Klaus Püschel, Direktor des Institutes für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. © Axel Heimken Foto: picture alliance / dpa

Forscher und Ärzte kritisieren die Corona-Politik

Stand: 23.11.2020 16:48 Uhr

Eine Gruppe von Wissenschaftlern und Ärzten, zu der auch der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel gehört, stellt sich gegen die aktuelle Corona-Politik.

Die Forscher lassen in dem von ihnen veröffentlichten Thesenpapier kaum ein gutes Haar an der Corona-Politik in Deutschland. Sie bemängeln: Es fehlt immer noch an einer wissenschaftlichen Grundlage. Zum Beispiel, weil es immer noch keine repräsentativen Stichproben gibt, wie sich das Coronavirus gerade verbreitet. Wegen einer vermutlich großen Dunkelziffer würden die täglichen Meldungen der Gesundheitsämter dafür nicht ausreichen. Die Grenzwerte, wie stark die Zahl der Neuinfektionen sinken soll, seien deshalb ebenfalls nicht wissenschaftlich fundiert. Und sie sind nach Ansicht der Forscher sogar unrealistisch.

Ebenso unrealistisch sei die Hoffnung, allein durch Kontakt-Beschränkungen das Virus in den Griff bekommen zu wollen. Dafür sei es längst viel zu stark verbreitet. Wichtiger sei deshalb, die besonders gefährdeten Menschen besser zu schützen.

Virologe: Debatte über Maßnahmen ist wichtig

Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit © Bernhard Nocht Institut für Tropenmedizin
Befürwortet die Debatte über Corona-Maßnahmen: der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit.

Die Forscher hatten sich bereits in mehreren Thesen-Papieren kritisch mit der Corona-Politik auseinandergesetzt. Zur Gruppe der Forscher zählt neben Rechtsmediziner Püschel auch der ehemalige Staatsrat der Gesundheitsbehörde, Matthias Gruhl. In einer ersten Reaktion auf das neue Papier sagte der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Tropeninstitut: Es sei gut, dass diese Debatte angestoßen wird. Denn nur wirklich gut begründete Einschränkungen werden von den Menschen akzeptiert.

Am Mittwoch wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs über eine Verlängerung der Kontakt-Beschränkungen entscheiden.

Weitere Informationen
Eine Person hält eine Lupe über ein Kalenderblatt, wo der 31.1.2021 als Lockdown-Ende eingekreist ist. © picture alliance Foto: Fotostand / K. Schmitt

Strengerer Lockdown - das sind die aktuellen Corona-Regeln

In mehreren Punkten besteht offenbar schon Einigkeit, welche Corona-Schutzmaßnahmen in den nächsten Wochen gelten sollen. (23.11.2020) mehr

Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

Coronavirus in Hamburg: Nachrichten und Hintergründe

Wie geht es Hamburg mit der Corona-Pandemie? Hier finden Sie die aktuellen Zahlen, Nachrichten, Videos und Hintergründe. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.11.2020 | 19:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

.

So soll sich Hamburg an seinen Hauptverkehrsstraßen verändern

Für die Stadtentwicklung an den sieben Magistralen hat der Hamburger Senat weitreichende Pläne. Altona ist Pilotbezirk. mehr

Die 84-jährige Karin Sievers wird im Hospital zum Heiligen Geist mit der zweiten Corona-Impfung geimpft. In dem Alten- und Pflegeheim in Poppenbüttel waren am 27. Dezember 2020 die ersten Bewohner und Mitarbeiter in Hamburg gegen das Virus geimpft worden. © picture alliance / dpa Foto: Axel Heimken

Corona: Erstmals zweite Dosis in Hamburg geimpft

Drei Wochen nach dem Start der Corona-Schutzimpfungen begann die zweite Impfrunde in einem Pflegeheim in Poppenbüttel. mehr

Hamburgflagge und Kalender (Montage) © Fotolia, imago stock&people Foto: Kalender: Igor Negovelov
1 Min

Was in dieser Woche wichtig wird

Der Hamburger Wochenlotse gibt einen kurzen Ausblick auf die anstehenden Ereignisse in der Hansestadt. 1 Min

Ein Fahrzeug der Polizei mit Blaulicht bei einem Einsatz. © dpa/ picture alliance Foto: Daniel Bockwoldt

Fahndung: Sicherungsverwahrter kehrt von Freigang nicht zurück

Der 52-jährige war wegen mehrfachen Raubes zu einer Haftstrafe in Hamburg verurteilt worden, mit anschließender Sicherungsverwahrung. mehr