Stand: 12.06.2019 16:40 Uhr

Pro und Kontra: Die Union und die K-Frage

Kaum etwas wird in Parteien so gerne unterm Deckel gehalten wie die K-Frage, solange sie noch im Schwange ist. Braucht es eine Personaldebatte zum jetzigen Zeitpunkt oder ist das unnötig? Hintergrund ist die Frage, wer Kanzlerin und Ex-Parteichefin der CDU Angela Merkel ablösen wird. Ist es ihre Nachfolgerin an der Parteispitze Annegret Kramp-Karrenbauer? Oder positionieren sich im Hintergrund schon andere Kandidaten? Und sollte darüber öffentlich diskutiert werden?

Die beiden Korrespondenten Uwe Lueb und Evi Seibert aus dem ARD-Hauptstadtstudio sind unterschiedlicher Ansicht über diese Frage.

Pro

Bild vergrößern
ARD-Korrespondenten Uwe Lueb befürwortet, dass die CDU schnell offenlegt, wen sie als Kanzlerkandidaten ins Rennen schickt.

"Die Menschen wollen wissen, mit wem sie es zu tun bekommen", meint Uwe Lueb.

Monatelang rumgeheimnissen und mit großem Pomp dann irgendwann eine Kanzlerkandidatin, einen Kandidaten präsentieren - so war es immer. Es wäre gut, das mal zu durchbrechen. Die Menschen wollen wissen, mit wem sie es zu tun bekommen.

Aus Umfragen ist schon lange bekannt, dass viele ihre Wahlentscheidung am Spitzenpersonal festmachen. Wenn Parteien was anderes behaupten, ist das falsch. Nicht von ungefähr richten sie nämlich ihre Wahlkämpfe auf Spitzenkandidaten aus.

Wer ins Kanzleramt einzieht, hat Macht. Sie oder er gibt die politische Richtung vor. So viele Signale die CDU und übrigens auch die anderen Parteien gerade senden, wer das für sie sein könnte, so unklar ist damit, wofür sie stehen wollen.

Umso besser wäre es für uns Wählerinnen und Wähler, unsere nächste Kanzlerin oder unseren nächsten Kanzler nicht nur im Wahlkampf zu erleben, sondern sich möglichst früh und über einen längeren Zeitraum ein Bild machen zu können. Klarheit hat Politik schon immer gut getan - daher bitte möglichst rasch auch in Personalfragen.

Kontra

Bild vergrößern
Inhalte sollten mehr im Vordergrund stehen als Personalien, meint Evi Seibert aus dem ARD-Hauptstadtstudio.

"Diskussionen um Postenschieberei fördern Politikverdruss", meint Evi Seibert.

Klar ist es wichtig, wer sich als Kanzlerin oder Kanzler bewirbt. Menschen wählen sehr häufig Personen und nicht Parteiprogramme. Trotzdem möchten sie, dass diese Spitzenpolitiker dann arbeiten, Dinge umsetzen, das Land voranbringen. Diese nicht endenden Diskussionen ums Personalkarussell, wer was wo werden will, die vermitteln genau den gegenteiligen Eindruck. Dass nämlich "die da in Berlin" an nichts anderes denken als an Postenschieberei. Das fördert Politikverdruss.

Dass in den letzten Tagen viele Gesetze und gute Initiativen von Ministern der Großen Koalition vorgestellt wurden, geht dabei völlig unter. SPD und Union haben sich zusammengerauft bei der Pflege, bei der Einwanderung und der Abschiebung, bei Bildungsabschlüssen - lauter Themen, die unseren Alltag wesentlich stärker betreffen als die Frage, ob jetzt Annegret Kramp-Karrenbauer vielleicht eine gute Kanzlerkandidatin wäre.

Das hat übrigens auch was mit uns, den Medien selbst zu tun. Wenn es in Interviews um nichts anders mehr geht, als wer mit wem in welcher Partei die Strippen zieht, dann erweckt das genau diesen fatalen Eindruck. Inhalte sind vielleicht nicht so sexy wie "House of cards"-Posten-Killer, aber mal ein bisschen mehr Substanz und weniger künstlicher Durchlauferhitzer wären jetzt wirklich angesagt.

Weitere Informationen
NDR Info

Die NDR Info Kommentare

NDR Info

Redakteure und Korrespondenten äußern auf NDR Info regelmäßig ihre Meinung zu aktuellen Themen und Sachverhalten. Stimmen Sie zu? Sind Sie anderer Meinung? Schreiben Sie uns! mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 12.06.2019 | 17:08 Uhr

Mehr Nachrichten

02:16
Hallo Niedersachsen
02:02
Hamburg Journal
02:50
Hallo Niedersachsen