VIDEO: Kammerorchester Ensemble Resonanz wird 20 (3 Min)

Zur 20. Spielzeit: Geburtstags-Tusch für das Ensemble Resonanz

Stand: 01.10.2021 12:59 Uhr

Das Ensemble Resonanz, Hamburgs cooles Kammerorchester, feiert seine 20. Konzertsaison. Zum Saisonauftakt gab es ein Jubiläumskonzert in der Elbphilharmonie.

von Daniel Kaiser

Wie eine angeschickerte Blaskapelle torkelt das Orchester zum Finale musikalisch im Humpta-Humpta-Rhythmus durch Helmut Lachenmanns ironischen "Marche fatale". Es ist der gelungene, unterhaltsame Schlusspunkt eines Konzerts, das wieder einmal die Vielseitigkeit des Ensemble Resonanz gezeigt hat. Wie vor 20 Jahren schon einmal lassen die Musikerinnen und Musiker wieder die rhythmischen "Shaker Loops" von John Adams fließend in Vivaldis Winter aus den "Vier Jahreszeiten" übergehen. Musik aus der Sonne Kaliforniens trifft auf venezianischen Barock - typisch Ensemble Resonanz. Der Solo-Geiger Ilya Gringolts rodelt dabei in waghalsiger Geschwindigkeit den Vivaldi-Hügel hinab.

Nur das Handyklingeln war in Dur 

Mit Luigi Nonos Schlüsselwerk serieller Musik "Varianti" zeigt das Ensemble - hier unter der Leitung von Stefan Asbury -, dass es vor allem auch Botschafter und Begeisterter für neue Klänge sein will. Ein Klingelton in reinstem Dur, der endlose 15 Sekunden aus einem Handy im Publikum trillerte, fiel da natürlich sofort auf. Fast schon überraschend zahm wirkte im Konzert dagegen Anton Bruckners Adagio aus dem Streichquartett F-Dur.

Ensemble Resonanz: Lust auf Experimente 

Ein bisschen mehr aus der Konfetti-Schublade á la Lachenmann hätte es zu diesem Saisonstart schon sein dürfen, denn so zeigte das Jubiläumskonzert wirklich nur einen Ausschnitt der spektakulären Bandbreite des Ensembles der vergangenen zwei Jahrzehnte. Das Orchester hat schon Bachs Weihnachtsoratorium mit E-Gitarre kongenial aufgedreht, gemeinsam mit Charly Hübner Schuberts "Winterreise" und Songs von Nick Cave kombiniert, Carl-Philipp Emanuel Bachs Sinfonien wie Meister Proper aufpoliert und zuletzt mit einer mitreißenden "Agrippina" von Händel als Gastorchester in der Hamburgischen Staatsoper begeistert. CD-Einspielungen wie die von Haydns "Sieben letzten Worten unseres Erlösers am Kreuz" sind hochgelobt.

Hamburgs Orchester der Herzen 

Das Ensemble Resonanz posiert vor der Elbphilharmonie. © Tobias Schult Foto: Tobias Schult
Von Underdogs zu Publikumslieblingen: das Ensemble Resonanz

Das Ensemble Resonanz hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine ungeheure Karriere hingelegt: von den Underdogs mit coolen Events im zugigen Kulturzentrum Haus 73 im Schanzenviertel bis zum Residenzorchester des kleinen Saals der Elbphilharmonie; von spärlich besuchten Konzerten am Anfang in der Laeiszhalle bis zum eigenen hippen Konzertsaal im Feldstraßen-Bunker auf St. Pauli. Man kann sagen, dass das Ensemble Resonanz inzwischen so etwas wie das Orchester der Herzen der Hamburger Stadtgesellschaft geworden ist. Immer wenn in Hamburg etwas los ist, das Schauspielhaus eine flexible Truppe für eine Inszenierung braucht oder die Kunsthalle eine musikalische Umsetzung für eine Ausstellung benötigt - das Ensemble Resonanz ist zur Stelle. 

Kein Geschwafel - nur Liebe zur Musik

In den Konzerten treffen sich Hipster aus der Schanze und Goldknopfträger aus Blankenese. Das Orchester verkörpert eine ungeheure Professionalität, gewisse Street Credibility und eine unbändige Lust auf Neues. Man spürt: Die machen nicht nur Musik, die leben die Musik. Die philosophischen Begleitprogramme mit Diskussionen und die Programmhefte mit den intelligenten Ideen und Konzepten sind nie Geschwafel. Man kommt stets mit einem neuen Blick aus den Konzerten. Das Ensemble Resonanz hat Hamburg wirklich neu zum Klingen gebracht. Die Vorfreude auf das, was da alles in den nächsten 20 Jahren kommen mag, war im Jubiläumskonzert mit Händen zu greifen. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 01.10.2021 | 19:00 Uhr

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