Marius Müller-Westernhagen breitet die Arme auf der Bühne aus © picture alliance / Geisler-Fotopress | Ben Kriemann/Geisler-Fotopress

Marius Müller-Westernhagen: Mit Pfefferminz zum Star

Stand: 20.05.2022 00:00 Uhr

Keine Kompromisse - dafür stand schon der junge Marius Müller-Westernhagen. Legendär ist seine WG mit Otto Waalkes und Udo Lindenberg.

von Götz Steeger

Dem "Zeitgeist", den er auf seiner aktuellen Single besingt, entspricht er nicht - und hat es vermutlich auch keineswegs darauf angelegt: Marius Müller-Westernhagen oder kurz: MMW, bundesrepublikanische Rock n’Roll-Hoheit seit fünf Jahrzehnten.

Westernhagen-Video zeigt die großen Katastrophen von heute

Im Musikvideo von "Zeitgeist" läuft er nervös und zunehmend verängstigt in einem Raum hin und her, an dessen Wände Filmszenen mit den großen Katastrophen aus dem Hier und Jetzt projiziert werden: schmelzende Gletscher und Fridays for Future-Demos; der 2020 in den USA von einem Polizisten getötete George Floyd und Black Lives Matter, Covid und etwas später auch Szenen aus dem Angriffskrieg in der Ukraine.

Westernhagen: Ich will keine Kompromisse mehr

So erschlagen und fassungslos der Sänger im Video auch wirkt, dem Song selbst hört man die Apokalypse nicht an. Hier wird gewohnt gradlinig und Marius-typisch gerockt - der bewährte Sound zu dem Jung und Alt verzückt die Fäuste recken. 

Mit wem er zusammenarbeitet, wann und wo Aufnahmen und Produktion stattfinden und wie das ganze am Ende klingt, das entscheidet einzig und allein Marius Müller-Westernhagen selbst. "Ich weiß ja, wie das heute läuft in der Industrie. Also mache ich meine Alben fertig, finanziere die selbst und biete sie dann an. Ich will auch keine Kompromisse", meint er.

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Künstler-WG mit Otto Waalkes und Udo Lindenberg

Keine Kompromisse - das war auch schon das Credo des jungen, wilden Marius, der sich Mitte der 60er-Jahre anschickte die Düsseldorfer Musikszene aufzumischen. Auf seinem anderen Standbein, der Schauspielerei, hatte er bereits Erfahrungen gesammelt. Er war gerade mal 14, als er seine erste Rolle bekam. Jetzt nahm er Gesangsstunden, brachte sich selbst Gitarre bei und gründete seine erste Band. "Harakiri Whoom" wirbelten einigen Staub auf, vor allem wegen des Frontmannes, dessen "Shouterqualität" von Bands wie den Small Faces beeinflusst war. Der typische Westernhagen-Gesangsstil war geboren.

Anfang der 70er-Jahre zog es ihn nach Hamburg - hier spielte die Musik, die meisten Plattenfirmen waren in Hamburg ansässig und auch als Schauspieler boten sich hier die besseren Perspektiven. In der legendären Künstler-WG "Villa Kunterbunt" traf Westernhagen auf die sich gerade formierende Hamburger Szene mit Otto Waalkes und Udo Lindenberg. Was hier ausgeheckt wurde ging, wie man weiß, in die Pop-Geschichte ein.

"Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" wurde MMW zum Superstar

Für MMW ergaben sich in dieser Zeit wichtige Film und Fernseh-Kontakte, und er unterschrieb einen Plattenvertrag. Es war die goldene Zeit der Musikindustrie, junge Talente standen nicht unter dem Druck, gleich mit der ersten Veröffentlichung erfolgreich zu sein. Erst mit dem vierten Album kam 1978 für Westernhagen der große Durchbruch: "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz" ging durch die Decke, der schlaksige Rock n’Roll Underdog mit den "Shouterqualitäten" war jetzt ein Superstar.

Westernhagen war auch als Schauspieler erfolgreich

Die perfekte Entsprechung zum kumpelhaft, proletarischen Rock-Image war seine Rolle des Fernfahrers Theo Gromberg in "Theo gegen den Rest der Welt", dem erfolgreichsten deutschen Kinofilm des Jahres 1980.

Sieben Jahre danach beschloss er, die Schauspielerkarriere zu beenden. Als Sänger wurde er erfolgreicher denn je, die Zeit der großen Stadion-Auftritte war gekommen. Aus dieser Zeit stammt auch sein mit bekanntester Song "Freiheit", der eigentlich als Lied über die Französische Revolution gedacht war, aber in die Mühlen der Geschichte geriet und unfreiwillig zur Hymne der Wiedervereinigung wurde.

Abschied von den großen Bühnen Ende der 90er

Von den großen Stadion-Bühnen hatte MMW Ende der 90er genug, das "PR-Gewese" war ihm, wie er damals erklärte zu viel geworden. Die kleineren Auftrittsorte und die paar weniger verkauften Tonträger-Einheiten in den 2000er-Jahren konnten seinem künstlerischen Status allerdings nichts anhaben.

Im Gegenteil -  der Westernhagen anno 2022 kann entspannt zu Protokoll geben: "Der Ehrgeiz, großen Erfolg zu haben, der ist vollkommen weg. Der ist auch mehr als befriedigt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NDR Kultur à la carte | 20.05.2022 | 13:00 Uhr

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