Stand: 28.10.2019 15:14 Uhr

Baumbesetzung: Tschentscher lobt Polizei

Nach der Räumung des besetzten Vollhöfner Walds in Altenwerder lobt Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) den Einsatz der Polizei. Besonnen und verhältnismäßig sei die Polizei bei der Räumung vorgegangen, sagt der Erste Bürgermeister. Er verteidigt den Entschluss, die Besetzung des Waldstücks nicht zu dulden. Die Fläche der Hafenverwaltung HPA sei unrechtmäßig für eine politische Kundgebung in Anspruch genommen worden. Dafür würden in unmittelbarer Nähe jedoch geeignete Flächen zur Verfügung stehen. Über die Räumung des Protestcamps war es in der vergangenen Woche zum Streit zwischen SPD und Grünen gekommen.

Tagelang hatten Umweltaktivisten den Vollhöfner Wald im Süden von Hamburg besetzt. Nachdem die Polizei am Donnerstag begann, das Protestcamp zu räumen und ein Baumhaus abzubauen, kletterten sechs Aktivisten hoch in die Bäume - und harrten dort weiter aus. Doch nach vier Tagen und drei Nächten gaben sie auf: Am Sonntagnachmittag kündigten sie an, ihre Hängematten in bis zu zehn Metern Höhe zu verlassen. Kurze Zeit später waren alle sechs Besetzer wieder am Boden.

Besetzer in Polizeigewahrsam

Die Polizei nahm die Aktivisten noch vor Ort in Gewahrsam. Bereits am Donnerstag waren 19 Demonstranten abgeführt worden. Laut Polizei sind inzwischen alle vorläufig festgenommenen Besetzer wieder auf freiem Fuß. Die Staatsschutz-Abteilung des Landeskriminalamtes ermittelt aber weiter. Im Internet geben sich die ehemaligen Baumbesetzer kämpferisch: Der Vollhöfner Wald sei noch lange nicht sicher, schreiben sie.

Die Räumung hatte eine Diskussion ausgelöst. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) sprach von einem überflüssigen Einsatz. Es gebe keine "naturschutzfachliche oder zwingend rechtliche Notwendigkeit". Die Deutsche Polizeigewerkschaft in Hamburg reagierte empört. Es sei inakzeptabel und komme eigentlich nie vor, dass ein Senatsmitglied öffentlich und im Rundumschlag Entscheidungen des Ersten Bürgermeisters, des für die innere Sicherheit zuständigen Senators und der ausführenden Polizei kritisiere.

Forderung nach Naturschutzgebiet

Die Aktivisten fordern, den 45 Hektar großen Wald zum Naturschutzgebiet zu erklären. Sie misstrauen dem Versprechen von Umwelt- und Wirtschaftsbehörde, auf die Abholzung der Bäume in den nächsten Jahren zu verzichten. Die HPA hat unterdessen in den vergangenen Tagen zusätzliche Schilder rund um den Vollhöfner Wald aufgestellt. Demnach darf die Fläche nicht mehr betreten werden. Die Hafenverwaltung will in den kommenden Tagen zudem die Reste des Camps aufräumen – wer die Kosten dafür trägt ist offen.

Areal für Hafenerweiterung

Der Vollhöfner Wald in Altenwerder ist offiziell Teil des Hafenerweiterungsgebiets. Im Februar dieses Jahres hatte es laut Hafenverwaltung Hamburg Port Authority Baugrunderkundungen gegeben, um die künftige Planung zur Erschließung von Gewerbeflächen voranzubringen. Weitere Maßnahmen sind demnach aktuell jedoch nicht vorgesehen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.10.2019 | 17:00 Uhr

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