Stand: 03.07.2020 12:20 Uhr  - NDR Kultur

"hell:wach": 29 Stunden Live-Musik in Hannover

von Agnes Bührig

Für die freie Szene klassischer Musik waren die vergangenen Monate vielerorts ein Jonglieren am Abgrund. In Hannover setzt das Orchester im Treppenhaus dem jetzt etwas entgegen: Unter dem Motto "hell:wach" hat das freie Ensemble ein Konzert mit mehr als 24 Stunden Live-Musik initiiert, gefördert vom Kulturbüro der Stadt Hannover. Mehr als 200 Musikerinnen und Musiker in 57 Ensembles sind dabei. Los geht es am Freitag um 19 Uhr in der Marktkirche Hannover.

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Das hannoversche Orchester im Treppenhaus hat in Zeiten von Corona täglich ein "Notfallkonzert" gespielt.

Mit dem ersten Satz eines Streichquintetts von Franz Schubert wird das Orchester im Treppenhaus das Konzert eröffnen. Es gehe darum, zu zeigen, dass Musik einen wichtigen Stellenwert in der Gesellschaft hat. Der Kontakt zur Politik lasse aber noch zu wünschen übrig, sagt Thomas Posth, künstlerischer Leiter des Orchesters im Treppenhaus.

"Wir wollen viel mehr Kontakt haben zur Politik, weil in vielen anderen Bundesländern der Draht von der Kulturszene zur Landesregierung sehr viel direkter ist," so Posth. "Und wir haben sehr neidisch betrachtet, dass das Quasi-Berufsverbot für Kulturschaffende in anderen Bundesländern deutlich früher zurückgenommen wurde."

Bessere Kommunikation zwischen Kulturszene und Landesregierung erwünscht

Die Kommunikation innerhalb der Szene der klassischen Musik in Hannover wird durch das Konzert jedenfalls enger. Mit dabei sind renommierte Ensembles wie Das neue Ensemble, La festa musicale und musica assoluta sowie Musikerinnen und Musiker des Niedersächsischen Staatsorchesters und der NDR Radiophilharmonie, wo Georg Elsas Kontrabass spielt. Dieser spüre ganz große Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen aus der freischaffenden Szene. "Wir teilen das gemeinsame Publikum mit allen Ensembles hier in Hannover und wir wissen auch, dass nicht alle das Privileg haben, weiter bezahlt zu werden."

Die Initiatoren von hell:wach posieren in einer Kirche und lächeln in die Kamera. © Andreas Graf Foto: Andreas Graf

Der Beitrag zum Hören

NDR Kultur - Klassisch unterwegs -

Unter dem Motto "hell:wach" hat das Orchester im Treppenhaus ein Konzert mit 29 Stunden Live-Musik initiiert. Mehr als 200 Musikerinnen und Musiker in 57 Ensembles sind dabei.

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Wer fest angestellt ist, verzichtet beim Konzert auf ein Honorar. Die Spenden, die gesammelt werden, sollen ausschließlich der freien Szene zu Gute kommen. Sie werden vor Ort gesammelt, der Eintritt für maximal 115 Personen ist aber frei und muss vorab für einen der 23 Abschnitte des Konzerts online angemeldet werden.

Große Solidarität innerhalb der freischaffenden Szene

Für Nachtschwärmer wird Susanne Würmell am Sonnabend, den 4. Juli, um 0.40 Uhr auf der Glasharfe spielen, unter anderem zwei Stücke des gebürtigen Lüneburgers Johann Abraham Peter Schulz, Komponist von "Der Mond ist aufgegangen". Um 5 Uhr morgens gibt es ein Sonnenaufgangskonzert mit Bach, um 13 Uhr ein Kinderkonzert mit Sprecherin und ab 19.30 Uhr startet der Ausgehabend, unter anderem mit der Disco-Toccata des Franzosen Guillaume Connesson, Jahrgang 1970.

Victoria Kirst vom Orchestervorstand des Niedersächsischen Staatsorchesters hofft, dass der Wert von Musik für die Gesellschaft auf diese Weise deutlich wird: "Ich glaube, es ist wichtig, dass man wieder etabliert, was hier und in Deutschland überhaupt einen großen Stellenwert hat. Dass es ein anerkannter Beruf geworden ist und man nicht wie in Zeiten des Mittelalters als Bettler gilt. Die jetzige Situation hat uns fast wieder dahin zurückgeworfen. Man muss darum betteln, seine Kunst präsentieren zu dürfen - und das dürfen wir nicht akzeptieren!"

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 03.07.2020 | 14:40 Uhr

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