Der aus Rostock stammende Rapper Marteria (bürgerlich Marten Laciny), aufgenommen an der Ostsee. © Stefan Sauer

Marteria: "Rostock ist der Ort, der mich zu dem gemacht hat, der ich bin."

Stand: 13.11.2021 06:00 Uhr

Ob als Model, Fußballer oder Rapper - Marteria war schon auf vielen Gebieten gefragt. Mit seinem Album "5. Dimension" richtet er den Blick nach innen - vielleicht ausgelöst durch sein Hobby. Denn Marteria ist auch Angler. Ein Porträt.

von Kristina Bischoff

Wir haben den Strand, wir haben die besten Fischbrötchen der Welt, wir haben die größten Möwen der Welt, wir haben die schönste S- Bahn der Welt. Das ist einfach der Ort, der mich zu dem gemacht hat, was ich bin. Marteria über seine Heimatstadt Rostock

Obwohl Marten Laciny alias Marteria sein neuestes Album "5. Dimension" im Lockdown auf Barbados geschrieben hat, ist der Deutsch- Rapper fest mit seiner Heimat verbunden. Am 4. Dezember 1982 in Rostock- Lichtenhagen geboren, wächst er dort mit seinen Geschwistern als Sohn einer Lehrerin und eines Seemannes auf, ehe die Familie später nach Warnemünde zieht. Die Wende erlebt Marteria mit acht Jahren.

Doch schon zu DDR Zeiten kommt Marteria mit Rap in Berührung. Sein älterer Bruder ist Stammhörer der Sendung "Yo" - der einzigen HipHop-Sendung im DDR-Jugendradio. Noch aber hat eine andere Leidenschaft Vorrang: Marten ist passionierter Fußballer. Erst Fan des Hansa Rostock, zeigt er Talent und kickt bald im U17-Kader der deutschen Nationalmannschaft. 1995 legt er mit dem Rappen los, zwei Jahre später gibt er sich einen Künstlernamen: aus Marten wird Marteria.

Einmal Big Apple und zurück

Sein erstes Geld verdient er sich aber als Model. 1999 besucht er seine Schwester in New York und wird entdeckt, macht sein allererstes Fotoshooting mit Claudia Schiffer und bleibt in der Stadt. Dort modelt er auf den Laufstegen für Labels wie "Diesel" oder "Boss". Doch obwohl der Vibe des Big Apple seine Texte beeinflusst, die er bisweilen in der U- Bahn schreibt, hängt Marteria den Job an den Nagel und kehrt zurück nach Deutschland.

Anfang 2000 unterschreibt Laciny einen Plattenvertrag beim Label Punchline, allerdings nicht als Marteria. Genauso wie sein Vorbild, der US-Rapper Madlib, erfindet Laciny ein Alter Ego, das sich in Sound und Themenwahl grundsätzlich von seinem Tun als der Hauptfigur Marteria unterscheidet.  Er nennt es Marsimoto: "Er (Marsimoto) kann Themen besprechen, die Marteria nicht bespricht, weil er einfach eine Gimmick-Persönlichkeit ist, eher ein Comic-Held und anders auf die Welt schaut als Marteria", erklärt er: "Letzterer kümmert sich mehr um die echten Geschichten, er hat eine tiefe Stimme, er gibt viel von sich preis. Das unsympathische Wort massenkompatibel trifft die Beschreibung wohl eher, wobei Marsimoto entweder geliebt oder gehasst werden kann."

Marsimoto versus Marteria

Tatsächlich trifft auch Marsimoto den Publikumsgeschmack. Bis zum heutigen Tage veröffentlicht Laciny abwechselnd Marsimoto- und Marteria-Alben.

Zurück in Deutschland zieht es Marten kurzzeitig auf die Schauspielschule nach Berlin. Dort lernt er das Handwerk, das ihm später bei Live- Auftritten zu Gute kommen soll. Und macht außerdem weiter Musik. Ob außerirdisch mit hoch gepitchter Stimme als Marsimoto oder als Marteria, der sich von gängigen Klischee des Gangster- Rappers abhebt. Statt stumpfer Anfeindungen und Diskriminierungen gibt es bei ihm den Dialog und Auseinandersetzung. Eigenschaften, die seiner politisch linken Gesinnung entspringen.

In den 2010er-Jahren wird vor allem Marteria zum Star. Seine Songs, wie "Kids" oder "Lila Wolken" erobern das Radio und er damit die großen Bühnen. 2018 erfüllt sich ein Kindheitstraum: Als erster deutschen Rapper gelingt es ihm, ein Fußballstadion mit 32.000 Plätzen auszuverkaufen - nämlich das Ostseestadion seiner Heimatstadt Rostock!

Das Leben an der Angel

Nach einem Nierenversagen im Jahr 2015 lässt es Marteria inzwischen ruhiger angehen, verzichtet auf Drogen oder Alkohol, und wirft meistens nur noch an der Ostsee nahe Rügen die Angel aus. Was auch weniger gefährlich ist: "Ich habe mal mit einem Bären geangelt", erzählt Marteria. "Der war zehn Meter von mir entfernt, hat mich einmal kurz angeguckt - ein Braunbär - hat sich dann seinen Lachs geholt und ist dann wieder im Wald verschwunden. Das war schon ein sehr verrückter Moment."

Sein aktuelles Album "5. Dimension" ist wieder einmal unterwegs entstanden - am Strand von Barbados. Marteria befand sich gerade in Venezuela, als die Corona- Pandemie ausbrach. Um dort dem Lockdown zu entkommen, reiste er auf die Karibikinsel und blieb weitere vier Monate, weil vor Ort auch nichts mehr ging. Trotzdem liefert er mit "5. Dimension" kein Album ab, das vor den Problemen der Pandemie auf die Knie geht. Stattdessen sucht Marteria darin nach einem authentischen und unterhaltsamen Weg, mit ihnen umzugehen. Eine Verfahrensweise, die den Rostocker Rapper nach wie vor sympathisch macht.

"Ich habe mich ein bisschen so darin wiedergefunden, wie ich angefangen habe, Musik zu machen. Denn zwischendurch gab es bei mir ganz andere Zustände auf meinem Weg durch diese Welt", sagt Marteria. "Einfach den Leuten einen guten Spirit mitzugeben, Musik zu machen, wie man sie so noch nicht gehört hat und einfach anders klingen zu lassen. Einfach besonders zu sein. Aber es geht eben volle Kanne um Selbstreflexion und darum, Schwächen einzugestehen. Und wie man damit lebt und umgehen kann, das versuche ich auf der Platte."

Das Album "5. Dimension" von Marteria ist am 15. Oktober 2021 bei Sony Music erschienen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 05.06.2021 | 00:00 Uhr

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