Stand: 22.05.2019 16:20 Uhr

Der Problemwolf bleibt weiter bissig

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat einen Gesetzentwurf zum erleichterten Abschuss von Wölfen vorgestellt, den das Kabinett in Berlin billigte. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) begrüßte auf NDR Info die geplanten Neuregelungen, der Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) gehen sie noch nicht weit genug.

Ein Kommentar von Kersten Mügge, NDR Info

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Die Einigung der Großen Koalition zum leichteren Abschuss von Wölfen wirke eher wie eine Politik-Simulation, meint Kersten Mügge.

Erinnern Sie sich noch an den Bären "Bruno"? Der war - um mit dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zu sprechen - kein "sich normal verhaltender Bär", der "allerhöchstens ein oder zwei Mal im Jahr ein Schaf reißt". "Bruno" war ein Problembär, eine Gefahr für die Menschen.

Weil viele den Abschuss von "Bruno" vor fast 13 Jahren als überzogen empfunden haben, war "Bruno" auch ein politischer Problembär. Heute laufen Problemwölfe durch unsere Wälder - reale und politische. Gegen deren Abschuss scheinen nur noch eingefleischte Naturschützer etwas einzuwenden zu haben.

Olaf Lies, Umweltminister in Niedersachsen, spricht bei einer Pressekonferenz zum Küsten- und Hochwasserschutz. © dpa Foto: Christophe Gateau

Lies befürwortet einfacheren Wolfsabschuss

NDR Info - Aktuell -

Niedersachsens Umweltminister Lies begrüßt die neuen rechtlichen Regelungen zum einfacheren Abschuss von Wölfen. Sie seien zugleich aber auch ein Kompromiss, sagte er auf NDR Info.

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Politik reagierte lange eigenartig unentschieden

Seit Jahren wird die Wiederausbreitung der Wölfe in Deutschland mit amtlicher Präzision erfasst. 73 Rudel, 30 Paare und drei Einzeltiere gibt es laut aktuellem Wolfsmonitoring. Weil ihre Zahl wächst, wächst auch die Zahl der Tierrisse.

Trotz dieser Präzision in der Wolfsbeobachtung reagierten die zuständigen Politiker in den Umweltministerien bislang auf die Folgen der Wolfsrückkehr eigenartig unentschieden. Erst jetzt, kurz vor Kommunalwahlen in den Wolfs-Ländern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen, kann sich die Große Koalition auf neue Regeln einigen.

Anblick totgebissener Schafe verfehlt seine Wirkung nicht

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Die scheinen nötig. Zwar werden Schäden durch Wolfsrisse schon seit Jahren entschädigt und die Anschaffung von Schutzzäunen großzügig gefördert, trotzdem wurde der politische Problemwolf über die Jahre immer bissiger. Die Diskussion über das sagenumwobene Raubtier erinnert in Rhetorik und Wortwahl bisweilen an die Flüchtlingsdebatte der vergangenen Jahre. Von Obergrenzen reden Jagdverbände, von einer unkontrollierten Population Politiker verschiedener Parteien, ebenso von wolfsfreien Zonen.

Der Anblick totgebissener Schafe ist grausam, keine Frage. Und er verfehlt seine Wirkung nicht. Die Assoziation, dass Beamte mit dem Naturschutzrecht unter dem Arm, in den Büros der Ministerien, in den vor Wölfen sicheren Großstädten, sich in erster Linie über die Wiederansiedlung der Tiere freuen und den Schutz der ländlichen Gebiete vernachlässigen, hat sich schnell etabliert. Dem Eindruck haben auch die Abschussgenehmigungen für amtlich anerkannte Problemwölfe - euphemistisch als Entnahme bezeichnet - nicht entgegenwirken können.

Der Wolf bleibt gut geschützt

Der Schritt war auch in der Sache wirkungslos. Die gezielte Tötung eines einzelnen Tiers scheint zu kompliziert, die zum Abschuss freigegebenen Problemwölfe in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen laufen weiter durch Wald und Flur. Jetzt soll auf Rudel angelegt werden dürfen, die größere Schäden verursachen - und zwar so lange, bis sie keine Schäden mehr anrichten.

Das erscheint in der Sache akzeptabel, denn der Wolf bleibt gut geschützt. Schließlich muss jeder einzelne Abschuss weiterhin abgewogen und genehmigt werden. Vermutlich werden aufgrund dieses Kompromisses nicht allzu viele Wölfe getötet. So wirkt die Einigung der Großen Koalition in Berlin jetzt vor den Wahlen eher wie eine Politik-Simulation. Die Debatte um den Wolf wird sich nicht dauerhaft beruhigen. Der politische Problemwolf wird bissig bleiben.

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NDR Info | Kommentar | 22.05.2019 | 17:08 Uhr

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