Stand: 28.11.2019 14:19 Uhr

Liberale Jüdische Gemeinde fordert Tempel-Erhalt

Die denkmalgeschützten Überreste des ersten Tempels des liberalen Judentums sind in einem Hinterhof in der Poolstraße zu sehen.

Die Liberale Jüdische Gemeinde Hamburg sorgt sich um die Zukunft der Überreste des weltweit ersten Tempels des liberalen Judentums. Die Ruine in einem Hinterhof in der Neustadt droht zu zerfallen. Mit dem Tempel in der Poolstraße beherberge Hamburg ein jüdisches Erbe von Weltrang, sagte die Gemeindevorsitzende Galina Jarkova am Donnerstag. "Wir können und dürfen nicht zulassen, dass es verschwindet."

Dies sei der erste liberale Tempel weltweit mit einer eigenen Orgel, deutschen Gebeten und den Anfängen einer Gleichberechtigung von Mann und Frau gewesen. Während die jüdische Einheitsgemeinde die alte Bornplatz-Synagoge im Grindelviertel wieder so aufbauen will, wie sie früher aussah, fordert nun die Liberale Jüdische Gemeinde, den historischen Ort in der Poolstraße nicht zu vergessen. "Wir hoffen sehr, dass die Stadt dieses Anliegen unterstützt", so Jarkova.

Im Hinterhof einer Autowerkstatt

Von dem 1844 erbauten, einst dreischiffigen, neogotischen Bau ist nur noch eine Ruine geblieben. Sie steht seit 2003 unter Denkmalschutz und befindet sich im Hinterhof einer Autowerkstatt. Kürzlich wurde bekannt, dass der private Eigentümer das Grundstück verkaufen will und dass bereits Pläne für eine Wohnbebauung existieren.

"Ort des jüdischen Erbes darf nicht verschwinden"

"Es darf nicht sein, dass ein weiterer Ort des jüdischen Erbes verschwindet", sagte Jarkova. Der Tempel war die weltweit erste Synagoge des Reformjudentums, das sich von Hamburg aus in alle Welt verbreitete. An den Baukosten des Tempels beteiligten sich namhafte Bürger Hamburgs, unter anderem Salomon Heine. Felix Mendelssohn komponierte die Musik für die Einweihung und Heinrich Heine beschrieb ihn in seinem "Wintermärchen".

Der gepflasterte Grundriss der ehemaligen Synagoge

Wiederaufbau der Jüdischen Synagoge im Grindelviertel?

Hamburg Journal -

Die Jüdische Gemeinde in Hamburg will mit Unterstützung vom Bund die Hauptsynagoge auf dem heutigen Joseph-Carlebach-Platz wieder aufbauen. Was wird aus der Tempelruine in der Neustadt?

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Miriam Rürup, die Direktorin des Instituts für die Geschichte der Deutschen Juden, könnte sich hier auch ein Jüdisches Museum vorstellen. Rürup: "Ein Ort, der auch die jüdische Geschichte Hamburgs erzählt, ein Ort, aus dem man klüger und mit Anregungen rausgeht."

Lichtkünstler Michael Batz wird am Sonntag ab 16 Uhr die alten Mauern im Hinterhof der Poolstraße mit blauem Licht illuminieren und alte Fotos zeigen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.11.2019 | 17:00 Uhr

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