Deutsche Islam Konferenz © picture alliance / photothek Foto: Liesa Johannssen

15 Jahre Deutsche Islam Konferenz: Gemischte Bilanz

Stand: 24.09.2021 12:15 Uhr

Die Hoffnungen und Erwartungen an die erste Deutsche Islam Konferenz waren vor 15 Jahren groß, aber auch die Skepsis. Wo steht die Deutsche Islam Konferenz heute? Hat sie sich bewährt?

Deutsche Islam Konferenz © picture alliance / photothek Foto: Liesa Johannssen
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von Ita Niehaus

Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrates der Muslime, nimmt seit vielen Jahren an der Deutschen Islam Konferenz (DIK) teil. Das Dialogforum zwischen Vertretern des deutschen Staates und der hier lebenden Muslimen habe, so Mazyek, einiges als Impulsgeber bewegt. Beim Aufbau der Islamischen Theologie oder der Ausbildung von deutschen Imamen etwa. Auch das Bundesinnenministerium zieht in einer Stellungnahme eine positive Bilanz: "Man redet nicht übereinander, sondern miteinander und schafft so die Grundlage für Zusammenarbeit."

"Wir brauchen heute die Deutsche Islam Konferenz wie nie zuvor"

Der Sozialpädagoge Samy Charchira ist seit 2014 als Experte für Islamische Wohlfahrt bei der DIK dabei. Er sieht durchaus die Erfolge des Dialogforums, seine Bilanz jedoch fällt gemischt aus: "Wir haben uns das alle ein bisschen anders gewünscht noch vor einigen Jahren." Charchira zählt auf: Die muslimische Wohlfahrtspflege, die Seelsorge oder der islamische Religionsunterricht - all diese Projekte seien erheblich ins Stocken geraten. Und die sogenannten Staatsverträge mit den islamischen Verbänden auf Länderebene seien, in Niedersachsen etwa, auf Eis gelegt worden. Vor allem wegen der zu großen Nähe des Moscheeverbandes DITIB zur Türkei. "Wir brauchen heute die Deutsche Islam Konferenz wie nie zuvor, weil das inzwischen eines der letzten großen Dialogformate des Staates ist mit dem Islam, mit den muslimischen Organisationen, dem organisierten Islam, die wir überhaupt noch haben", findet Charchira.

Kein Dialog mit liberalen Gemeinden

Mouhanad Khorchide © picture alliance / dpa Foto: Uwe Zucchi
Mouhanad Khorchide sieht es als großes Defizit, dass liberale Gemeinden in der Islam Konferenz fehlen.

Zusammensetzung und Schwerpunktthemen der DIK änderten sich im Laufe der Jahre. Und es gab immer wieder auch Streit. Über die Frage zum Beispiel, wer für die Muslime in Deutschland sprechen darf. Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie an der Universität Münster, tritt für einen modernen, offenen und dialogbereiten Islam ein. Auch er kritisiert die Zusammensetzung der DIK: "Man spricht weiterhin hauptsächlich nur mit den großen Gemeinden, die ein bestimmtes, eher konservatives Bild des Islam vertreten. Aber das Fehlen der liberalen Gemeinden in der Islam Konferenz auf Augenhöhe, das sehe ich als großes Defizit in der Islam Konferenz."

"Vor allem fehlen die jungen Stimmen"

Aysenur Erden, Vorsitzende der Niedersächsischen Muslimischen Jugendorganisation Young Schura, verfolgt die Arbeit der DIK seit einigen Jahren. Die DIK sei ein elitäres Netzwerktreffen, meint die 26 Jahre alte Soziologin: "Vor allem fehlen mir die jungen Stimmen, junge, weibliche Stimmen bei solchen Veranstaltungen." Die engagierte Muslimin arbeitet als Projektleiterin in der Jugendbildungsarbeit in Hannover. Ihre Erfahrung: Themen wie zum Beispiel die wachsende Islamfeindlichkeit interessieren junge Muslime, nicht aber die Deutsche Islam Konferenz: "Im Normalfall ist das gar kein Thema. Und die Islam Konferenz ist auch in der Jugendarbeit nicht wirklich angekommen und beeinflusst auch nicht die Arbeit."

DIK: Wie geht es nach der Bundestagswahl weiter?

Auch DIK-Teilnehmer Samy Charchira hat festgestellt: Handlungsempfehlungen der Islamkonferenz kommen bisher zu selten an der Basis an: "Der Weg ist, die Debatten in die Länder zu holen, vor allem aber auch in den kommunalen Raum zu führen und dort daran weiterarbeiten. Da sind die Verbände gefordert, Maßnahmen zu ergreifen, aber auch der Staat ist gefragt, das gleiche zu tun."

Die Legislaturperiode geht zu Ende und noch ist offen, wie es mit der DIK nach der Bundestagswahl weitergehen wird. Eines steht jetzt schon fest: Gesprächsstoff gibt es mehr als genug.

Weitere Informationen
Teilnehmer an der Deutsche Islamkonferenz 2015 © imago

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NDR Kultur | Freitagsforum | 24.09.2021 | 15:20 Uhr

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