Stand: 10.10.2019 10:46 Uhr

Polizei verstärkt Schutz für Synagogen im Norden

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Nach den Ereignissen in Halle (Saale) bewachen Polizisten verstärkt viele Synagogen im Norden - wie hier in Hamburg-Eimsbüttel.

Nach den tödlichen Schüssen von Halle (Saale) hat die Polizei den Schutz für Synagogen in Norddeutschland verstärkt. Dies gilt unter anderem für Synagogen in Hamburg. Neben dem üblichen Wachhäuschen war am Mittwochnachmittag im Stadtteil Eimsbüttel auch ein Streifenwagen vor dem jüdischen Gotteshaus positioniert. Ein Beamter bestätigte der Deutschen Presse-Agentur den verstärkten Schutz. Es seien zusätzliche Beamte im Umfeld der Synagoge verdeckt im Einsatz. Wie ein Sprecher der Bundespolizei sagte, ist die Präsenz der Sicherheitskräfte in den Hamburger Bahnhöfen erhöht worden. Die Einsatzlage am Hamburger Flughafen habe sich bisher nicht verändert.

Gedenkfeier nach Attacke auf jüdische gemeinde.

Niedersachsen reagiert auf Anschlag von Halle

Hallo Niedersachsen -

Nach den tödlichen Schüssen von Halle (Saale) hat die Polizei den Schutz für jüdische Einrichtungen verstärkt. In Hannover fand eine spontane Solidaritätskundgebung statt.

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Fürst: "Fühle mich durchaus sicher in diesem Land"

Nach den tödlichen Schüssen in Halle werden auch in Niedersachsen jüdische Institutionen stärker bewacht. NDR 1 Niedersachsen sprach mit Michael Fürst vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden. mehr

Mehr Schutz auch in Hannover

Auch in Hannover hat die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen für jüdische Gemeinden ausgeweitet. "Auch wenn mir für Niedersachsen aktuell keine konkreten Bedrohungen gegenüber jüdischen Einrichtungen bekannt sind, haben wir unsere Sicherheitsmaßnahmen umgehend nochmals intensiviert", sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Mittwoch. Er verabscheue den Angriff auf die Synagoge in Halle. "Gerade am heutigen Tag des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur, an dem Versöhnung gefeiert wird, ist dies ein besonders perfider Angriff auf unsere gesamte Gesellschaft." Niedersachsen werde die Polizei in Sachsen-Anhalt bei der Suche nach den Tätern unterstützen, teilte der Minister mit.

Mahnwache in Rostock

In Mecklenburg-Vorpommern teilte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) mit, dass die jüdischen Einrichtungen im Land bis auf Weiteres "intensiver bestreift" werden. Die beiden jüdischen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern haben ihre zentralen Orte und Synagogen in Rostock und Schwerin. Besonderes Augenmerk der Polizei gilt in Rostock auch dem Max-Samuel-Haus, das sich mit der jüdischen Geschichte der Hansestadt auseinandersetzt. Landesweit kontrollieren Polizeistreifen auch die jüdischen Friedhöfe.

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An verschiedenen Orten in Deutschland wie hier in Rostock kamen Menschen für Mahnwachen zusammen.

In Rostock versammelten sich am Abend etwa 50 Menschen zu einer Mahnwache vor der Synagoge der Stadt. Der Gemeinde-Vorsitzende Juri Rosov sagte, er sei dankbar für diese Solidarität. Die Gemeinden von Rostock und Halle seien sehr eng miteinander verbunden.

Gemeinden in SH wollen Sicherheit neu bewerten

In Schleswig-Holstein sieht die Polizei keine konkrete Gefahr für die Synagogen beispielsweise in Rendsburg oder Lübeck. Die jüdischen Einrichtungen im Land seien generell polizeilich besonders geschützt, sagte eine LKA-Sprecherin auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein.

Der Vorsitzende des Landesverbands der jüdischen Gemeinden in Schleswig Holstein, Walter Blender, fordert im Namen des Verbandes eine neue Sicherheitseinschätzung der Behörden: "Man hätte nie gedacht, dass ein Anschlag in Halle passiert. Und das dachten wir auch von Schleswig-Holstein. Das muss man vielleicht neu bewerten." Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Bad Segeberg hätten am Mittwoch aus Angst die Gottesdienste verlassen, erzählt Blender. Bisher habe man nicht immer darauf geachtet die Türen der Synagogen zu verschließen; da müsse man jetzt umdenken.

Gemeinde verbarrikadiert sich in Synagoge

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Nach den tödlichen Schüssen sichern Polizisten in Halle (Saale) die Umgebung der Synagoge.

In Halle hatte ein schwer bewaffneter Angreifer vergeblich versucht, in eine Synagoge einzudringen. Er erschoss zwei Menschen in der Nähe der Synagoge. In der Synagoge habe die Gemeinde gerade den höchsten jüdischen Feiertag, Jom Kippur, gefeiert, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Halle, Max Privorozki. Die Menschen seien geschockt gewesen. "Wir haben die Türen von innen verbarrikadiert und auf die Polizei gewartet." Zum Zeitpunkt der tödlichen Schüsse sei das jüdische Gotteshaus voll besetzt gewesen, sagte Privorotzki dem "Spiegel". Es seien 70 bis 80 Menschen in der Synagoge gewesen. Inzwischen wurde der mutmaßliche Täter festgenommen. Nach ARD-Informationen handelt es sich um den 27-jährigen Neonazi Stephan B. aus Eisleben.

Tagesschau.de
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Angriff in Halle: Was wir über den Anschlag wissen

Zwei Tote, zwei Schwerverletzte und ein wahrscheinlich knapp gescheitertes Blutbad in Halles Synagoge: Inzwischen wird klarer, was passierte. Doch vieles liegt noch im Dunklen. Ein Überblick bei tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 09.10.2019 | 16:00 Uhr