Stand: 16.02.2020 16:28 Uhr

Avatare gehen für krebskranke Kinder zur Schule

Ein Jugendlicher sitzt im Krankenhaus an einem Tisch mit einem Tablet. Mithilfe der Übertragung eines Roboters kann er am Schulunterricht teilnehmen.
Ein paar Kilometer von seiner Schule entfernt nimmt Lasse am Unterricht teil. Roboter Karlsson steht im Klassenzimmer, Lasse steuert ihn mit seinem Tablet.

Karlsson ist ein etwa 30 Zentimeter großer Roboter. Eine Art Stellvertreter, ein sogenannter Avatar, der Augen, Ohren und Stimme für Lasse ist. Der 16-jährige Lasse ist seit einem Jahr wegen einer Krebserkrankung in der Kinderklinik des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Mithilfe des Roboters Karlsson kann er seit einigen Monaten wieder am Unterricht an seiner Schule, dem Gymnasium Altona, teilnehmen.

Avatar wird per Tablet gesteuert

Den Roboter bedient Lasse über ein Tablet. "Ich habe auch hier verschiedene Funktionen, womit ich meinen Klassenkameraden ein bisschen signalisieren kann, was ich will", sagt er. Durch einfache Handbewegungen auf dem Tablet kann Lasse zum Beispiel den Kopf des Roboters drehen und er kann auch signalisieren, wenn er etwas sagen möchte. "Dass es mit so einem Roboter überhaupt möglich ist, dass ich mit meinen Freunden und Klassenkameraden an einer Gruppenarbeit aktiv teilnehmen kann, finde ich super."

Karlsson verbindet die Kinder wieder

"Für die Schüler und mich war es etwas ganz normales" erzählt Lasses Lehrerin Anja von Seth. Karlsson hat Lasse und seiner Mitschülerinnen und Mitschüler vom ersten Moment an wieder zusammengebracht. "Als wir den Avatar hatten, kamen die wieder ins Gespräch und haben auch wieder angefangen, sich in den sozialen Netzwerken zu unterhalten. Und das hat ganz viel Angst abgebaut", sagt von Seth.

Ein Schulalltag dank Avatar

"Es entwickelt sich so ein Alltag, ein Schulalltag", sagt Lasse über seinen Karlsson "Ich mache mein Tablet an, ich verbinde mich und ich denke, das hilft auch anderen Kindern und nicht nur mir." Auch am UKE wird das Projekt geschätzt. "Das ist die Möglichkeit für Kinder mit onkologischen oder anderen chronischen Erkrankungen Teil ihrer Klasse zu bleiben und nicht plötzlich nicht mehr da zu sein", sagt Beate Winkler, Oberärztin der Onkologie im UKE.

Eine Lehrerin steht vor einer Tafel, ein Mini-Roboter steht vor ihr auf dem Tisch. Mithilfe der Übertragung durch den Roboter können Kinder aus dem Krankenhaus heraus am Schulunterricht teilnehmen.
Avatar Karlsson im Unterricht: Auch Lasses Lehrerin ist von dem Projekt begeistert.

Die Schulleitungen müssen dem Einsatz des Roboters aus Datenschutz-Gründen zustimmen. "Man kann nur von diesem einen Tablet mit Karlsson kommunizieren, ein Eingriff von draußen ist nicht möglich", sagt Holger Iversen von der Fördergemeinschaft Kinderkrebs-Zentrum Hamburg.

Schulbehörde will dem Projekt helfen

Bislang sind in der Kinderklinik des UKE drei solcher Mini-Roboter im Einsatz, die vom norwegischen Hersteller für 3.000 Euro im Jahr angemietet werden. Das Projekt wird durch Spenden finanziert. Nun will die Hamburger Schulbehörde weitere zehn Roboter finanzieren. Ab April will Lasse wieder damit beginnen, am Unterricht teilzunehmen - ganz real.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 14.02.2020 | 19:30 Uhr

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