Stand: 14.05.2020 15:22 Uhr  - Hamburg Journal

Corona-Studie: Stecken Kinder Erwachsene an?

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ist eine großangelegte Corona-Studie gestartet. Rund 6.000 Kinder und Jugendliche sollen gescreent, getestet und auf Antikörper untersucht werden. "Jedes Kind, das eine der Hamburger Kinderkliniken betritt, bekommt das Angebot, an der Studie teilzunehmen", sagte Ania Muntau, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKE und Leiterin der Studie, am Donnerstag in Hamburg.

Corona: Wer überträgt das Virus auf wen?

Die Medizinerinnen und Mediziner wollen mit dieser Studie herausfinden, wie häufig und wie schwer Kinder und Jugendliche sich mit Sars-CoV-2 infizieren und wie Kinder das Virus verbreiten. "Ich habe mich immer sehr gewundert über die Sicherheit, mit der die Aussage auch in der Öffentlichkeit getätigt wurde, dass Kinder nicht erkranken, weil wir keine Evidenz dazu haben", sagte Muntau. "Wir haben das niemals umfassend und in die Tiefe untersucht. Insofern glaube ich, ist das eine absolut offene Frage, ob Kinder erkranken und wie häufig und wie schwer sie erkranken."

Zugleich solle erforscht werden, "wie groß das Risiko einer Verbreitung des neuartigen Corona-Virus durch asymptomatische Kinder ist und ob chronisch kranke Kinder ein größeres Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion haben als gesunde Kinder", so Muntau. Darum werden Daten von gesunden und chronisch kranken 0- bis 18-Jährigen mit und ohne Symptomen einer Covid-19-Infektion einbezogen.

Studie vergleicht Daten gesunder und kranker Kinder

In einer ersten Phase, die Ende April gestartet ist, werden sechs Wochen lang Daten zur Häufigkeit von Covid-19-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen erhoben. Es gibt einen Fragebogen für die Eltern sowie Nasen-Rachen-Abstriche und Antikörpertest bei den Kindern. Verglichen werden dann die Daten von gesunden mit jenen von vorerkrankten Kindern und Jugendlichen. Dazu gehören Kinder mit Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenerkrankungen oder etwa Stoffwechselstörungen sowie Kinder nach Stammzell- oder Organtransplantationen.

"Es ist ein Projekt an der Schnittstelle von Forschung und Versorgung", sagte Muntau. "Wir messen an sieben Tagen in der Woche und ist ein positiver Fall dazwischen, informieren wir sofort die Eltern, um mit ihnen die nächsten Behandlungsschritte zu besprechen." Die positiv getesteten Kinder werden dann weitere sechs Monate begleitet. So komme man von der sehr breit angelegten Studie in die Tiefe, sagte Muntau.

Studienleiterin: "Ärzte sind keine Politiker"

Bei der Influenza, also der Grippe, übertragen Kinder das Virus besonders schnell. Das wurde bei Corona auch angenommen, aber es könnte anders sein und womöglich bekommen die Kinder das Virus von den Ewachsenen. Auch dazu soll die Hamburger Studie neue Erkenntnisse liefern.

Die Ergebnisse könnten also auch für die weiteren Öffnungsschritte von Schulen und Kitas wichtig sein. Diese politische Dimension der Studienergebnisse wies Studienleiterin Muntau am Donnerstag allerdings zurück. "Unsere Aufgabe als Wissenschaftler und Ärzte ist es, Evidenz zu schaffen und nicht, politische Schlüsse daraus zu ziehen. Ärzte sind keine Politiker." Die ersten Befunde sollen in sechs bis acht Wochen vorliegen.

Nicht Teil der "Hamburg City Health Study"

Die neue Studie ist nicht Teil der großen "Hamburg City Health Study", die seit vier Jahren die Gesundheit der Hamburger untersucht. Das UKE hatte kürzlich angekündigt, diese um Kinder und Jugendliche zu erweitern.

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Hamburg Journal | 14.05.2020 | 19:30 Uhr

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