Stand: 05.11.2019 14:43 Uhr

Staatskapelle MV: Tafferner will Tradition beleben

von Karin Erichsen

Seit einer Spielzeit ist Victoria Tafferner Orchesterdirektorin der Mecklenburgischen Staatskapelle. In diesem Amt steht sie aktuell vor einer großen Aufgabe: Sie muss einen Nachfolger für den scheidenden Generalmusikdirektor Daniel Huppert finden. Außerdem hat sie selbst auch große Pläne für das Orchester. Bei alledem spart sie nicht mit Kritik an der Kulturpolitik des Landes Mecklenburg-Vorpommern.

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Orchesterdirektorin Victoria Tafferner will die Geschichte der Mecklenburgischen Staatskapelle aufleben lassen.

Aufgewachsen ist Victoria Tafferner in Kapstadt in Südafrika. Sie spricht Deutsch mit einem charmanten Akzent, macht aber sehr klar was sie meint. Besonders ärgert sie, wie die Kulturpolitik in Mecklenburg-Vorpommern ein Traditionsorchester wie die Mecklenburgische Staatskapelle behandelt. "Wir haben eine unglaubliche Geschichte", sagt die Direktorin. Die ersten Frauen in Deutschland seien hier Dirigentinnen gewesen und in den über 450 Jahren habe es hier großartige Komponisten und Musiker gegeben. Doch darüber werde laut Tafferner kaum geredet. "Es wird wenig geforscht und wir haben weder die Menschen noch die Zeit noch das Geld, um diese Geschichte zu würdigen."

Tafferner: Klassikszene wird "Stück für Stück abgebaut"

Vor gut zwanzig Jahren kam Victoria Tafferner für ein Horn-Studium nach Freiburg und erlebte in Deutschland eine lebendige und internationale Szene. Nach einigen Jahren als freischaffende Musikerin studierte sie nochmals Kulturwissenschaften in Freiburg und Berlin. Über Stationen im Musikmanagement am Berliner Konzerthaus und in der Medienabteilung der Berliner Philharmoniker kam sie zunächst zu den Brandenburg Symphonikern und übernahm 2018 die Orchesterdirektion in Schwerin. "Man schaut mit Staunen zu, wie das Stück für Stück abgebaut wird", äußert sich Tafferner zur Entwicklung der Klassikszene in Deutschland in den vergangenen Jahren.

Wer wird neuer Generalmusikdirektor in Schwerin?

Für die Mecklenburgische Staatskapelle hat Victoria Tafferner große Pläne. Zunächst muss ein neuer Generalmusikdirektor gefunden werden, denn Daniel Huppert verlässt mit Ende der Spielzeit das Haus. "Die Vordirigaten und Bewerbungsgespräche laufen parallel zu allem anderen, was derzeit im Theater passiert." Ein Nachfolger steht allerdings noch nicht fest.

Vorschaubild für den Podcast Kultur auf NDR 1 Radio MV © ndr.de Foto: ndr.de

Orchesterdirektorin Victoria Tafferner im Interview

NDR 1 Radio MV - Kunstkaten -

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Großes Oral-History-Projekt in Planung

Außerdem möchte die durchsetzungsstarke Frau das Profil der Staatskapelle schärfen. Zum Beispiel will sie das große schwarze Loch, das seit 1945 in der Orchesterchronik klafft, in nächster Zeit schließen. "Wir wissen, wer hier nach dem Krieg dirigiert hat. Unter anderem große Namen wie Masur, Tennstedt, Haenchen und dennoch haben wir keine Berichte von den Musikern, die damals gespielt haben." Tafferner plant deshalb ein Oral-History-Projekt, bei dem Musiker der Staatskapelle ehemalige Mitglieder des Orchesters befragen. Und noch ein Projekt liegt Victoria Tafferner am Herzen: Die Werke mecklenburgischer Komponisten sollen zukünftig stärker im Spielplan vertreten sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 05.11.2019 | 10:20 Uhr