Sopranistin Edita Gruberová © picture alliance / Uli Deck/dpa Foto: Uli Deck

Reaktionen auf den Tod der Sopranistin Edita Gruberová

Stand: 20.10.2021 08:16 Uhr

Mehr als 50 Jahre stand sie auf den großen Opernbühnen: Die slowakische Sopranistin Edita Gruberová war bekannt als "Königin der Koloratur". Jetzt ist sie im Alter von 74 Jahren gestorben. Reaktionen auf den Tod aus den Feuilletons.

Die slowakische Sopranistin Edita Gruberová ist am Montag im Alter von 74 Jahren in Zürich gestorben. Studiert hat die 1946 in in Bratislava geborene Kammersängerin am Konservatorium in Bratislava. 1970 sang sie erstmals an der Wiener Staatsoper in Mozarts "Zauberflöte" die Partie der Königin der Nacht. Ihr internationaler Durchbruch gelang ihr 1976 in der Rolle der Zerbinetta in "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss. Auch in New York, Paris, Mailand und vielen anderen Städten trat sie auf.

Ihren Abschied von der Opernbühne feierte sie im März 2019 an der Bayerischen Staatsoper in München. Für die Rolle als Königin Elisabetta in Gaetano Donizettis lyrischer Tragödie "Roberto Devereux" bekam sie am Ende fast eine Stunde Applaus.

 

Große Trauer um Starsopranistin

Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt in der Online-Ausgabe über Edita Gruberová: "Die Meistervirtuosin, der nichts zu schwer oder zu hoch war, keine Ton-Girlande zu lang und die so unauffällig atmete, dass man glaubte, sie atme gar nicht: ein elysisches Wesen aus einer anderen Musik-Galaxis."

An der Wiener Staatsoper begann ihre Karriere und hier war sie in großen Rollen zu erleben. Direktor Bogdan Rošcic erklärte: "Wie kaum eine andere war die Gruberová nicht nur Legende, sondern prägte dieses Haus und seine Aufführungsgeschichte in über 700 Vorstellungen. Dabei war ihre vielgerühmte stimmliche Perfektion nie Selbstzweck, sondern immer im Dienst einer kompromisslosen Hingabe an die Musik und deren bestmögliche Interpretation."

Regelmäßiger Gast an Staatsoper Hamburg

Die Ausnahme-Künstlerin und Koloratursopranistin Edita Gruberova war seit 1970 regelmäßiger Gast an der Staatsoper Hamburg. Sie begeisterte das Hamburger Publikum als Olympia in "Les Contes d'Hoffmann", Violetta in "La Traviata", Zerbinetta in "Ariadne", Elvira in "Puritani" sowie Anna Bolena, Norma und Lucrezia Borgia. Auch in zahlreichen Solo-Abenden war Edita Gruberova an der Dammtorstraße stets umjubelt. Ihr letzter Auftritt an der Staatsoper Hamburg war am 3. April 2014 in einer konzertanten Vorstellung der "Lucrezia Borgia". Im "Hamburger Abendblatt" stand damals: "Ihre Technik war perfekt, ihr Ausdruck ergreifend und ihre mit feinsten Nuancen gespickten Rollengestaltungen forderten selbst strengsten Meistern am Pult wie etwa Karl Böhm zu Beginn ihrer Karriere höchste Bewunderung ab." Am Dienstag teilte die Staatsoper mit: "Wir werden das Andenken an Edita Gruberova in Würde halten".

"Großer Verlust für die Kunstwelt"

Der "Münchner Merkur" ehrt sie auf seiner Online-Seite mit den Worten: "Edita Gruberová war nicht nur eine Jahrhundertsängerin, die das Fach des Koloratursoprans neu definierte, sondern zudem entwaffnend bis erschöpfend professionell."

Bernd Sibler, bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, sagte zum Tod der Sopranistin: "Edita Gruberová war ein Weltstar im buchstäblichen Sinn. Mit allen großen Dirigenten hat sie gearbeitet, in den großen Opernhäuser der Welt gesungen. Was für ein Glück, dass sie auch das Münchner Publikum mit ihrem unerreichten Koloratursopran beehrte. Ihre Auftritte in der Bayerischen Staatsoper sind unvergessen. Ihr Tod bedeutet einen großen Verlust für die Kunstwelt, für uns alle. Unter den bayerischen Kammersängerinnen ist Edita Gruberová die Königin, nicht nur als Königin der Nacht."

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt über die "letzte Assoluta", also die letzte absolute, vollendete Primadonna, ihre Stimme habe in den ersten Jahren "geleuchtet wie ein durch einen Diamanten gebrochener Sonnenstrahl", später dann reichere, tiefere Schattierungen bekommen. Ähnlich "Die Welt": Auch hier ist von Schwerelosigkeit die Rede, mit der die Koloraturen in die Höhe "purzelten" um immer neue Salti zu drehen. In diesem Nachruf finden sich auch kritische Töne: Die Sängerin sei ein Gesamtkunstwerk gewesen, perfekt, aber auf manche habe sie auch wie ein seelenloser "Koloraturautomat" gewirkt.

NDR Kultur ehrt die Sopranistin am Sonnabend, den 23. Oktober um 19 Uhr im "Opernkonzert" mit dem Titel: "Die slowakische Nachtigall – Zum Tod von Edita Gruberová".

Weitere Informationen
CD-Cover: Edita Gruberova - Live Recordings 1977-2010 © Orfeo d'or
3 Min

Reaktionen der Feuilletons zum Tod von Edita Gruberová

In den Nachrufen wird Sopranistin gewürdigt, so schreibt etwa die "FAZ" von der "letzten Assoluta" -der letzten absoluten, vollendeten Primadonna. 3 Min

Sopranistin Edita Gruberová © picture alliance / Uli Deck/dpa Foto: Uli Deck

Sopranistin Edita Gruberová: Zum Tod der Königin der Koloratur

Edita Gruberová ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Ein Gespräch mit Opernexperte Hans-Jürgen Mende über die Sopranistin. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 19.10.2021 | 06:20 Uhr

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