Sendedatum: 01.09.2020 18:00 Uhr

Kunstverein Langenhagen

von Agnes Bührig

Wenn wir wegen der Corona-Pandemie Innenräume meiden müssen, dann verlegen wir die Kunst eben in den Garten. Das sagte sich Noor Mertens, Leiterin des Kunstvereins Langenhagen nördlich von Hannover, und lud die gebürtige Kanadierin McNamee ein, eine ortsspezifische Installation im Freien zu errichten. Ihre Arbeit wird nun zusammen mit Werken des Belgiers Philippe Van Snick gezeigt, der im vergangenen Jahr starb. Agnes Bührig berichtet.

Die Räume des Kunstvereins Langenhagen öffnen sich schon vor dem Betreten: Ein riesiges, gardinenloses Fenster an der Straße gibt den Blick frei ins Büro. Darin ein flächiger Tisch, der fast den gesamten Raum ausfüllt, was den Gedanken aufnimmt, nicht nur Ausstellungsort sein zu wollen, sondern auch ein Ort des Austauschs. Hinten im Raum läuft eine geometrisch anmutende Regalfläche über die Breite der Wand, rechts ein farbig strahlendes, riesiges Gemälde von Philippe van Snick. 2017 übernahm die gebürtige Niederländerin Noor Mertens die Leitung des Hauses und gestaltete es um. Den Fokus legte sie auf die internationale Kunst.

"Ich bin eigentlich sehr überzeugt, dass es in der Region Hannover ziemlich gute Möglichkeiten gibt, für regionale Künstlerinnen und Künstler, um auszustellen, so ich versuche das nicht zu tun. Und natürlich ist mein Hintergrund auch nicht deutsch. Natürlich gucke ich auch rund und sehe, was in Deutschland passiert. Aber ist mein Netzwerk ist auch anders und ist auch die Idee: Ich versuche nichts zu bestätigen. Natürlich wiederholt man ständig, wenn man jemand fragt, der schon eine Ausstellung irgendwo anders gehabt hat. Aber ich versuche nicht, zu programmieren."

Ein Vorsatz, der der Kunstwissenschaftlerin mit der aktuellen Ausstellung gelingt. Sie lud Alex McNamee aus London ein, den Garten des Kunstvereins zum Kunstraum zu machen.

Das war zunächst gar nicht so einfach, sagt die Künstlerin bei einem Gang durch ihre Installation, denn die Fläche neben dem Kunstverein wird von zwei mächtigen Laubbäumen dominiert. Die 30-Jährige entschied sich, dieses Material wieder aufzunehmen, indem sie zwei Obstbäume auf Hügel setzte und deren dünne Stämme in eine Rundung zwängte. „An der Schwelle der Krümmung“ heißt ihre Arbeit auf Deutsch. Auch bei der Grasfläche in Form eines Dreiecks, die schräg aus dem Boden aufragt, verschränkt Alex McNamee Künstlichkeit und Natürlichkeit, aber auch innen und außen.

"Das Arbeiten war ganz anders als sonst. Der Maßstab ging verloren. Ich habe die Einfassung dieser Skulptur im Innenraum entwickelt und da machte sie einen sehr massiven Eindruck. Ich habe dann überlegt, ob wir sie anpassen, denn das Verlieren ihres alten Maßstabes hatte ich nicht vorhergesehen."

Eine andere, ruhigere Situation herrscht innen im Galeriebereich des Kunstvereins Langenhagen. Im 22 Meter langen, schmalen Raum, der einst eine Kegelbahn war, ist Philippe Van Snicks „Territoire de Voyage“ zu sein, übersetzt etwa „Die Landschaft der Reise“. Natürliche Formen im Garten des Belgiers, Jahrgang 1946, haben diesen zu seinen flächigen, farbigen Bildern inspiriert, die geometrisch wirken. Den Eingang der Ausstellung beherrscht die Arbeit „Mexican Dream Cabin“ von 2015, eine zweifarbige Fläche, zur Hälfte schwarz, zur Hälfte violett.

"Da ist eigentlich als Erstes diese Dualität zu sehen, womit Philippe Van Snick immer gearbeitet hat. Ende der 70er Jahre hat er beschlossen, mit zehn Farben zu arbeiten. Das war dann sein Werkraum, Arbeitsraum kann man sagen. Und ein paar Jahre nachher hat er eine elfte Farbe dazu genommen und das war hellblau. Und was er damit eigentlich versucht hat, zu tun, ist immer das Nachdenken über Tag und Nacht. Um nachzudenken, wie kann man als Maler Zeit visualisieren."

Die Zeit in unterschiedlichen Ausprägungen. Als Faktor des Verwitterns und Wachsens ist sie bei der Installation von Alex McNamee im Garten des Kunstvereins Langenhagen gewollt. Bei Philippe Van Snick taucht sie als abstraktes Phänomen auf – und das mal drinnen, mal draußen, eine gut gewählte Kombination.

 

 

 

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Journal | 01.09.2020 | 18:00 Uhr

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