Stand: 10.02.2020 20:49 Uhr  - NDR 90,3

Neues Pflegebündnis stellt Forderungen vor

In Hamburg formiert sich eine neue Bewegung gegen den Pflegenotstand. Pflegekräfte aus allen großen Hamburger Krankenhäusern haben sich zur "Hamburger Krankenhausbewegung" zusammengeschlossen und legten der Hamburger Politik am Montagnachmittag im Gemeindesaal der St. Petri Kirche ihre Forderungen vor. Mehrere Fachpolitiker und -politikerinnen, aber auch die Spitzenkandidatin der Grünen, Katharina Fegebank, hörten zu, was die mehr als 100 Pflegekräfte zu sagen hatten.

Keine Zeit mehr für Sterbende

Die Berichte klangen erschütternd: Man könne sich auf den Intensivstationen nicht mehr um sterbende Menschen kümmern. Und die Hälfte der Protestierenden arbeite in Teilzeit, weil man ansonsten den Druck nicht mehr aushalten könne. Die Pflegekräfte fordern, dass sich endlich etwas ändert. Eine ihrer Thesen: Wenn sich die Arbeitsbedingungen verbessern, könnte man den Pflegenotstand beenden, weil viele Kolleginnen und Kollegen, die ihren Beruf aufgegeben haben, zurückkommen würden.

Bild vergrößern
Auch Grünen-Spitzenkandidatin Katharina Fegebank (Mitte) hörte zu - wenn auch nicht die ganze Zeit.

Neu an den Protesten sind dabei nicht so sehr die Forderungen - neu ist, dass sich die Pflegekräfte selbst organisieren und den Gesundheitspolitikern von SPD und Grünen hinter verschlossenen Türen noch drastischere Patienten-Schicksale aus ihrem Alltag geschildert haben.

Konsequenzen sind offen

Unklar allerdings bleibt, welche Forderungen Hamburg direkt umsetzen kann. Denn das Hamburgische Verfassungsgericht hatte eine Volksinitiative für mehr Pflegekräfte gestoppt, weil sie Forderungen erhoben hatte, für die nur der Bund zuständig ist.

Von Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) hieß es am Montag: "Hamburg hat viel dafür getan, die Arbeitsbedingungen für Pflege- und Krankenhauspersonal nachhaltig zu verbessern." Die Ausbildungszahlen in der Pflege seien in Hamburg um 30 Prozent gesteigert worden und in der "Hamburger Allianz für die Pflege" hätten sich Arbeitgeber aus der Pflege darauf verständigt, die Arbeitsbedingungen in Pflegeheimen und in Krankenhäusern zu verbessern und nach Tarif zu bezahlen.

Weitere Informationen

Hamburg will einen Pflegenotruf einrichten

Hamburgs Gesundheitsbehörde will eine Telefonnummer einrichten, unter der Angehörige von Pflegebedürftigen Rat und Tipps erhalten sollen. Start ist im kommenden Jahr. mehr

Pflegekräfte demonstrieren für mehr Klinikpersonal

Dutzende Pflegekräfte Hamburger Krankenhäuser haben am Montag vor dem Rathaus demonstriert. Sie fordern vor allem deutlich mehr Pflegepersonal auf den Stationen. mehr

Panorama 3

Burn-out-Gefahr: Assistenzärzte am Limit

Panorama 3

Viele Assistenzärzte klagen über Überlastung. Eine neue Studie zeigt: 70 Prozent der jungen Ärzte zeigen Anzeichen eines Burn-outs. Denn in den Kliniken fehlt es vielerorts an Personal (19.11.2019). mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.02.2020 | 06:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:23
Hamburg Journal
01:21
Hamburg Journal