Stand: 19.04.2017 07:35 Uhr

Die Lust am Spiel: Murray Perahia

von Margarete Zander

Unter den jungen Pianisten unserer Zeit sind viele, die mit aufregenden Konzerten ihr Publikum im Sturm erobern und dann mit immer neuen Aufnahmen in Atem halten. So ganz anders wirkt da die Karriere des amerikanischen Pianisten Murray Perahia. Der einstige Schüler von Vladimir Horowitz scheint zu besitzen, was andere Pianisten heutzutage nicht haben: Zeit. Ein Porträt zum Geburtstag des zauberhaft zeitlos wirkenden jungen 70-Jährigen.

Bild vergrößern
Murray Perahia wurde am 19. April 1947 in New York geboren.

"Wenn Du mehr als ein Virtuose sein möchtest, dann werde erst einmal einer", hat der legendäre Vladimir Horowitz seinem damals 17-jährigen Schüler Murray Perahia auf den Weg gegeben. Der wirkt ruhig und freundlich, eher unauffällig. Noch heute trägt der Pianist im Alltag am liebsten ein weißes Oberhemd mit Krawatte und einen grauen Anzug, rein äußerlich würde man vermuten, er tätigt am Schreibtisch irgendwelche Bankgeschäfte. Doch sein Stuhl ist der Klavierhocker und wenn er darauf sitzt, dann strömt eine Energie durch seinen Körper, die von unbändiger Lust am freien Spiel beseelt ist.

Der Junge aus der Bronx

Murray Perahia © © 2017 Murray Perahia

Zum 70. Geburtstag von Murray Perahia

NDR Kultur - Klassisch in den Tag -

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Tenor wollte der Junge aus der Bronx werden. Wie die italienischen Startenöre, die er in Opernaufführungen in der Met hörte, zu denen sein Vater ihn regelmäßig mitnahm. Und weil der kleine Moshe - so der richtige Name des Sohnes sephardischer Juden - gern die Opernmelodien nachsang, bekam er schon mit vier Jahren Klavierunterricht. Als Teenager wurde er als Pianist gefeiert, doch er blieb vorsichtig mit der Bewertung seiner Erfolge. Trotz der illustren Lehrer wie Mieczyslaw Horszowski und Vladimir Horowitz, die seine Karriere beförderten, studierte er am Manns College auch Komposition und Dirigieren und gründete eine Jazzband.

Bei den musikalischen Sommerkursen in Marlboro im Süden von Vermont spielte Murray Perahia mit dem legendären Cellisten Pablo Casals und dem Pianisten Rudolf Serkin zusammen. Mit 25 Jahren gewann er den Klavierwettbewerb in Leeds, der ihm die Türen in die Konzertwelt öffnete - und blieb vorsichtig, lehnte viele Angebote ab. Er bewegte sich auf der Karriereleiter in einem Tempo, das ihm angenehm war, und das war: slow motion - in bedächtiger Langsamkeit.

Ein Meilenstein

Bild vergrößern
Neben Bach zählt Mozart zu den wichtigsten Komponisten für Murray Perahia.

Ein Meilenstein sind seine Mozart-Einspielungen. Da verbindet Perahia seine Lust an der Welt der Oper und die Freude an der Präzision mit einer kindlich naiven, völligen Hingabe an die Musik.

Als ihn ein Schnitt in den Finger mit einem Blatt Papier daran hinderte, die Finger über die Tasten zu bewegen, geriet Murray Perahia in eine tiefe Schaffens-Depression. Doch er wich der Herausforderung nicht aus und fand eine besondere Erfüllung in geistig-analytischen Trockenübungen. Bachs Musik hat ihn in der Zeit ernährt. Und so, wie er in seiner jüngsten Aufnahme die Französischen Suiten spielt, könnte man einmal mehr mit den Kritikern sagen: "Murray Perahia öffnet den Himmel".

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 19.04.2017 | 07:20 Uhr

Mehr Kultur

01:56

Jerry Lewis im Alter von 91 Jahren gestorben

21.08.2017 06:20 Uhr
NDR Kultur
44:29

Schrott oder Schätzchen

20.08.2017 21:00 Uhr
NDR Fernsehen
02:22

Porträt: Die Fotografin Anna Zuidema

20.08.2017 20:15 Uhr
Landpartie - Im Norden unterwegs