädigung zahle. Der Anwalt der Hinterbliebenen des gestorbenen Fahrgastes schloss sich dagegen der Forderung der Staatsanwaltschaft an.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.02.2018 | 14:00 Uhr

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