Stand: 14.09.2018 18:19 Uhr

Halal-Fleisch an Schulen: Viel Lärm um nichts

von Andreas Gaertner

Über das Schulessen wurde diese Woche in Hamburg mal wieder diskutiert. Nicht über dessen Qualität, sondern darüber, ob es an Hamburger Schulen sogenanntes Halal-Fleisch geben sollte. Denn nur Fleisch mit diesem Siegel dürfen gläubige Muslime essen. Daher steht auch in einigen Hamburger Schulen - zum Beispiel in Billstedt oder Harburg - Halal-Fleisch auf dem Speiseplan.

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NDR 90,3 Redakteur Andreas Gaertner kommentiert die Diskussion um das Halal-Fleisch-Angebot an Hamburger Schulen.

Halal-Fleisch in Schulkantinen - ist das ein Skandal? Nein, und es war auch mindestens drei Jahre lang keiner, bis nach einer Anfrage der AfD an den Senat daraus ein Aufreger gemacht wurde. Was sind die Tatsachen? Halal ist Fleisch, das nach bestimmten muslimischen Regeln produziert wird. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass das Fleisch von geschächteten Tieren kommen muss.

Halal-Fleisch ist weit verbreitet

Halal-Fleisch in Deutschland ist, darauf weisen Lieferanten und sogar Tierschützer hin, in der Regel mit dem Tierschutz vereinbar. Die meisten Deutschen essen auch Halal-Fleisch, oft unbewusst. Wer Döner mag sowieso. Aber auch einer der größten Anbieter von Geflügelfleisch, zu finden in fast jedem Supermarkt, stellt sein Fleisch halal her, ohne es an die große Glocke zu hängen.

Menü auf einem Tablett © Fotolia.com Foto: Gerhard Seybert

Halal-Fleisch in Schulkantinen - ein Skandal?

NDR 90,3 - Der Hamburg-Kommentar -

Ob Halal-Fleisch an Hamburger Schulen aufgetischt werden soll, sorgt immer wieder für Diskussionen. Aber warum nicht? Schaden tut es niemanden, meint Andreas Gärtner in seinem Kommentar.

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Kein Anspruch auf Halal-Angebot

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Der Begriff "Halal" kommt aus dem Arabischen und bedeutet übersetzt "das Erlaubte".

Auslöser der ganzen Diskussion war ein Streit an einer Grundschule in Billstedt vor über einem halben Jahr, der inzwischen beigelegt ist. Die genauen Hintergründe will die Schulbehörde noch aufklären. Richtig ist, dass niemand gezwungen werden darf, etwas Bestimmtes zu essen. Und Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat klargestellt: Es gibt keinen Anspruch auf ein nach religiösen Regeln zubereitetes Essen an Hamburger Schulen.

Aber was spricht dagegen, wenn eine Schulgemeinschaft mehrheitlich für ein Halal-Angebot stimmt? Und christliche Kinder, ohne den Unterschied zu merken, nach Halal-Regeln produziertes Hühnchen futtern? Am Kurt-Körber-Gymnasium in Billstedt essen seit der Einführung eines Halal-Angebots vor drei Jahren sogar fünf mal so viele Schüler in der Kantine wie vorher. Soll man die Kinder aus muslimischen Familien jetzt wieder vom Essen ausschließen?

Viel Lärm um nichts

Wem also nützt die, auch von den Medien mitgetragene Aufregung? Wahrscheinlich nur denen, die einen Keil zwischen christliche und muslimische Hamburger treiben wollen. Und dabei bewusst Halbwissen oder falsche Schlagzeilen transportieren - bevorzugt in den sozialen Medien. Diskutieren kann man über alles, aber bitte vorher die Fakten prüfen und nicht auf Vorurteile hereinfallen. Es gibt genug Probleme in Hamburg, über die es sich mehr zu reden lohnt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 15.09.2018 | 08:40 Uhr

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