Stand: 13.11.2018 16:33 Uhr

Terror-Prozess: Fünfeinhalb Jahre Haft gefordert

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Der Angeklagte hatte die Vorwürfe am Ende der Beweisaufnahme bestritten.

Wegen Vorbereitung eines islamistischen Terroranschlags soll der vor einem Jahr in Schwerin festgenommene Syrer Yamen A. nach dem Willen der Bundesanwaltschaft für fünfeinhalb Jahre ins Gefängnis. Der Prozess vor dem Staatsschutzsenat am Oberlandesgericht in Hamburg habe die Vorwürfe der Anklage in vollem Umfang bestätigt, erklärten die beiden Staatsanwältinnen am Dienstag. Der 20-jährige Flüchtling habe sich der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat schuldig gemacht. Das Plädoyer der Verteidigung wird für die kommende Woche erwartet.

Anklage: 20-Jähriger wollte mehr als 200 "Ungläubige" treffen

Der 20 Jahre alte Syrer war am 31. Oktober vergangenen Jahres in Schwerin festgenommen worden. Laut Anklage soll er einen islamistisch motivierten Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant haben. Yamen A. habe mit einer Autobombe mehr als 200 Menschen töten oder verletzen und die "Ungläubigen" hart treffen wollen, hieß es im Plädoyer. "Der Angeklagte ging äußerst planmäßig und umsichtig bei der Umsetzung seines Vorhabens vor", sagte eine der Anklagevertreterinnen. Wann genau sich Yamen A. radikalisiert habe, sei unklar. Er sei 2015 nach Deutschland gekommen und habe in Schwerin regelmäßig die Moschee besucht. Über das Internet habe er sich intensiv mit dem islamischen Glauben und der Propaganda des Islamischen Staates beschäftigt.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Der Angeklagte hatte sich erst ganz zum Ende der Beweisaufnahme zu den Vorwürfen geäußert und bestritten, einen Anschlag in Deutschland oder anderswo geplant zu haben. Zwar habe er einmal mit Sprengstoff in seiner Schweriner Wohnung experimentiert. Doch das habe er nur gemacht, weil er an der Seite der Rebellen in Syrien gegen Machthaber Baschar al-Assad kämpfen wollte. Die Vertreterinnen der Bundesanwaltschaft sagten, diese Darstellung sei widerlegt. Protokolle der Telefonüberwachung, Chatverläufe, Zeugenaussagen und die Ergebnisse der Wohnungsdurchsuchung hätten die Vorwürfe der Anklage belegt. In Chats mit Personen in arabischen Ländern habe er vor seiner Verhaftung mehrfach um Anleitungen zum Bau von Bomben und Zündern gebeten und diese auch bekommen. Mindestens fünf Mal habe er versucht, Sprengstoff herzustellen. Yamen A. habe auch Kampfkleidung, Sturmhauben und ein Messer besorgt und zusammen mit Freunden ein Video aufgenommen.

Das Urteil in dem Prozess könnte am 23. oder 30. November verkündet werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.11.2018 | 17:00 Uhr

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