Udo Lindenberg und Carsten Brosda bei der Eröffnung des Hamburger Kultursommers © dpa Foto: Markus Scholz

Hamburger Kultursommer startet mit Alphörnern und Udo

Stand: 16.07.2021 11:33 Uhr

Mit prominenter Besetzung hat auf dem Spielbudenplatz auf St. Pauli der Hamburger Kultursommer begonnen. Einen Monat lang finden in der ganzen Stadt 1.300 kleine und große Veranstaltungen statt.

Besucher des Hamburger Kultursommers auf dem Spielbudenplatz © dpa Foto: Markus Scholz
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von Daniel Kaiser

Obwohl die Gegend um die Reeperbahn tatsächlich mal Hamburger Berg hieß, hatten die Höhenmeter für diese Klänge bislang nicht gereicht. Dieses Überraschungsmoment soll typisch sein für die vielen Veranstaltungen im kommenden Monat in 39 Stadtteilen aller Hamburger Bezirke. 

Kultursenator Carsten Brosda rollt Kulturteppich aus

Kultursenator Carsten Brosda rollt der Kultur einen symbolischen bunten Teppich aus und stößt ihn - Fuß an Fuß mit Schmidt-Theater Chef Corny Littmann und Panik-Präsident Udo Lindenberg - auf einer Showtreppe von der Bühne herunter. "Ein fliegender Teppich: Simsalabim!“ nuschelt Udo ganz lindenbergesk und tänzelt trotz Hitze mit Hut und schwarzem Trenchcoat über die Textilie.

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Die Künstlerin Sophia Kennedy singt auf der Bühne beim Dockville Festival. © NDR/ Benjamin Hüllenkremer Foto: Benjamin Hüllenkremer

Hamburger Kultursommer gestartet - 1.300 Veranstaltungen geplant

Es wird ein Sommerprogramm, das es in Hamburg so noch nie gegeben hat - mit 1.300 Veranstaltungen in vier Wochen. mehr

Mahnende Worte von Udo Lindenberg an den Senat

Gleichzeitig schickt er auch mahnende Wort an den Senat: Die leidenden Bar- und Clubbesitzer vom Hamburger Kiez verdienten mehr Entgegenkommen. Da müsse mehr möglich sein. Die Besucherinnen und Besucher auf St. Pauli würden auch außerhalb der Clubs trinken. Udo fordert stattdessen "kontrolliertes Saufen!". A capella stimmt er dann seinen Song "Reeperbahn" an. Den hatte er, wie er sagt, damals Littmann gewidmet, als der in den 80er-Jahren mit seinen Theatergründungen auf dem Kiez begann und das Viertel so mit Hilfe der Kultur aus dem Tief holte. "Du alte Gangsterbraut, jetzt bin ich wieder da!" Es ist das Lied der Stunde!

Ausgelassene Stimmung: "Endlich wieder Live-Musik!"

Besucher des Hamburger Kultursommers auf dem Spielbudenplatz © dpa Foto: Markus Scholz
Fast wie in früheren Zeiten kommen Menschen zum Feiern auf dem Spielbudenplatz zusammen.

Der genaue Ablauf der Eröffnung wurde bis zum Schluss als Geheimnis behandelt. Einerseits wollte man einen starken Auftakt, andererseits befürchtete man, zu viele Menschen könnten kommen, wenn bekannt würde, dass Udo Lindenberg und "Das Bo" auftreten. Am Ende kommen so viele Menschen, wie unter Corona-Bedingungen auf das Areal dürfen. Die Stimmung ist ausgelassen. "Endlich wieder Live-Musik!", jauchzt eine Frau, während "Das Bo" auf der Bühne rapreimt. "Ich sehe das Glitzern in den Augen der Menschen", freut sich eine andere. Im Publikum sitzt auch die bekannte Hamburger Krimiautorin Simone Buchholz. Ihr geht der Start des Hamburger Kultursommers spürbar nah. "Es wühlt mich auf, wie die Stadt endlich wieder zu leben beginnt, und weil wir jetzt merken, was uns die ganze Zeit gefehlt hat. Ich bin heute ganz nah am Wasser gebaut."

Kultur aus Hamburg für Hamburg mit Künstlern aus der Umgebung

Einen Monat lang finden an etwa 100 Orten in ganz Hamburg Kultur-Veranstaltungen statt: die meisten unter freiem Himmel, viele gratis. Die Kulturbehörde hatte eine Idee aus Wien aufgegriffen, zehn Millionen Euro in die Hand genommen und Veranstalterinnen und Veranstalter aufgerufen, einen Monat lang bunte Kulturprogramme zusammenzustellen. Wichtige Bedingung: 75 % der Künstlerinnen und Künstler sollen aus Hamburg und Umgebung kommen. 

Besondere Konzertideen und Pop auf der Rollschuhbahn

Am Wochenende werden die Dresdener Sinfoniker mit den Alphörnern auf den Dächern der Eimsbütteler Lenzsiedlung ein Konzert geben. Der Musikclub Knust veranstaltet unter dem Motto "Knust to go" Popkonzerte auf der Rollschuhbahn in den Wallanlagen. In vielen Stadtteilparks wird Theater gespielt oder es erklingen Opern. Die idyllisch gelegene Alsterburg Henneberg in Poppenbüttel wird zur Open Air Location. Und auch Harburg bekommt ein eigenes Musikprogramm.

Dieser Kultursommer soll ein Aufbruch werden. Der Auftakt an der Reeperbahn war ein wunderbarer Start.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 16.07.2021 | 06:40 Uhr

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