Stand: 02.02.2018 14:20 Uhr

#MeToo: Manchester Art Gallery hängt Gemälde ab

von Spickhofen, Thomas

"Hylas und die Nymphen" gehört zu den bekanntesten Bildern in der Manchester Art Gallery. Das Werk von John William Waterhouse zeigt eine Szene, in der ein junger Mann von sieben Nymphen in einen Teich und damit in seinen Tod gelockt wird. Am Freitag hat die zuständige Kuratorin das Gemälde abgehängt, um eine Diskussion über die Darstellung von Sexualität und Geschlechterkampf anzustoßen. Und das ist ihr auch gelungen.

Dies ist das betroffene Ölgemälde "Hylas und die Nymphen" von John William Waterhouse (1896).

Das Bild sei nur vorübergehend abgenommen, verspricht Clare Gannaway. Und es gehe auch gar nicht um dieses einzelne Bild, sagt die Kuratorin der Manchester Art Gallery. Ihr passt die ganze Richtung nicht, mit der ihr Museum diese Bilder ausstellt. Das sei ein hausbackener, viktorianischer Bereich, in dem sich seit dem Umbau vor 16 Jahren nichts mehr geändert habe.

Auf englische Künstler hat sich die Manchester Art Gallery spezialisiert, einer davon ist John William Waterhouse. Von ihm stammt das Bild "Hylas und die Nymphen", gemalt 1896, eines der bekanntesten Werke in der Manchester Art Gallery. "Vor diesem Bild haben wir gestanden", sagt Kuratorin Clare Gannaway, "zusammen mit Sonia Boyce, einer Künstlerin, die im März hier ausstellen wird. Boyce arbeitet mit allen möglichen Medien: Malerei, Druck, Fotografie, aber auch Video-Installationen. In Sonias Kunst geht es sehr darum, Menschen zu versammeln und zu gucken, was passiert. Und wir vom Museum haben uns mit ein paar Leuten mit ihr getroffen und darüber geredet, wie wir die Darstellung der Geschlechter in unserem Museum finden."

Ein Kunstwerk wird entfernt - nur ein PR-Gag?

Zumindest diskussionswürdig fand die Gruppe das alles und nahm das bekannteste Bild von der Wand. Die Aktion wurde gefilmt und soll bei der Boyce-Ausstellung später zu sehen sein. An der Stelle hängt nun eine Notiz, die den Vorgang erklärt, drumherum sollen die Besucher auf Post-Its ihre Kommentare hinterlassen, außerdem wurde ein Hashtag aufgesetzt, unter dem die Aktion im Internet diskutiert werden kann.

Alles ein PR-Gag, glaubt Rupert Maas, Galerist aus London. Das Bild abzunehmen und die Postkarten aus dem Museumsshop zu verbannen, das sei doch kein angemessener Umgang mit Kunst, findet er: "Hier wird der Öffentlichkeit ein Bild verweigert, das sie gern sieht. Was würden Sie sagen, wenn Sie ins Kino gehen und dann wird dort kein Film gezeigt? Oder einer, den Sie gar nicht sehen wollten? Ich finde es wirklich sehr arrogant, so zu handeln."

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Natürlich gehe es in dem Bild um Sexualität und die Haltung dazu, sagt Galerist Maas. Aber darüber müsse man eben mit diesem Bild diskutieren, nicht ohne: "Wir könnten eine lange Debatte über Sexualität in der modernen Welt haben. Denken Sie an Big Brother oder andere Fernseh-Formate, wo Sexualität ganz vorne steht - darüber sollten wir reden. Aber nicht in einer Art von Zensur ein Bild von der Wand nehmen. Das ist der neue Faschismus. Ich finde das echt nicht gut."

Anstoß zu einer offenen Diskussion

Auch die Kommentare auf der Internet-Seite des Museums sind ganz überwiegend kritisch. Manche wollen das Museum nicht mehr besuchen, bis das Bild wieder hängt. Andere fragen, ob sie das Gemälde haben können, wenn das Museum es doch nicht mehr brauche. Kuratorin Clare Gannaway sieht das alles gelassen: "Es geht auch nicht um mich allein als Kuratorin. Es war ein Prozess in einer Gruppe, den wir durchlaufen haben, und den wir für Debatte und Diskussion öffnen wollten."

Das ist ihr gelungen. Eines Tages, verspricht Clare Gannaway, werde das Bild auch wieder in ihrem Museum hängen - dann aber in einem anderen Kontext, hofft die Kuratorin.

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 02.02.2018 | 14:20 Uhr

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