Das Hafenklang in Hamburg während der Corona-Krise © picture alliance | Marc Heiligenstein Foto: Marc Heiligenstein

25 Jahre Hafenklang: Von der WG zum Kult-Club

Stand: 18.11.2021 13:52 Uhr

Mit einer Mischung aus Punkrock, Elektromusik, Konzerten und Partys ist das Hafenklang zu einer Legende in Hamburg geworden. Jetzt feiert der Club seinen 25. Geburtstag.

von Antonia Reiff

"Der jetzige Goldene Salon, der Bereich vorm Tresen, war damals die große WG-Küche, der Dancefloor war das Wohnzimmer", erzählt Thomas Lengefeld, während er unter der Discokugel mitten auf der heutigen Tanzfläche steht und sich an die Anfänge in den 1990er-Jahren erinnert. "Hier hörte der Kiez auf, hier war Rotlicht. Hier haben sich kaum noch Touristen hingetraut." Heute bleiben regelmäßig Menschen vor dem Hafenklang stehen, besuchen den international bekannten Club und fotografieren das alte Gebäude inmitten der Büros und Neubauten. In dem traditionsreichen Haus befand sich schon der Pferdestall der Hamburger Straßenbahn.

Gegründet aus dem Widerstand

Die Musiker der englischen Band Creeper stehen am 04. April 2017 im Hafenklang in Hamburg auf der Bühne. © picture alliance / R. Goldmann | Ralph Goldmann Foto: Ralph Goldmann
Viel Haare, wenig Platz - ein Markenzeichen des Hafenklang.

Als der Wohngemeinschaft in den 1990er-Jahren das Mietverhältnis gekündigt wird, kämpfen die Bewohnerinnen und Bewohner für den Erhalt. "Aus dieser Kündigung resultierteein Widerstand aus der WG heraus. Es gab die ersten Soli-Veranstaltungen und dann ging es schleichend über in einen legalen Konzertbetrieb und Musikclub", berichtet Lengefeld. Auch die 52-jährige Rosa Muminovic hat die improvisierten WG-Partys miterlebt und legt bis heute im Hafenklang als DJane auf. "Das war für mich immer eine Art Brutstätte, Schlangengrube, in der krude Ideen nicht nur ausgedacht, sondern auch angetreten wurden", erzählt Muminovic.

Als eingetragener Verein erkämpfen sie sich einen Mietvertrag für 20 Jahre und entwickeln die verschiedensten Veranstaltungsreihen. Zu den beliebtesten gehört bis heute "Drumbule" -  ein Abend voller elektronischer Drum&Bass-Musik und das schon seit 18 Jahren. "Das ist die Partyreihe, die durchweg die höchsten Eintritte hat und bei der sich das Publikum immer wieder erneuert. Oft denkt man: '30 Jahre später und kein Mensch hört noch Drum&Bass', aber es passiert", berichtet Lengefeld.

Hafenklang: Fast täglich Konzerte und Partys seit 25 Jahren

Auf zwei Etagen finden seit 25 Jahren fast täglich Konzerte und Partys statt, von Punkrock bis Elektro. 440 Menschen finden hier Platz zum Feiern. Viele von ihnen kommen seit Jahren regelmäßig und lieben den Hamburger Kult-Club.

Neben der Bedrohung durch Gentrifizierung muss das Hafenklang auch regelmäßig dem Hamburger Hochwasser trotzen. Dann stehe das Wasser manchmal bis zum Tresen, erzählt Thomas Lengefeld: "Wenn das Wasser wieder abfließt - das geht recht zügig -, ist Vereinsarbeit gefragt und dann putzt man hier einen halben Tag."

Musikalische Bandbreite und Hamburger Hafenatmosphäre

Mit viel Engagement haben sich die Vereinsmitglieder vom Hafenklang über 25 Jahre von der Wohngemeinschaft zu einem der legendärsten Clubs Hamburgs gekämpft. Und diese selbstorganisierte Clubkultur wissen die Besucherinnen und Besucher zu schätzen.

Am kommenden Sonntag macht das Hafenklang zu seinem 25. Geburtstag eine kleine Feier vor Ort und zeigt einen Dokumentarfilm über diesen besonderen Hamburger Club. Karten gibt es ab 7 Euro.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Kulturjournal | 18.11.2021 | 19:00 Uhr

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