Stand: 16.06.2016 18:28 Uhr

Lübecker machen Christos Träume wahr

von Julian Marxen, Hauke von Hallern

"Das meiste haben wir geschafft", freut sich ein hörbar erleichterter Robert Meyknecht. Er ist Chef der Lübecker Firma "Geo - die Luftwerker" und froh, dass ein Großteil der insgesamt drei Kilometer langen Stege in Sulzano am Lago d'Iseo jetzt eingedeckt ist. "Wir haben noch einmal eine Nachtschicht eingelegt und jetzt geht es an die letzten Feinarbeiten." Denn: An einigen Ecken und Kanten fehlt noch ein wenig Stoff für Christos Kunstinstallation "Floating Piers". Der muss nun im Näh-Camp zugeschnitten und genäht werden.

Helfer erschöpft, aber glücklich

Gerade mal nicht in der Werkstatt, sondern in einer Bar sitzen am Mittag drei Luftwerker-Mitarbeiter bei Espresso und Mineralwasser. Kurz Luft holen, eine halbe Stunde Kraft sammeln für die nächsten Aufgaben. Sie sind erschöpft, aber glücklich. "Das ist einfach überwältigend", schwärmt Luftwerkerin Anne Humborg, während sie durch die Panoramafenster auf den See und die Stege schaut. Der Aufwand habe sich mehr als gelohnt.

Kunst zu Wasser und an Land

Die Kunstinstallation beschränkt sich aber nicht nur auf den Lago. Auch der halbe Ort Sulzano am Ostufer des Sees leuchtet in Gelb-orange. In den engen, verschlungenen Gässchen sind nach wie vor Arbeiter am Werkeln. Der Stoff wird am Boden befestigt und immer wieder straff gezogen. Weil viele Einheimische und Touristen versuchen, über die bereits eingedeckte Promenade zum Bootsanleger zu gehen, haben sich Christo-Helfer mit Besen bewaffnet.

Hunderttausende Besucher erwartet

"Wir müssen ab und zu hinterherfegen. Denn sonst verliert der Stoff an Strahlkraft", erklärt eine italienische Helferin. Bis Sonnabend muss alles fein sein. Dann ist Eröffnung und die Besucher können über die Stege wandeln. Immerhin mehr als eine halbe Million Menschen soll die Kunstinstallation anlocken. Noch ist der Ort Sulzano zwar nicht überfüllt, aber der Straßenverkehr nimmt von Tag zu Tag zu.

Gemeinde nimmt es gelassen

Viele Ferienwohnungen und Hotels sind schon ausgebucht. Freie Parkplätze sind derzeit kaum zu bekommen. Zusätzliche Parkmöglichkeiten sollen aber noch eingerichtet werden, heißt es von der Gemeinde. Das Großprojekt scheint die Behörden nicht aus der Ruhe bringen. Italienische Gelassenheit eben.

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NDR//Aktuell | 20.06.2016 | 14:00 Uhr