Drei Raubkunst-Bronzen aus dem Land Benin in Westafrika sind im Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) in einer Vitrine ausgestellt. © picture alliance/dpa Foto: Daniel Bockwoldt

Spurensuche und Aufarbeitung: Debatte zur Provenienzforschung in Hamburg

Stand: 19.04.2021 19:00 Uhr

Wie sollen Museen, wie soll die Politik mit Raubkunst umgehen? Darum geht es bei einer Podiumsdiskussion, die der NDR am Montag gemeinsam mit dem Arbeitskreis Provenienzforschung in Hamburg veranstaltet.

"Spurensuche und Aufarbeitung - Zum Stand der Provenienzforschung in Hamburg" lautete der Titel der Podiumsdiskussion. Sie war Teil der zweitägigen digitalen Jahrestagung des Arbeitskreises in der Kunsthalle. Christine Gerberding (Kulturjournal, NDR Fernsehen) diskutierte mit Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda, der Direktorin des MARKK, Barbara Plankensteiner und Bettina Probst vom Museum für Hamburgische Geschichte über den Umgang mit kolonialen Kulturgütern. Mit dabei war auch Sebastian Giesen, Geschäftsführer der Hermann Reemtsma Stiftung.

Wie sehr Provenienzforschung auch unser kulturelles Selbstverständnis verändert, besprach Ocke Bandixen (NDR Info, Hörfunk) mit Meike Hopp der Vorsitzenden des Arbeitskreises Provenienzforschung, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alexander Klar und Robert Zepf dem Direktor der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg. In dieser Runde war ebenfalls Carsten Brosda mit auf dem Podium.

Dabei ging es unter anderem darum, wie die Provenienzforschung in das Gesamtkonzept zur Aufarbeitung des kolonialen Erbes in Hamburg eingebunden werden kann. Außerdem ging es um die Vernetzung der verschiedenen Institutionen sowie das Selbstverständnis der Provenienzforschung als eigenständige Disziplin und gleichzeitig notwendiger Bestandteil jeglicher kuratorischer Praxis. Die Gesprächsrunden wurden eingerahmt von künstlerischen Interventionen der Tänzerin und Choreographin Ursina Tossi.

20 Jahre Provenienzforschung

Der Arbeitskreis befasst sich seit 20 Jahren mit der Provenienzforschung, also der Geschichte der Herkunft von Kulturgütern und Kunstwerken. Das Motto der zweitägigen Tagung in der Kunsthalle lautet "Entzug, Transfer, Transit - Menschen, Objekte, Orte und Ereignisse". Zum 20-jährigen Bestehen steht eine Bestandsaufnahme auf der Tagesordnung: Wie liefen vergangene Debatten, wie sind die aktuellen Entwicklungen und was bringt die Zukunft der Provenionsforschung?

Umgang mit Kulturgütern aus der NS- und DDR-Zeit

Ein Fragezeichen steht auf dem Anhänger eines Koffers in blauer Anmutung. © Colourbox Foto: -
Die Tagung beschäftigt sich mit der Frage, wie mit entzogener Kunst umgegangen werden soll.

Die Tagungsbeiträge beschäftigen sich dabei nicht nur mit Kulturgütern aus der Kolonialzeit, sondern auch mit Entzugsvorgängen innerhalb der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR: Wie soll mit zurückgelassenem Buchbesitz nach einer "Republikflucht" umgegangen werden? Wie war die "Beutepraxis" in der Sowjetischen Besatzungszone welche Quellen für die Provenienzforschung liegen in russischen und ukrainischen Archive? Auch Raubkunst aus der NS-Zeit ist ein Schwerpunktthema der Tagung. Handlungsspielräume zwischen den kulturpolitischen Anforderungen, eigenem wissenschaftlichen Anspruch und konkreten arbeitstechnischen Gegebenheiten sollen kritisch hinterfragt werden.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal plus | 20.04.2021 | 18:30 Uhr