Stand: 29.07.2019 10:54 Uhr

"Umweltverschmutzer müssen endlich zahlen!"

Die Menschheit strapaziert die ökologischen Belastungsgrenzen der Erde immer mehr, sodass laut Berechnungen von Forschern bereits sämtliche Ressourcen und Puffer aufgebraucht sind, die der Planet im Jahr 2019 auf natürlichem Wege ersetzen könnte. Umweltschützer erklärten den 29. Juli 2019 zum sogenannten Erdüberlastungs- oder auch Welterschöpfungstag.

Ein Kommentar von Verena Gonsch, NDR Info

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Verena Gonsch plädiert für eine sozialverträgliche CO2-Steuer.

Die Erde ist überlastet, dafür brauchen wir in diesem Jahr wahrlich keinen speziellen Tag. Die Beweise sind erdrückend: Hitzerekorde, Artensterben, erschöpfte Wälder. Kein Tag vergeht ohne schlechte, alarmierende Nachrichten. Die einzige Frage, die bleibt: Warum tun wir nichts?

Warum steigt der CO2-Ausstoß unvermindert an? Warum fliegen immer mehr statt weniger Menschen? Warum kaufen sich immer mehr einen SUV? Warum entscheiden wir uns gegen ein Tempolimit?

Warum nicht einfach "Augen zu und durch"?

Lukas Köhler FDP spricht im Bundestag © picture alliance / Kay Nietfeld / dpa Foto: Kay Nietfeld

FDP-Politiker Köhler lehnt CO2-Steuer ab

NDR Info - Aktuell -

Der umwelt- und klimapolitische Sprecher der FDP, Lukas Köhler, lehnt eine CO2-Steuer als "klimapolitisches Glücksspiel" ab. Das sagte er im Interview auf NDR Info.

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Ja, die Bedenkenträger haben recht: Der Klimawandel ist ein sehr umfangreiches Problem. Mit einer Biotonne im Garten und Fahrradfahren am Wochenende ist es nicht getan. Es gibt viel größere Sünder; Länder, die weit mehr CO2 in die Luft pusten. Ja, auch das stimmt, obwohl wir schon relativ weit oben in der Liga mitspielen. Und ja, auch wenn wir jetzt auf ganz viel verzichten, werden wir den Prozess der Erwärmung nicht sofort aufhalten können.

Also, warum nicht einfach "Augen zu und durch"? Warum ergeben wir uns nicht dem Fatalismus und überlassen den Klimawandel den Wissenschaftlern und genießen unser Leben? Machen Kreuzfahrten, fliegen fürs Wochenende in eine interessante europäische Stadt, buchen Thailand im Winter und schaffen uns den Zweitwagen an, möglichst einen mit ordentlich viel PS. Nach uns die Sintflut!

Jüngere Generationen müssen Klimawandel ausbaden

Für alle über 50 Jahre ist das sicherlich eine interessante Strategie. Für alle, die jünger sind oder die, die Kinder oder Enkel haben, ist es keine wirkliche Option. Denn ausbaden werden das die Generationen, die folgen. Insofern ist der Schlachtruf von "Fridays for Future" - "Es ist unsere Zukunft!" - schon sehr überzeugend. Fatalismus ist in diesem Fall keine Lösung. Ein veränderter Lebensstil einiger weniger auch nicht.

CO2-Steuer kann Impuls für nachhaltiges Verhalten sein

Die Politik muss handeln - und zwar nicht wie bisher mit der Gießkanne, sondern in einem Guss. Das Leitpapier der Leopoldina, das einige der bedeutendsten Wissenschaftler in Deutschland in dem Bereich geschrieben haben, zeigt den Weg auf: Wer die Umwelt verschmutzt, muss endlich einen Preis zahlen. Wir brauchen eine sozialverträgliche CO2-Steuer, die Fliegen und Autofahren, den Verbrauch von Kohle, Öl und Gas teurer macht.

Die CO2-Steuer kann ein Impuls sein für ein nachhaltiges Verhalten bei den Verbrauchern und in der Wirtschaft. Flankiert werden muss es von der finanziellen Unterstützung der Bahn, Gebäudedämmung, Waldaufforstung, E-Autos und dem massiven Ausbau von Radwegen. All dies und noch viel mehr.

Erdüberlastungstag zeigt: Zeit ist reif für einen Umbau

Was wir tun müssen, wissen wir seit Jahren. Die Zeit für solch einen Umbau ist reif: Es sind momentan sehr viele, die die Geduld verlieren. Die Jugendlichen, die sich bei "Fridays for Future" engagieren, die Eltern dieser Kinder, die Wissenschaftler, die sich lange aus der Politik herausgehalten haben, die Kommunen, die ihre Städte gegen die Hitze und den Wassermangel rüsten müssen, und die Wirtschaft, die auf technologische Innovationen drängt.

Am 20. September legt das Klimakabinett seine Vorschläge für eine mögliche CO2-Steuer vor. Eine gute Gelegenheit, um ein Zeichen zu setzen. Vielleicht feiern wir diesen Tag dann in Zukunft als "Tag der Klimawende".

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NDR Info | Kommentar | 29.07.2019 | 08:08 Uhr

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