Besucher der DITIB-Moschee in Duisburg-Marxloh besichtigen den Gebetsraum während einer Führung. © picture alliance/dpa Foto: Roland Weihrauch

Tag der Offenen Moschee: "Dauerhaft im Dialog bleiben"

Stand: 03.10.2021 15:55 Uhr

Am Tag der Deutschen Einheit ist immer auch der Tag der Offenen Moschee. In diesem Jahr stand er unter dem Motto "25 Jahre TOM - Moscheen gestern und heute".

Besucher der DITIB-Moschee in Duisburg-Marxloh besichtigen den Gebetsraum während einer Führung. © picture alliance/dpa Foto: Roland Weihrauch
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von Helgard Füchsel

Ein Flachdachbau, eingeschossig, daneben ein Minarett mit Halbmond an der Spitze - das ist die Haci Bayram Moschee in einem Gewerbegebiet in Oldenburg. Hinter der unscheinbaren Fassade geht es durch einen Flur mit Büros in einen großen Gebetsraum. Ornamente und arabische Kalligrafien zieren die Wände. Der Boden ist mit weichem Teppich ausgelegt. Hierhin führt Yakup Castur die Besucher am Tag der Offenen Moschee. Der 46-Jährige kennt die Fragen der Menschen: "Das ist wie in meiner Jugend, jedes Jahr die gleichen Fragen: Wieso isst du kein Schweinefleisch, wieso feierst du kein Weihnachten?

"Es ist bedauerlich, dass man nicht immer vorankommt"

Bis zu 100 Besucher kamen vor der Corona-Pandemie zum Tag der Offenen Moschee in die Haci Bayram Moschee. Der Tag ist der Gemeinde sehr wichtig, sagt der Vorsitzende. Viele Besucher kommen zum ersten Mal und trauen sich überhaupt etwas zu fragen. Grundsätzlich freut er sich darüber. "Mir macht es Spaß. Aber innerlich ist es bedauerlich, dass man nicht immer vorankommt: Man baut ein Haus, dann fallen die Steine um, und man fängt wieder von vorne an. Immer die gleichen Fragen - das ist ein bisschen traurig."

Dabei brennen ihm selbst ganz andere Dinge auf der Seele: "Was können wir gemeinsam bewegen? Wie können wir zusammenarbeiten? Wie können wir zusammen diese Stadt gestalten, miteinander vorankommen, nicht ausgrenzend sein?"

25 Jahre Tag der Offenen Moschee: "Dauerhaft im Dialog bleiben"

Die Haci Bayram Moschee gehört zum türkischen Dachverband DITIB, dem größten in Deutschland. Sechs muslimische Verbände laden zum Tag der Offenen Moschee ein. Darunter der Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ). Pressesprecher Emre Erüstün sieht 25 Jahre Tag der Offenen Moschee als Erfolg: "Wir erhoffen uns, dass wir in diesem Land gemeinsam friedlich miteinander leben können. Dafür ist die notwendige Voraussetzung, dass man sich kennenlernt, dass man die Religion, die für die meisten Muslime ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens ist, auch kennt und dann dauerhaft in einem Dialog bleibt."

Und damit der Dialog nicht abreißt, wünscht sich Emre Erüstün, dass möglichst viele Moscheen des VIKZ am Tag der Offenen Moschee teilnehmen: "Natürlich ist es als Dachverband für uns so, dass wir alle Gemeinden versuchen anzuspornen und zu motivieren. Wir versuchen ihnen auch behilflich zu sein und möchten, dass sie am Tag der Offenen Moschee ihre Türen öffnen. Aber es ist so, dass die Moscheen größtenteils auf ehrenamtlicher Arbeit basieren, und deshalb schafft das nicht jede Moschee."

Moscheen bieten Info-Material und Vorträge an

Maryam Moschee in Oldenburg © NDR
Die Maryam Moschee in Oldenburg bietet in diesem Jahr am der Offenen Moschee einen Vortrag zur Corona-Krise.

Insgesamt sind in Deutschland rund 2.000 Moscheen in Verbänden organisiert. Zusätzlich gibt es noch etwa 400 islamische Gotteshäuser ohne Verband - wie die Maryam Moschee in Oldenburg. Jedes Jahr am 3. Oktober finden einige Besucher ihren Weg in das zentral gelegene ehemalige Wohnhaus an einer Hauptstraße. Die Moschee bietet einen Vortrag zur Corona-Krise, sagt Hisham El-Guernaoui vom Vorstand: "Wie geht der Islam mit solchen Krisen um? Welche Lehren zieht man daraus? Was hat es da in der Geschichte gegeben? Das wollen wir zu einem Thema in diesem Jahr machen."

Durch den Tag der Offenen Moschee erreicht die Gemeinde zwar immer nur ein paar Besucher, aber immerhin bekommen die einen Eindruck, sagt Gründungsmitglied Ahmed Hazzaa: "Sie kommen mit unterschiedlichem Hintergrund - entweder positiv oder negativ. Man muss natürlich mit allen Meinungen umgehen."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Freitagsforum | 01.10.2021 | 15:20 Uhr