Stand: 03.06.2018 13:49 Uhr

Elbjazz zwischen Blues-Rock und Live-Mixtapes

Was für ein Bass: Mitten in den Soundcheck von Nils Wülker und Band hinein tutet mehrmals ein Kreuzfahrtschiff, das auf der Elbe vorbeifährt. Das dumpfe Tönen des Schiffshorns lässt die maritime Atmosphäre auf dem Elbjazz-Festival noch einmal authentischer wirken. Sofern das überhaupt noch nötig ist - auf dem Werftgelände von Blohm + Voss zwischen einem im Trockendock liegenden Containerschiff, diversen Montagekränen und Schiffsschrauben.

Blues-Rock, Trompeter und etwas Regen

Wülker macht Live-Mixtape auf der Bühne

Die Musiker um Jazztrompeter Wülker lassen sich am zweiten Festivaltag dadurch nicht aus der Ruhe bringen, sondern testen weiter den Sound. Wülker selbst macht über seine Trompete hinweg ein Foto von der Menge vor der Hauptbühne. Dort haben sich am frühen Abend Tausende versammelt, um "das Urgestein des Festivals", als das Wülker anmoderiert wird, live zu erleben.

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Nils Wülker ist zum wiederholten Male beim Elbjazz-Festival dabei, ein wahres Urgestein also.

Doch Wülker ist nicht alleine gekommen: Er hat sich Unterstützung durch den Hamburger DJ Mad an den Turntables geholt. Rapper Nico Suave und Sänger Maxim sind ebenfalls mit von der Partie. "Wir machen hier quasi live ein Mixtape", sagt Wülker. Und das wird eine außerordentlich lebendige und stimmungsvolle Aufnahme. Mal steht die Trompete im Vordergrund, um dann wieder in den Hintergrund zu treten und bei Suaves "Gedicht" oder Maxims "Immer wenn mein Herz nach dir ruft" nur gelegentlich einen Akzent zu setzen.

Südstaaten-Blues und Jazz-Improvisationen

Auftritte wie der von Wülker&Co. zeigen, dass der Jazzbegriff bei dem Festival weit gefasst wird und andere Musikrichtungen einbindet. Während in der Schiffbauhalle Puristen und Fans von Improvisationen und Jam-Sessions wie etwa denen von Web Web richtig sind, gibt es draußen auf der Bühne "Am Helgen" mitreißenden Südstaaten-Blues von der Marcus King Band.

Der Sänger Marcus King erinnert stimmlich an eine Mischung aus Rod Stewart und seinem Namensvetter B. B. King, von der Statur her eher an Meat Loaf. So groß und gewaltig wie diese Vergleiche ist dann auch die Performance. "We are from Greenville, South Carolina", sagt King. Und das hört man, zum einen an der hingenuschelten Aussprache im reinsten Südstaaten-Slang. Zum anderen am hingebungsvollen Gesang des jungen Bandleaders, der stilecht mit Cowboy-Hut am Mikrofon steht. King spielt nicht nur, er lebt den Bluesrock. Das Publikum dankt es der Band mit anhaltendem Applaus.

Wenn es dunkel wird beim Elbjazz

Weitere Informationen

Gewitter wirbelt ersten Elbjazz-Tag durcheinander

Ein Gewitter hat am ersten Tag des Elbjazz-Festivals für eine Unterbrechung gesorgt. Der Auftritt des Michael Wollny Trios wurde abgesagt. Kinga Glyk hatte das Festival mitreißend eröffnet. mehr

Als es dunkel wird, taucht eine Lichtshow Werftgebäude, Kräne und sogar das Containerschiff "Cap San Lorenzo" in bunte Farben und Discokugel-Lichtspratzer oder versieht sie mit dem Festival-Logo, einem Fisch. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es am Sonnabend auf dem Festival trocken geblieben. Eine Wohltat für die Besucher, die tags zuvor noch einem Unwetter ausgesetzt waren und Konzertausfälle hinnehmen mussten.

Auch beim Auftritt von Gogo Penguin aus Großbritannien fällt noch kein Tropfen aus der dicken Wolkendecke. Die drei Instrumentalisten haben eine Marktlücke entdeckt: Sie spielen elektronische Musik auf akustischen Instrumenten, möchten dabei aber nicht fotografiert werden.

Beim Auftritt von Kamasi Washington beginnt es zu regnen

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Kamasi Washington spielte zum Abschluss des Festivals.

Anders Kamasi Washington: Der Headliner am zweiten Festivaltag spielt mit der Kamera, wendet sich ihr extra zu, wenn er einmal eine Pause macht beim Saxofonspielen. "I hope you have some fun", sagt er zu Beginn. Und dann beginnt es zu regnen, zwar ohne Blitz und Donner, aber beständig und nicht wenig. Viele Zuschauer flüchten in Bierzelte und unter Unterstände, andere ziehen sich Regencapes über.

Vor der Hauptbühne ist es plötzlich recht luftig. Was der engagierte Auftritt von Washington und seiner Band nicht verdient hat. Dass ein Bass-Solo nicht behäbig sein muss, beweist sein Bassist, der sein Instrument zupft und streicht und dazu mit einer kehligen Soulstimme singt. "Jetzt kommt der Mann auf die Bühne, der mir alles bedeutet", sagt Kamasi Washington und bittet seinen Vater hinzu. Zusammen spielen sie dann auf ihren Saxofonen und die verbliebenen Menschen vor der Bühne haben Spaß, ganz so wie es sich der junge Wahington anfangs erhofft hatte.

Band auf dem Elbjazz Festival in der Elbphilharmonie.

Elbjazz Festival: Der Hafen swingt wieder

Hamburg Journal -

Zum achten Mal startet im Hafen das Elbjazz Festival. Künstler aus aller Welt spielen rund 60 Konzerte an acht Spielorten. Pianist Michael Wollny ist "Artist in Residence".

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Play Jazz! | 02.06.2018 | 22:05 Uhr

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