Inszenierung von "Krabat" vom Jugendclub der plattdeutschen Bühne  am Ohnsorg Theater im Juni 2021 © Ohnsorg Theater/ Oliver Fantitsch Foto:  Oliver Fantitsch

"Krabat"-Premiere am Ohnsorg: das Böse spricht Platt

Stand: 19.06.2021 08:32 Uhr

Mit Begeisterung hat das Publikum am Freitag auf der kleinen Studiobühne des Ohnsorg-Theaters in Hamburg die Premiere des Stücks "Krabat" aufgenommen - mit dem phänomenalen Hauptdarsteller Ben Alm.

von Daniel Kaiser

Der Jugendclub der plattdeutschen Bühne des Ohnsorg Theaters hat das ganze Corona-Jahr über an dieser halb hochdeutschen und halb niederdeutschen Version des Jugendromans von Otfried Preußler gearbeitet. 

"Kraaaaabaaaat!" Mit langsamem Flügelschlag umkreisen die Raben den Jungen und krächzen seinen Namen. Von der ersten Minute an stellt sich auf der schummrig beleuchteten Bühne der Grusel ein, der von dieser uralten, abgründigen Geschichte vom Jungen, der in die Fänge eines satanistischen Müllers gerät, ausgeht.

Talentierter Theaternachwuchs in "Krabat"

Der 15-jährige, spürbar schon bühnenerfahrene Ben Alm, spielt die Titelrolle phänomenal. Wenn er sich ohne Kostüm und nur durch Bewegung von einem Jungen in einen Raben verwandelt, wirkt das so plastisch. Diese Metamorphose soll ihm erstmal ein Erwachsener nachmachen!

Betritt Levin Akcay als teuflischer Müllermeister mit Ledertrenchcoat und Pentagramm über dem rechten Auge die Bühne, weht ein echter Eishauch. Und Iven Schmidt spielt die Todesfigur "Gevatter" so raumgreifend und mit einem Mephisto-Lächeln, als sei er Gründungsmitglied der Gustaf-Gründgens-AG seiner Schule.

Eine Bühne voller unterschiedlicher Typen

Spannend auch, wie körperlich die jungen Leute auftreten - die Zauberkämpfe, die Plackerei in der Mühle und die Ausflüge als verwandelte Raben haben viel Energie. Eine Menge Talent steckt auch in Nikolai Lang, der als Juro seine Tollpatschigkeit als Überlebensstrategie nur vorspielt. In den Gesichtern von Conny Drögemüller (Bente) und Lealice Luckmann (Ocka) spiegelt sich die Angst der Jungen und Mädchen vor der Strafe des teuflischen Müllers. Nora Leptien als Krabats Love-Interest, Eduard Bruch als zynischer Timo und Jonah Matovu als etwas verpeilter Tjarko vervollständigen das interessante Typen-Portfolio.

Düstere Stimmung bis zum Schluss im Ohnsorg Theater

Mit Krabat nahm Otfried Preußler eine alte sorbische Volkssage auf und machte aus der Geschichte des satanistischen Müllers, der einmal im Jahr einen seiner Burschen opfert, um selbst zu überleben, auch eine Metapher auf andere dunklen Mächte, denen man verfallen und von denen man sich nur schwer befreien kann. Aus kleinen angestrahlten Mobiles werden bedrohliche Schattenspiele. Knallerbsen sind die einzigen Knalleffekte (Bühne und Kostüme: Gesine Lenz). Aus dem Lautsprecher kommen sparsame, geflüsterte, geheimnisvolle Klangteppiche (Musik: Jan W. Beyer).

Das Böse spricht Platt

Das ist ein interessanter Kniff: Die dunkle Seite der Macht spricht Plattdeutsch. Es ist in diesem Stück der Sound der verzauberten Welt. Cornelia Ehlers hat die befehlsintensiven Texte knackig übersetzt. Hanna Müller und Julia Bardosch vom Ohnsorg haben sich im vergangenen Jahr jeden Donnerstag mit den jungen Leuten zu Proben getroffen - erst online, dann im Theater.

Dem Nachwuchs gelingt vor allem, eine andauernde dichte, bedrohliche Atmosphäre zu schaffen. Nach der Vorstellung stehen die Schülerinnen und Schüler erleichtert beim Premieren-Eis vor dem Ohnsorg-Theater neben der Heidi-Kabel-Statue. Man erkennt sie fast gar nicht wieder. Wie jung sie plötzlich aussehen! Auf der Bühne sind sie alle buchstäblich über sich hinausgewachsen.

Weitere Informationen
Der Eingang zum Ohnsorg Theater im Hamburger Bieberhaus © NDR Foto: Petra Volquardsen

Kulturpartner: Ohnsorg-Theater

Seit über 100 Jahren gehört das Ohnsorg-Theater als feste Institution zu Hamburg. Der Großteil aller Vorstellungen findet auf Plattdeutsch statt. extern

"Krabat"-Premiere am Ohnsorg: das Böse spricht Platt

Die dunkle Seite der Macht spricht Plattdeutsch: in "Krabat" auf der kleinen Studiobühne mit dem Jugendclub des Ohnsorg-Theaters.

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Ohnsorg Theater
Heidi-Kabel-Platz 1
20099 Hamburg
Telefon:
(040) 35 08 03 21
E-Mail:
info@ohnsorg.de
Preis:
8,40 Euro
Hinweis:
Ein negativer Corona-Schnelltest, der nicht älter als 24 Stunden ist, ist Voraussetzung für einen Theaterbesuch. Keinen Test benötigen vollständig Geimpfte, deren zweite Impfung mehr als zwei Wochen zurückliegt: Impfpass mitbringen. Vor Ort müssen Kontaktdaten hinterlegt werden, zum Beispiel über die Luca-App.
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 21.06.2021 | 19:00 Uhr