Villa Minimo © NDR Foto: Agnes Bührig

Neue Stipendiaten in der Villa Minimo in Hannover

Stand: 23.03.2021 17:35 Uhr

Der Kunstverein Hannover stiftet das "Atelierstipendium Villa Minimo" für ein bis zwei Jahre. Das Haus stellt die Immobilienfirma Gundlach - der Kunstverein Hannover wählt die Preisträger aus. Nun sind die neuen Stependiaten eingezogen.

von Agnes Bührig

Lena Marie Emrich führt in ihr Atelier in der Villa Minimo, gelegen im Erdgeschoss eines kleinen Häuschens im Norden Hannovers. Hinten liegt der Wohnbereich mit Bett und Regal, vorne Arbeits- und Esstisch, rechts der Ausstellungsbereich.

An einer weißen, langen Wand hat die 1991 in Göttingen geborene Künstlerin bunte Scheiben gehängt. Die Verbindung zu Flugzeugfenstern fällt sofort auf. Mit dem öffentlichen Raum beschäftige sie sich immer wieder, sagt Emrich: "Wenn ich Objekte kreiere, benutze ich gerne so eine Regel der Wiedererkennung. Das heißt, man braucht immer drei prägnante Merkmale, um ein Objekt wiederzuerkennen. Und beim Flugzeugfenster habe ich es reduziert auf die Dreischichtigkeit, die Form und das Breathinghole - das ist das kleine Loch, um den Druckausgleich zu generieren."

Lena Marie Emrich ist eine der neuen Villa-Minimo-Bewohner

Villa Minimo in Hannover © NDR Foto: Agnes Bührig
Klein aber fein: die Villa Minimo in Hannover

Seit Anfang des Jahres wohnt die Absolventin der Akademie der Künste Berlin als Stipendiatin in Hannover. Die Jury für das zweijährige Stipendium hat die studierte Bildhauerin mit "präzisen Inszenierungen" aus dem Kontext Mensch/Maschine überzeugt. Mit durchdrehenden Reifen tiefergelegter Autos erzeugt sie poetische Farbwolken, Mietfahrräder vom Straßenrand werden zur Installation. Das Interesse für Maschinen habe vielleicht auch mit ihrem Vater zu tun, der Werbetechniker ist, sagt Lena Marie Emrich: "Ich habe als Kind schon immer bei meinem Vaterin der Werkstatt mitgearbeitet und zum Beispiel von den Schriftplotts die Folie rausgekratzt."

Für die Zeit in Hannover hat sie sich vorgenommen, das Phänomen der Spuckschutzscheiben zu untersuchen. Deren Herstellung hat sie in der Werkstatt ihres Vaters beobachtet. Zugleich sind es Objekte, die unsere Zeit spiegeln.

Nachhaltige Kunstinstallationen von Sven-Julien Kanclerski

Sven-Julien Kanclerski steht an einem Arbeitstisch in der Villa Minimo © NDR Foto: Agnes Bührig
Sven-Julien Kanclerski arbeitet nachhaltig

Und auch der zweite Stipendiat der Villa Minimo arbeitet mit Kunststoffen. Für den Lichtparcours Braunschweig hat der HBK-Absolvent Sven-Julien Kanclerski im vergangenen Jahr eine Art übergroße, leuchtende Boje aus Recyclingmaterial erschaffen. Jetzt lässt der 1988 in der Region Hannover geborene Künstler Granulat in einen Sack rieseln. Das hat er aus alten Plastikfässern gewonnen.

Farbigkeit und der Recyclingprozess interessieren ihn, und "generell das Problem, das seit einigen Jahren da ist. Gerade in Bezug auf den Kunstbetrieb, in dem ganz viele Dinge immer noch hergestellt werden, die aber nicht mit dem Nachhaltigkeitsfaktor abgeglichen werden."

Zum Stipendium-Ende gibt es eine Ausstellung im Kunstverein Hannover

Kunst sei für ihn Bewusstseinserweiterung, sagt Sven-Julien Kanclerski. Nachhaltigkeit und Objekte aus Zeiten der Pandemie seien Themen, auf die sie demnächst Anwendung finden könnte. Denn am Ende ihrer Zeit in der Villa Minimo steht eine Ausstellung der entstandenen Werke - im Kunstverein Hannover.

Ein Besuch der Villa Minimo ist am 29.3. online ab 18 Uhr möglich.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 23.03.2021 | 07:20 Uhr