Stand: 16.02.2018 11:48 Uhr

Konstruktiver Journalismus steht im Fokus

von Charlotte Horn, NDR Info
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An der Fachkonferenz nahmen etwa 100 Journalisten teil.

NDR Info hat am Donnerstag gemeinsam mit dem Studiengang Digital Journalism der Hamburg Media School (HMS) den deutschlandweit ersten "Constructive Journalism Day" veranstaltet. Auf der eintägigen Fachkonferenz auf dem NDR Gelände in Hamburg-Rotherbaum diskutierten internationale Experten und etwa 100 Journalisten über einen der spannendsten internationalen Medientrends.

Konstruktiver Journalismus setzt darauf, nicht allein auf Krisen, Katastrophen und Konflikte zu blicken, sondern auch auf mögliche Fortschritte und Lösungen.

Am Vormittag folgten die Gäste der von NDR Info Politik- und Aktuell-Chef Adrian Feuerbacher moderierten Vortragsreihe. Es referierten die BBC-Journalistin Elizabeth Davies, NDR Hörfunk-Chefredakteurin Claudia Spiewak sowie Jochen Wegner, Chefredakteur von Zeit Online.

Videos und Audios vom Constructive Journalism Day
154:23
NDR Info

"Constructive Journalism Day" (Teil 1)

15.02.2018 10:00 Uhr
NDR Info
56:34
NDR Info

"Constructive Journalism Day" (Teil 2)

15.02.2018 16:30 Uhr
NDR Info
03:17
NDR Info

Das BBC-Projekt "Worldhacks"

Von London aus verändert die kleine Redaktion "Worldhacks" seit mehr als einem Jahr die Berichterstattung des BBC World Service. Die Journalisten der "Worldhacks" rücken in ihrer Berichterstattung Lösungsvorschläge in den Mittelpunkt und gehen damit weit über die reine Schilderung der Probleme hinaus, die den Hörer und Zuschauer nur mit der Misere konfrontiert.

Auch bei diesem konstruktiven Ansatz gelten dieselben journalistischen Regeln wie zum Beispiel kritische Distanz, sagt Elizabeth Davies von der BBC.

"NDR Info Perspektiven" suchen nach Lösungsansätzen

Auch NDR Info berichtet in der Rubrik "NDR Info Perspektiven" seit mehr als einem Jahr über Menschen, die Ideen für die Lösung gesellschaftlicher Schieflagen wie Altersarmut, Landflucht oder gegen Umweltverschmutzung haben.

NDR Info Programmchefin Claudia Spiewak zog auf der Konferenz eine positive Zwischenbilanz. Der neue Ansatz habe die Redaktion zum Umdenken angeregt - auch in Bezug auf eine breitere Themenauswahl. "Wir gehen, das ist aus meiner Sicht das Wichtigste, immer wieder den zweiten Schritt. Wir stellen uns häufiger als früher die Frage: Gibt es dafür bereits eine Lösung? Wir erfinden sie nicht selbst, aber wir denken weiter." Die Rubrik habe sehr viel positive Resonanz von Hörerinnen und Hörern bekommen.

Zeit Online: Mehr Kontakt zu Lesern und Nicht-Lesern

Auch die Redaktion von Zeit Online verfolgt die Idee des "Constructive Journalism". Bei einem Projekt hat sie Menschen unterschiedlicher politischer Richtungen zusammengebracht, bei einem anderen hat sie ein Festival organisiert für 20-Jährige - mit besonderen Ideen.

Durch diese Experimente habe die Redaktion viel mehr Kontakt zu Lesern und Nicht-Lesern, sagte der Chefredakteur von Zeit Online, Jochen Wegner. Die Kritik, dass konstruktiver Journalismus nur die positiven Geschichten ins Blickfeld nehme, weist Wegner zurück. Journalisten dürften nicht zu Aktivisten werden.

Jüngere Zielgruppen sollen besser erreicht werden

Professor Stephan Weichert, Studiengangleiter "Digital Journalism" von der Hamburg Media School, führte bei der Veranstaltung die Ergebnisse einer Studie unter Millenials vor. Mit dem konstruktiven Journalismus geht auch die Hoffnung einher, die jüngeren Zielgruppen besser zu erreichen: "Wir stellen fest, dass sich gerade junge Zielgruppen immer stärker von klassischen Medien abwenden und dass die Welt, die in den Medien gezeichnet wird, insgesamt als sehr krisenfixiert und negativ wahrgenommen wird."

Workshops und Schluss-Vortrag

In anschließenden Workshops konnten sich die Konferenz-Teilnehmer mit Kolleginnen und Kollegen von NDR Info ("NDR Info Perspektiven"), ZEIT Online und dem BBC World Service austauschen.

Zum Abschluss der Fachtagung kam der Däne Ulrik Haagerup zu Wort. Er gilt als Vordenker und Begründer des konstruktiven Journalismus und hält diese Form des Journalismus weiterhin für zukunftsweisend: "Der Constructive Journalism ist keine Alternative zu investigativer Recherche oder Breaking News, aber wir sollten uns öfter fragen: Was nun? Und diese Frage beschäftigt sich mit dem Morgen."

Das detaillierte Programm der Fachkonferenz finden Sie hier.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 15.02.2018 | 07:38 Uhr

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