Stand: 07.08.2019 17:55 Uhr

Höhere Steuer auf Fleisch? Zu kurz gedacht!

Angesichts von Billigpreisen in vielen Supermärkten werden Rufe nach höheren Steuern auf Fleisch laut, um mehr in bessere Ställe zu investieren. Nach Tierschützern zeigten sich mehrere Agrarpolitiker offen dafür. Bisher wird Fleisch wie die meisten Lebensmittel nur mit 7 Prozent statt den üblichen 19 Prozent besteuert. Eine höhere Besteuerung hatte der Deutsche Tierschutzbund wieder ins Gespräch gebracht.

Ein Kommentar von Birgit Schmeitzner, Korrspondentin im ARD-Hauptstadtstudio Berlin

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Birgit Schmeitzner hält nicht viel von der Idee, die Mehrwertsteuer auf Fleisch zu erhöhen.

Die Mehrwertsteuer auf Fleisch zu erhöhen, das klingt so schön einfach. Zu einfach, um wahr zu sein oder um wirklich etwas zu bringen. Natürlich kann man den Verbraucher zur Kasse bitten. Man kann hoffen, dass sich mit den zusätzlichen Einnahmen etwas gegen Massentierhaltung mit den teils skandalösen Zuständen tun lässt. Und dass das zugleich auch noch die Klimabilanz etwas aufhübscht. Aber das wird nicht funktionieren. Nicht nur, weil es die Last den Verbrauchern aufbürdet und Erzeuger sowie Lebensmitteleinzelhandel außen vorlässt. Sondern: Weil man hier nur an einer kleinen Stellschraube in einem großen System drehen würde, man also viel zu weit unten ansetzt.

Martin Göpp von der "Fleischerei Martin Göpp" steht in seinem Laden hinter der Fleisch- und Wursttheke. © NDR Foto: Alexandra Bauer

Wie teuer darf Fleisch sein?

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Soll Fleisch statt mit 7 zukünftig mit 19 Prozent Mehrwertsteuer verkauft werden? NDR Info hat sich bei Hamburger Fleischkonsumenten und -herstellern umgehört.

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Steuererhöhung hilft keinem

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Höhere Fleischsteuer: Gegenwind aus dem Norden

Höhere Steuern auf Fleisch für mehr Tierwohl: Agrarexperten und Politiker im Norden stehen dem Vorschlag mehrheitlich skeptisch gegenüber. Grünen-Chef Habeck widerspricht der eigenen Partei. mehr

Keine Frage: Fleisch zum Dumping-Preis ist fatal. Ein Schweineschnitzel oder ein Putensteak für 80 Cent spiegeln kaum die realen Erzeugerkosten wider und die ökologischen Folgekosten schon gar nicht. Die viele Gülle, die unser Grundwasser verseucht, macht unser Trinkwasser teurer, nicht das Schnitzel. Das Billigfleisch hat auch nichts damit zu tun, dass das Tier, aus dessen Rippen es geschnitten wurde, ein schönes Leben hatte. Und auch die Bauern machen nicht den großen Reibach damit. Ganz im Gegenteil. Eine höhere Mehrwertsteuer würde das, was ohnehin schon billig ist, kaum teurer machen. Sie würde Bio-Ware und regionale Produkte, die schon jetzt spürbar mehr kosten, noch verteuern. Diese Produkte würden es also am Markt schwerer haben. Die Gewinnmargen für Bauern würden wohl nicht steigen.

Und eine höhere Mehrwertsteuer würde auch den Bauern nicht helfen, die schon jetzt ihre Tierhaltung gern umbauen würden - wenn es nicht so kompliziert wäre, das auch genehmigt zu bekommen. Die Mehrwertsteuer auf Fleisch erhöhen - das ist Herumdoktern am Detail, ohne das große Ganze zu sehen. Das große Ganze ist in diesem Fall die Agrarpolitik der Europäischen Union, die gerade wieder reformiert werden soll.

EU muss Nachhaltigkeit fördern

Sechs Milliarden Euro fließen jedes Jahr aus dem Europa-Topf nach Deutschland. Geld, das wir Steuerzahler erwirtschaften. Doch was damit subventioniert wird, ist eben nicht die nachhaltige Landwirtschaft. Wer viele Hektar hat, der bekommt viel. Und das ist ein Fehler im System. Die Politik müsste kleinere und mittlere Betriebe belohnen, nicht die Industrieanlagen. Sie müsste strengere Vorgaben machen, wie viele Kühe, Schafe, Schweine pro Hektar gehalten werden dürfen. Sie müsste auch viel stärker als bisher umweltbewahrende Bewirtschaftung belohnen. Die Folge wäre: weniger Fleisch.

Bei gleichbleibender Nachfrage wäre auch dieses Fleisch dann teurer, aber eben nicht von vornherein subventioniert. Nötig wäre also ein Systemwechsel. Und der ist, anders als eine Mehrwertsteuer-Erhöhung, eben nicht einfach. Ein steiniger Weg, der politischen Mut und vor allem Weitblick erfordert.

Mettbrötchen © Colourbox Foto: Maren Winter

Foodwatch: "Fleischsteuer" ist "Luftnummer"

NDR Info - Aktuell -

Geld für Tierwohl allein durch höhere Steuern helfe nicht. Man müsse wissen, wofür man es ausgibt, so Verbraucherschützer Matthias Wolfschmidt von Foodwatch auf NDR Info.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 07.08.2019 | 18:30 Uhr

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