Eine Radfahrer in Hamburg neben einem mit einem Lkw-Abbiegeassistenten ausgerüsteten Feuerwehrwagen.  Foto: Reinhard Postelt

Hamburgs städtische Lastwagen haben nun Abbiegeassistenten

Stand: 16.03.2021 19:00 Uhr

Hamburg hat seine städtische Lastwagenflotte mit Abbiegeassistenten ausgerüstet. Fahrzeuge über 7,5 Tonnen warnen ihre Fahrerinnen und Fahrer, wenn Radfahrende im toten Winkel für sie nicht sichtbar sind.

Hamburg ist das einzige Bundesland, das alle städtischen Lastwagen mit Warngeräten nachgerüstet hat. Innensenator Andy Grote (SPD) sagte: "Wer mehr Radverkehr in der Stadt will, muss auch für mehr Sicherheit sorgen. Hier treffen einfach die schwächsten und die stärksten Verkehrsteilnehmer beim Abbiegen aufeinander - häufig mit tragischem Ausgang." Im vergangenen Jahr starben zwei Radfahrende durch abbiegende Lastwagen in der Hansestadt, 14 wurden leicht verletzt.

Grote: Auch Privatunternehmen sollten mehr tun

Hamburgs Innensenator Andy Grote steht vor einem Feuerwehrauto und gibt ein Interview.
Hamburgs Innensenator Grote: Auch Privatunternehmen sollten in die Warngeräte investieren.

Insgesamt rund zwei Millionen Euro kosten Hamburg die Abbiegeassistenten für 870 Lastwagen, die meisten von Feuerwehr und Stadtreinigung. Nur einzelne Speditionen wie Dachser folgen dem guten Beispiel. Denn die EU verlangt keine Nachrüstung. Erst ab 2024 sind die Warngeräte vorgeschrieben - und dann auch nur für Neufahrzeuge. Grote: "Ich würde mir schon wünschen, dass von den Privatunternehmen etwas mehr getan wird, denn am Ende tut man auch etwas für die eigenen Fahrer." Wer einen Abbiegeunfall verschulde, könne häufig nie mehr ans Lenkrad.

Feuerwehr-Chef freut sich über Vorreiter-Rolle

Vor allem Hamburgs Feuerwehrleute schätzen den Abbiegeassistenten. Gerade bei Blaulichtfahrten bietet er mehr Sicherheit. Feuerwehr-Chef Christian Schwarz sagte NDR 90,3: "Ich bin stolz, dass die Hamburger Feuerwehr einer der Vorreiter der Feuerwehren in Deutschland ist und so den Straßenverkehr ein Stück weit sicherer macht."

Nur wenige Ausnahmen

Nur eine Handvoll der städtischen Lastwagen über 7,5 Tonnen wurde nicht nachgerüstet, weil sie nur auf dem Flughafen oder auf Friedhöfen unterwegs sind - oder in den kommenden drei Monaten ausgemustert werden. Nun rüstet die Stadt auch ihre Kleinlastwagen über 3,5 Tonnen nach, das soll bis zum Jahresende geschehen.

Der Fahrradclub ADFC in Hamburg begrüßte die neuen Abbiegeassistenten in städtischen Lastwagen. Er betonte aber, dass sei ein Tropfen auf den heißen Stein, solange nicht auch private Lkw nachgerüstet werden. Der Fahrradclub meint, dass Stadt nur noch Firmen mit ausgerüsteten Lastwagen beauftragen soll.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 17.03.2021 | 07:00 Uhr

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